Nach dem Rückschlag des vorherigen Jahres war die Richtung für 2017 klar – vielleicht alles eine Spur kleiner, aber dafür mit größeren Erfolgsaussichten. So wurden es am Ende zwei schöne Touren in dem Jahr. Zuerst ging es Ende Juni nach Arlberg in Österreich, wo der Lechweg auf mich warten sollte. Dies ist ein eher unbekannterer Wanderweg in den Alpen, welcher die Besonderheit besitzt, dass er von der Quelle des Flusses Lechs im Gebirge bis zur Mündung in die bayerischen Seen in Füssen führt. Der Lech fließt in Österreich noch komplett natürlich, ohne Begradigungen, Stauseen, etc. Das kommt dann alles erst, nachdem er die Grenze zu Deutschland überwindet…
Startpunkt ist auf über 2.200m Höhe am Formarinsee, wobei man recht bequem per Bus bis dorthin fahren kann. Das Alpenpanorama lässt sich hier auch sehen, wobei das Wetter die ersten Tage noch sehr durchwachsen war.


Von der Quelle bis zur Mündung bedeutet auch, dass man quasi immer leicht bergab läuft, von ein paar Gegensteigungen abgesehen. Das macht den Weg grundsätzlich eher einfach, auf eine Woche verteilt hat man am Ende aber doch über 130 Kilometer in den Beinen.



Bestimmt im ersten Teil des Weges noch die alpine Landschaft das Bild, wird es später deutlich flacher und es geht durch grüne Wiesen, während der Fluss immer breiter wird. Leider führt der Wanderweg hier zunehmend über breite Pfade, teilweise auch Asphaltwege, welche durch zahlreiche E-Bike-Fahrer genutzt werden. Das schmälert dann doch auch ein wenig den Wandergenuss. Ein Höhepunkt ist sicherlich die freischwebende Hängebrücke in Holzgau, die mehr als 100 Meter über das Tal führt und eher nur für schwindelfreie Menschen zu empfehlen ist.



Zum Abschluss überwindet man dann noch die Grenze nach Deutschland und befindet sich in der Nähe der Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau – inklusive Begegnungen mit zahlreichen Touristen, die durchaus auch verwundert dreinschauen, wenn man nach einer Woche Wandern urplötzlich aus dem Wald rauskommt und vielleicht nicht mehr jegliche Hygienestandards erfüllt.


Gut einen Monat später ging es dann auf die größere Tour – eine Art Alpenüberquerung, nicht ganz vergleichbar mit Klassikern wie den E5 (Oberstdorf – Meran), aber dafür selbst zusammengestellt und mit ein paar Highlights. Los ging der ganze Spaß in Kochel am See (durchaus interessant, dass ich heute in der Gegend lebe, wo ich früher öfters gewandert bin) und mit dem Jochberg wartete direkt ein erster schöner Aussichtsgipfel am ersten Tag.

In der folgenden Nacht zog ein heftiger Sturm über Bayern, der zahlreiche Bäume entwurzelte und meinen Weg stark verkomplizierte, da dieser teilweise nicht mehr passierbar war. So ging es querfeldein durch den Wald, teilweise schüttete es noch stark, ein richtiger Sahnetag zum Wandern. Vom zauberhaften Sylveinsteinsee ging es nun weiter nach Österreich zum Achensee, ein hübscher 30km-Marsch bei brütender Hitze – aber der Achensee lohnt jede Anstrengung. Am Folgetag wurde über einen kleinen Steig am Rand des Sees dieser quasi umrundet – zauberhafte Blicke inklusive.


Nun folgte der erste kleine Transfer, um das Inntal zu überwinden und dann hinauf zur Kellerjochhütte. Diese liegt wunderschön auf einem vorgelagerten Gipfel und bietet ein traumhaftes Panorama.

Weiter ging es zum nächsten Berghaus – der Rastkogelhütte. Dieser Tag führte u.a. durch das Skigebiet Hochfügen, einfach gnadenlos hässlich, sowas im Sommer sehen zu müssen.

Nächste Station war nun der Schlegeisspeicher am Ende des Zillertals.

Hier gab es dann einen Ruhetag, so dass die traumhafte Landschaft bewundert werden konnte. Nun hieß es, Österreich wieder zu verlassen und nach Italien weiter zu ziehen. Vom Speichersee führt ein kleiner Pfad hinauf zum Pfitscher Joch, direkt zwischen den höchsten Bergen der Zillertaler Alpen hindurch. Direkt am Pass befindet sich auch eine schöne Hütte, welche mir für diese Nacht Zuflucht bot.

Von der Passhütte hieß es dann, runter nach Sterzing zu wandern – also von gut 2.500 Metern Höhe auf gut 900 Meter. Wieder ein langer Tag bei ordentlich Wärme, aber es half ja alles nix.
Da der Urlaub noch ein paar Tage Rest hatte, gab es noch einen kleinen Schwenk in die Dolomiten. Kleiner Transfer in Richtung Lüsner Alm, wo ich auf einer der schönsten Hütte nächtigte, die man sich vorstellen kann (Starkenfeldhütte, mega schöne Zimmer).

Abschließend folgten noch zwei wundervolle Tage mit der Umrundung des Peitlerkofels und nach zwei Wochen war das Projekt Alpenüberquerung dann auch abgeschlossen. Und diesmal ohne kaputte Schuhe oder Schneeeinbrüche.

