Auf den Spuren der Bergarbeiter zur Schneeberghütte

Die Wirrungen des Vortages waren vergessen – es geht endlich auf den Berg. Und tatsächlich ist dieses Gefühl auch einfach was anderes als eine kleine Tour am Wochenende zu machen. Alleine das Leben auf den Hütten, welches erst nach der Abreise der Tagesgäste erblüht, ist so wundervoll und muss man mit erlebt haben. Beim Frühstück sagte mir dann noch meine Uhr, dass ich in Höchstform bin. Na dann, kann ja nix mehr schief gehen.

Ab in den Bus, halbe Stunde Fahrt ins Ridnauntal bis ganz ans Ende. Hier befindet sich ein Bergbaumuseum. Die ganze Gegend war bis ins 20.Jahrhundert ein riesiges Abbaugebiet und auch noch heute sieht man überall die Spuren des jahrhundertelangen Bergbaus. Direkt steil hoch ohne Kompromisse, der Rucksack drückt auch umgehend auf die Schultern. Aber das Tempo ist gut und bald erreiche ich etwas flacheres Gebiet im Lazzacher Tal.

Bergbaugebäude am Hang
Lazzacher Tal

Einige Kilometer ging es nun leicht ansteigend durch dieses schöne Tal, vorbei an Kuhherden, die sich prominent auf dem Weg platziert hatten. Weiter oben wurden die Blicke auf die umliegenden Berge immer schöner.

Nun ging es zu einem verlassenen Stollen, hier stehen noch alte Wagen rum, die Schienen sind noch vorhanden. Eine wahnsinnig interessante Szenerie bietet sich einem hier oben.

Nächster Stop war die Moarerberg Alm auf 2130m Höhe, die gerade fleißig am Einräumen waren, da morgen der offizielle Saisonstart sein wird. Freundlicherweise gab es aber ein kleines Erfrischungsgetränk und ich konnte meine wohlverdiente Pause genießen. Denn nun stand der finale Anstieg bevor – hinauf zur Schneebergscharte auf ca. 2700m Höhe. Also Beine in die Hand, Rucksack geschultert und es wurde direkt richtig steil.

Oberhalb der Moarerbergalm

Ab gut 2.300 Meter Höhe wurden dann aus ein paar kleinen Schneefeldern nun riesig große. Und der Wanderweg war größtenteils nicht mehr sichtbar, da er unter den Schneemassen verborgen lag. Zu Beginn konnte ich um diese noch herumkraxeln, was zwar anstrengend, aber machbar war. Aber irgendwann steht man dann vor 20 Meter Schnee und kann nix anderes mehr machen, als sich rüber zu wagen. Direkt am ersten Tag kamen dann die Grödel (eine Art Spikes zum umschnallen für die Füße) zum Einsatz, damit wenigstens die Gefahr des Rutschens minimiert wurde. Langsam auf den Schnee drauf, erstmal bis zur Wade in kurzen Hosen eingesunken. Dann wurde der Schnee härter, ich wagte einige Schritte mehr und zack… bis zur Hüfte im Schnee drin 😀. Also wieder raus und nun auf allen Vierer weiter. Alle Gliedmaßen nun im Schnee versunken und irgendwie bis zum nächsten Felsen robben.

Nun bot sich die Chance, auf dem Felsstreifen weiterzuklettern. Irgendwie komme ich schon wieder auf den eigentlichen Weg, die Scharte konnte ich auch schon erkennen. Weglos ging es nun steil über den Hang einfach gerade berghoch. Alles nicht ohne, aber dennoch halbwegs im Rahmen, auf jeden Fall tausendmal angenehmer als weiter Schneemann zu spielen. Nach 15 Minuten kam ich dann wieder auf den Weg und die Scharte auf 2.700m Höhe war schnell erreicht.

Blick zur anderen Seite

Nun also runter, die Schneeberghütte war schon zu sehen. Die Schneefelder konnten hier ganz gut umgegangen werden und nach 40 Minuten Abstieg war ich dann am Ziel. Und welch Haus erwartet einen hier. Das alles war früher Bergbaugebiet, hunderte Bergleute waren hier untergebracht und gruben am Tag nach Silber, Blei oder Zink. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war man hier tätig und unzählige Stollen und Requisiten zeugen noch davon.

Nun also Quartier beziehen. Warme Dusche ein Traum. Das Vier-Gänge-Menü – Salat, Makkaroni, Spinatknödel, Apfelstrudel – (wir sind auf 2.350 Meter Höhe) unfassbar gut. Gerade kam noch eine 30-köpfige italienische Gruppe an. Ich sitze bei den Wirtsleuten, mit denen ich mich schon länger unterhalte. Das Hüttenleben kann schön sein.

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