Ich hatte unterwegs den Bericht quasi schon fertig geschrieben, nichtsahnend, dass der spannendste Teil erst am Ende des Tages noch kommen sollte… aber beginnen wir mal am Morgen.
So ein Start in den Urlaub geht quasi nie entspannt. Heute morgen noch fix ins Büro in die Klinik, letzte Anfragen beantworten, Tabellen rumschicken und hoffen, dass die kommenden zwei Wochen nix weltbewegendes passiert. Beim Verlassen des Büros gegen Mittag natürlich noch die Abwesenheitsnotiz vergessen – dann eben von zu Hause nochmal fix auf den Rechner drauf und alles eingestellt. Kann ja nicht sein, dass hier Mails 2 Wochen lang ungelesen rumliegen 😀
Währenddessen zogen Unwetter über das Blaue Land, ein Vorbote für die kommenden Tage in den Bergen? Ich hoffe nicht, die Wettervorhersage sieht sehr gut aus, das Wochenende wird sommerlich. Zu Hause die letzten Pakete angenommen und nun alles in den Rucksack rein. Anvisiert waren 16kg… und die wurden es auch. Aber mit leerer Wasserflasche, was bedeutet über 17kg im Maximalzustand. Naja, paar Sachen flogen wieder raus, die Tube Rei interessiert am Berg wohl auch nicht. Irgendwie dann doch noch ein halbes Kilo gespart, dass muss nun reichen. Es trägt sich erstmal nicht so schlecht und das ist im Vergleich zu manch vergangener Tour ein gutes Zeichen, wo man sich zum Start kaum vorstellen konnte, wie man das über einen längeren Zeitraum und berghoch tragen soll. Wer die Anfangssequenzen von „Wild – Der große Trip“ mit Reese Witherspoon kennt, weiß wahrscheinlich, wovon ich rede (der Film ist übrigens sehr zu empfehlen!)
Auf den großen amerikanischen Wandertreks (Appalachian Trail, Pacific Crest Trail) gibt es sogenannte Trail Angels, die sich um die Wanderer kümmern und z.B. mit kostenlosen Transfers helfen. Mein Trail Angels waren heute mal wieder meine lieben Vermieter, die mich nach Mittenwald brachten, da die Deutsche Bahn den Süden der Republik mal wieder sträflich vernachlässigt. Schön durch das Unwetter hindurch, begann nun die kleine Zug-Odysee. 15min Fahrt nach Seefeld, 25min Umstiegszeit, 30min Fahrt nach Innsbruck, 45min Umstiegszeit, 30min Fahrt, 35min Umstieg am Brenner und die abschließende 20min Fahrt nach Sterzing. Auf der Alpensüdseite strahlt die Sonne, die Berggipfel glänzen im Abendlicht. Auf dem Monitor im Zug läuft Werbung vom Radfahren in den Dolomiten. Ich erkenne die Gipfel, Sellagruppe, Marmolada, Peitlerkofel. Südtirol verzaubert mich immer wieder. Welch eine wundervolle Region.

Nun flink ins Hotel und Check-In. „Dann brauche ich einmal den Ausweis“. Geldbeutel raus, Tasche mit den Karten geöffnet… Krankenkarte, Alpenvereinsausweis, Organspendeausweis… aber kein Perso. Und mir wurde schlagartig klar, der liegt noch zu Hause. Somit dann eben mal zwei Staatsgrenzen illegal übertreten. Der dümmste Mensch der Welt… ohne Ausweis in den Urlaub. Im Hotel war klar, ich brauch was, sonst kann ich da nicht rein. Und zum Glück hatte ich vor einem Jahr auf Anraten mal Fotos vom Ausweis gemacht, als wir nach Albanien sind. Und tatsächlich konnte ich mich damit einchecken. Das Hotel war nun auch so freundlich und hat mir den Ausweis auf A4 kopiert, zwar riesig, aber immerhin.
Rettung naht aber, denn so ganz ohne richtig gültigen Ausweis fühlt man sich dann doch nicht wohl im Ausland. Ab Sonntag begleiten mich zwei Wanderfreundinnen aus dem Erzgebirge, die den dann unterwegs noch abholen und mir dann mitbringen. Somit ist dann auch der Depp wieder fähig, sich auszuweisen.
Der Abend endet nun deutlich aufregender als gewollt, aber doch funktioniert irgendwie dann alles – dank guter Freunde und tatkräftiger Hilfe. Morgen früh geht es dann auf den Berg, ich freue mich sehr. Ziel ist die Schneeberghütte oberhalb vom Passeier Tal. Falls es Netz gibt, melde ich mich wieder.

