Gestern klang das alles noch nach einem perfekten Plan. Gemeinsam mit Tini die kommenden drei Tage durch die schwierigsten Etappen der Pyrenäen gehen, zelten und dadurch das unwegsame Gelände hier im spanischen Norden zusammen bezwingen.
Bei bereits drückender Sonne begannen wir am Vormittag den Aufstieg und verließen das wundervolle und charmante Sallent de Gallego, einfach eine komplett andere Erfahrung als solche Wintersportorte wie Candanchu, die nur aus Hotels bestehen. Es gibt kleine Gassen, sympathische Restaurants, es herrscht ein gewisses Chaos, welches aber hier gefühlt total normal ist. Vor uns sehen wir die großen Berge – da soll es hin gehen. Zuerst zum Refugio Respomuso und dann noch ein gutes Stück weiter – in Summe über 1.200 Höhenmeter.


Tini hatte nun gestern einen kompletten Ruhetag, sie meinte auch, dass sie ihn dringend benötigt hätte. Für mich hätte dieser heute angestanden, ich dachte aber, dass der Transfertag gestern ausreichend gewesen wäre – obwohl ich da auch den ganzen Tag unterwegs war. Nun, es sei vorweggenommen, er hat mir nicht gereicht. Denn nach 14 Tagen mit nur einem einzigen Ruhetag und inzwischen an die 250km signalisierte mir recht früh alles, dass das keine gute Idee sei.

Die Beine schwerer wie gewohnt, der Körper müht sich unter dem schweren Rucksack (der aufgrund von Essen für 2 Tage noch mehr Gewicht hat…). Schwer geht es nach oben. An den Touriströmen hier erkennen wir auch, dass Wochenende sein muss. Und schön ist es ja definitiv auch. Wir machen kleine Pausen, unterhalten uns, sie merkt, dass ich Probleme habe. Im Kopf gehen auch die Gedanken um – selbst wenn das heute noch klappt, aber die nächsten beiden Tagen werden absolute Hochgebirgsetappen, schwer und kaum mit einer Exit-Option.

Nach gut 2,5 Stunden sitzen wir in einem kleinen Waldstück. Und wir trennen uns, da ich in die Stadt zurückkehren werde, während sie in die Berge entschwindet. Es ist nicht schlimm, lieber einmal mehr umgedreht, als kraftlos auf 3000 Metern zu hängen. Das krasse Kaloriendefizit der letzten Tage hat auch seine Spuren hinterlassen. Nach insgesamt 4,5 Stunden bin ich wieder in der Stadt, checke wieder im Gasthaus ein, wo ich heute morgen los bin und bleibe noch für zwei Nächte hier. Morgen gönne ich mir den heißersehnten kompletten Ruhetag, nur schlafen und essen. Es ist genau das, was ich nun brauche. Im Anschluss werde ich dann Montag wieder auf den Trek gehen und in Richtung Nationalpark Monte Perdido unterwegs sein. Genaue Route wird dann morgen evaluiert. Es ist schön, nichts zu tun.

