Bonsoir aus Hendaye! Nun bin ich endlich in der südwestlichsten Stadt Frankreichs angekommen. Problemlos war das nicht, aber am Ende zählt, dass ich hier nun den Startpunkt meiner Reise erreicht habe.
Gestern abend ging es nach geschaffter Arbeit (ich denke an euch, liebe Kolleg*innen!) noch via Zug von Murnau über München zum Flughafen Frankfurt. Doch schon die erste Verbindung klappte nicht, da die Züge aus Südbayern momentan eher einer gemütlichen Ausflugslok gleichen – und da wartet dann auch kein ICE. Naja, dann eben den Zug später nehmen und gegen 10 war ich dann endlich da. Checkin im Best Western, schlafen und morgens um 6 wieder raus, ab zum Frühstück. Kurzer Weg zum Flughafen, wo man mich nach dem ersten Warten an der Gepäckabgabe zum Sperrgepäck schickten. Eine Diskussion bzgl. Ultraleicht-Trekking und das der doch klein ist, hatte leider keine Aussicht auf Erfolg.

Mit etwas Verzögerung (vormittags zogen Gewitter über Frankfurt) ging es dann gechillt nach Bordeaux. Notausgang, Nebensitz frei – da freuen sich die Beine. Auch mein Rucksack landete mit mir in Bordeaux, jetzt hieß es etwas Beeilung, da es noch zum Hauptbahnhof gehen musste. Der überall angepriesene Flughafenshuttle entpuppte sich als Luftnummer, 45min Warten waren dann eher ein schlechter Witz. Also ins Taxi, denn der TGV nach Hendaye wartet… dachte ich. Denn wie ich am Bahnhof feststellen musste, war der Zug gerade eben erst in Paris abgefahren. 2 Stunden Verspätung – ein Fest!

Irgendwie Zeit totschlagen und schließlich war es dann viertel fünf und ich konnte im Zug Platz nehmen. Im Gegensatz zur DB, bei denen gefühlt keine Klimaanlage existiert, haben die Franzosen die Taktik, die Züge in fahrende Kühlschränke zu verwandeln. Draußen 25 Grad… und drin musste ich die Jacke anziehen. Kurz vor 7 dann die Erlösung und Hendaye war erreicht. Anscheinend ist da aber noch niemand aufgefallen, dass der Zug zu lang für den Bahnhof ist… so musste mein Waggon außerhalb aussteigen und erstmal schön nen halben Meter ins Kiesbett springen.

Als gute Vorbereitung bin ich die 35min zum Hotel noch gelaufen und habe erste Eindrücke gesammelt. Schon schön hier. Im Hotel ergaben sich dann die direkt die ersten großen Sprachhürden. Meine Hoffnung, dass man mit Englisch gut klarkommt, zerschlugen sich direkt. Die gute Dame vom Hotel hätte noch Spanisch im Angebot gehabt… das kann ich noch weniger. Es folgte ein sehr unterhaltsames Gespräch, in dem sie mir sehr langsam mit den wohl einfachsten Worten versuchte was zu erklären. Muss schon verzweifelnd sein, wenn man „Möchten Sie Frühstück?“ in Zeitlupe aufsagt und dann einfach nur in meine toten Augen blickt, der kaum was verstanden. Also ich hoffe, ich habe jetzt morgen Frühstück. Oder ich hab was anderes bestellt 😀
Nach einer Stärkung ging es natürlich noch zum Strand an den Atlantik. Und als hätte ich es bestellt, erwartete mich direkt der Sonnenuntergang. Wow, unbeschreiblich. Mehr muss man nicht dazu sagen, es ist ein sensationeller Anblick hier.



Und direkt am Strand hängt auch eine Infotafel über den GR10, also den französischen Teil des Weges, den ich laufen werden. Man könnte sich keinen schöneren Startpunkt einfallen. Als ich vor ein paar Jahren den Rennsteig gelaufen bin, musste man zum Startpunkt in den Hinterhof einer Kneipe… und hier eröffnet der Ozean die Wanderung. Irgendwie ist das schon traurig, dass ich jetzt erstmal quasi einen Monat vom Meer weglaufe. Nun denn – morgen geht’s los, daher frühzeitige Nachtruhe. Bonne nuit.
