Es ist schon surreal, dass ich vor 48 Stunden noch im „normalen“ Leben steckte – morgens in die Klinik radeln, drei Kaffee trinken, Excel malträtieren und rumfluchen, dass der PC zu langsam ist. Und nun starte ich am Atlantischen Ozean mit einem vollen Rucksack, der mich im Idealfall die kommenden 8 Wochen mit allen begleitet, was ich brauche. Um die Frage von gestern zu beantworten – ich hatte tatsächlich Frühstück bestellt, allerdings hat man hier eine andere Vorstellung davon. Kuchen, Gebäck… aber kein Käse oder mal ne Scheibe Wurst. Selbst Vitamine suchte man vergebens, so dass ich mir zum Start im Markt noch einen Apfel gegönnt habe. Und dann ging es kurz nach 9 ins große Abenteuer.


Fix nochmal zum Atlantik, Startfoto und dann auf. Was ich direkt schon merkte – ohne GPS-Navigation ist man völlig verloren, es gibt kaum Wegweiser. Ein Hich auf die intensive Planung, denn so ging es flott aus der Stadt heraus. Und während es am Meer windete und kühl war, gab es nun gefühlte 100% Luftfeuchtigkeit bis zum Ende. Innerhalb kürzester Zeit waren sämtliche Klamotten durch, es tropfte aus allen Poren. In der Nacht gab es ordentliche Schauer, die Wege dementsprechend schlammig. Die guten neuen Schuhe direkt für alle Zeiten versaut. Aber die Umgebung war wundervoll – grüne Hügel, wohin das Auge reichte. Nebelschwaden um die ersten Gipfel. Und so stampfte ich die Kilometer nach und nach durch. Nach 14km in 3 Stunden die erste kleine Pause und der letzte Blick auf die Atlantikküste.



An jeder Kreuzung musste das Handy rausgeholt werden, um sicherzugehen, wo es lang ging. Während in den Alpen gefühlt aller 50 Meter ein Schild hängt, ist es hier reines Glücksspiel. Teilweise finden sich die Zeichen erst 100m nach den Kreuzungen. Flugs kam ich zum Col d’Ibardin – hier hatte ich schon vorab gesehen, dass es was zum einkaufen geben könnte, allerdings wurde ich vom Ausmaß doch überrascht. Der kleine Pass zwischen Frankreich und Spanien ist oben komplett mit Shops und Restaurants zugekleistert und wird zum Sonntag auch extrem frequentiert. Also Auftritt Ronny – mitten in die Menschenmengen, die sich zum Sonntagsessen schick gemacht hatten, kam der schwitzende, dreckige und stinkende Wanderer an und durchschritt die Menge. Wie Moses einst das Wasser teilte, so machten die Leute für mich Platz. Im Supermarkt gönnte ich mir noch ne Fanta und ich glaube, die haben direkt hinter mir gewischt.

Danach verließ ich diesen schrecklichen Ort so schnell wie möglich und wechselte nun nach Spanien. Das Wetter weiterhin unnachgiebig schweißtreibend, aber die Wege wurden etwas besser. Immer weiter nach Osten zog es mich nun, den Blick auf „Larun“ gerichtet – der erste Fast-1000m-Berg der Pyrenäen. Man hätte auch hochgehen können, aber es reichte mir heute auch so. Zudem fährt dort auch eine Bahn hoch und auf Touristen hatte ich keine Lust mehr.



So ging es dann dem Ende der heutigen Startetappe zu – der Kilometerzeiger schnellte unerbittlich auf 25 hoch, die Höhenmeter nach oben auf 1000. Joar – guter Einstieg würde ich sagen, dabei nur zwei kleine Pausen und den Rest einfach durchgelaufen. Die letzten Meter ging es dann direkt auf der Grenze entlang und mein Handy drehte fast durch, weil es sich ständig abwechselnd in das jeweilige Landesnetz einwählte und mir dann eine SMS dazu schickte. Meine heutige Unterkunft ist das Hostal Lizuniaga im Nirgendwo – wunderschöner Blick zum Berg, gutes Zimmer, reichhaltiges Abendessen und ein Bier. Am Ende ein schöner erster Tag – anstrengend, aber die Beine haben super funktioniert. Morgen wird es noch länger 😀

25 Kilometer, 1.000m hoch, 800m runter, Zeit auf Tour: 6:30h

Nachdem ich nun endlich herausgefunden habe ,wie ich hier komme habe ich erst einmal sämtliche Deiner Berichte gelesen 👌Ronny ,du solltest Reiseberichte schreiben .Es ist eine Wohltat für alle zwangsverpflichteten Stubenhocker dir zu folgen😊
Ich musste so über den Vergleich lachen “ wie Jesus das Wasser teilte …hattest du freie Bahn „ich kenne solche Situationen und konnte es glatt fühlen.
Gut das du Navi hast ,ich denke du kannst dich bestimmt auch an der Sonne (wenn sie dann scheint )orientieren .
Was die neuen Schuhe angeht ,die müssen schon eingeweiht werden ,dann passen sie erst richtig .Es tut nur beim ersten Schlammgang weh 🥲.
Dann heute einen schönen Tag und ich freue mich auf deinen Bericht 🤗
LikeGefällt 1 Person