Was Anfang des Jahres zu Beginn noch eine Schnapsidee war, ist nun nur noch zwei Wochen entfernt – Ende Juli zieht es mich an den südwestlichsten Zipfel Frankreichs nach Hendaye und die große Tour durch die Pyrenäen beginnt. Statt der zwei- oder maximal dreiwöchigen Touren, welche ich in der näheren Vergangenheit absolviert habe, sind nun acht Wochen angesetzt. Richtig gelesen – knappe zwei Monate zieht es mich nun in Kürze in die Berge, nur ausgestattet mit Rucksack und mit dem Ziel, das Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien in seiner kompletten Länge vom Atlantischen Ozean bis zum Mittelmeer zu durchqueren.

Klingt verrückt und ist es sicherlich auch. Der Traum, so eine richtig lange Tour zu absolvieren, beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Angespornt durch Filme wie „Wild“ bzw. das zugehörige Buch „Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“ hatte sich schon frühzeitig mit dem Entdecken des Wanderns als präferierte Urlaubsbeschäftigung der ferne Wunsch gebildet, auch mal für längere Zeit auf Reisen zu gehen. Unzählige Literatur habe ich in diesen Jahren verschlungen – diverse Bücher über die großen amerikanischen Wanderwege (Pacific Crest Trail, Appalachian Trail), aber auch in Europa (z.B. „Norwegen der Länge nach“). Bisher blieb es immer nur ein ferner Traum. Doch Anfang des Jahres packte mich der Mut – wenn nicht jetzt, wann dann?

So richtig präsent sind die Pyrenäen im hiesigen Gedächtnis wohl bei den wenigsten. Auch bei mir galten sie bisher nie als ausgemachtes Ziel oder hatte ich eine Vorstellung davon, wie es sein könnte, dort zu wandern. Bei der Suche nach einem Urlaubsziel für dieses Jahr stieß ich irgendwann drauf und entdeckte einen unfassbaren Schatz – denn das Gebirge stellt ein absolutes Wanderparadies dar. Und schnell fiel der Blick eben auf das größte Abenteuer, was man dort machen kann – einmal der Länge nach durch. Nicht einfach nur drüber, das würde man in 2 Tagen schaffen. Der Wandergott hat hier auch gut vorgesorgt – gibt es doch jeweils auf der französischen (GR 10) und spanischen Seite (GR 11) einen separaten Wanderweg, der dies bewerkstelligt. Da stand ja schon die erste Entscheidung aus – will man nördlich oder südlich da lang wandern?

Doch warum nicht beides? Denn das größtenteils sehr dichte Wanderwegnetz gibt einem unzählige Möglichkeiten, ständig direkt am Gebirgskamm entlangzuwandern und je nach Lust und Laune zwischen Frankreich und Spanien hin- und herzuwechseln. Das haben auch schon andere gemacht und daraus die sogenannte Pyrenean Haute Route (HRP) entwickelt – wobei dies kein fest durchmarkierter Pfad ist. Im Buch selbst steht der schöne Satz, dass man diese Route nicht als starren Weg verstehen soll, sondern mehr als Idee. Und man sich selbst die schönste Route raussuchen kann. Und nach einiger Planung habe ich nun für mich eine Tour gefunden, wobei ganz klar ist, dass die unterwegs sehr flexibel ausschauen wird. Abhängig von Wetter, Zustand, etc. gibt es keinen fixen Weg, den ich von A nach B ablaufe. Die ersten Tage stehen soweit fest, aber am Ende gibt es nur ein Ziel – Banyuls-sur-Mer am Mittelmeer, welches ich hoffentlich irgendwann in der zweiten Septemberhälfte erreichen werde. Dazwischen liegen 750 – 800 Kilometer und unzählige Höhenmeter.

In den kommenden Tagen wird es noch einige Infos bzgl. der Ausrüstung und der Planung insgesamt geben. Dazu werden die brennenden Fragen geklärt – wie wahrscheinlich ist es, dass ich von einem Braunbären gefressen werde? Wie viele Giftschlangen gibt es dort unten? Und wie verständige ich mich dort? In diesem Sinne – bonjour und buenos nachos!