Highway in die Berge

So richtig merkt man erst, was man an einem Ruhetag so hat, wenn dieser vorbei ist. Ich kann nicht in Abrede stellen, dass es heute morgen den Gedanken gab, einfach weiter liegen zu bleiben. Aber er war dann doch recht schnell verfolgen und die Vorfreude war wieder da. In Summe war der Tag vor allem mental so wichtig, um sich zu sammeln, die vergangenen zwei Wochen einzuordnen und sich nun wieder neu zu motivieren.

Viel Zeit ging gestern für die Planung drauf. Denn ich brauchte irgendwie eine Verbindung zurück in die Berge und eine Idee, wie ich grundsätzlich gedenke, weiterzulaufen. Es gibt halt einfach auch viele Optionen, die Auswahl ist nicht leicht. Grundsätzlich hatte ich überlegt, mich mit der Belgierin Tini wieder zu treffen, sie war mir aber doch ein Stück zu weit weg jetzt. So hieß es nun Aufstieg zum Refugi Bachimana und dann weiter auf den Fernwanderwegen durch die Pyrenäen. Hierzu brauchte ich noch eine Fahrtgelegenheit zu meinem Startpunkt, Busse existieren da nicht, für Taxi wären 70€ fällig gewesen… also fuhr mich einer der netten Mitarbeiter aus dem Hotel für einen kleinen Obulus nach Banos de Panticosa.

Dieser kleine Ort, umgeben von malerischer Bergkulisse, ist ein ziemlicher Tourimagnet. Mehrere hochklassige Hotels, von außen aber schon ziemlich mitgenommen, ein Thermalbad, hunderte Parkplätze. Alleine wandert man hier nicht, auch nicht unter der Woche. Schnell und steil verlässt man den Ort, der Weg ist nicht ohne, mitunter müssen immer mal die Hände zur Hilfe genommen werden, es gibt einige Seilversicherungen. Mitunter sehe ich Eltern, die ihre Kinder in Turnschuhen hier hochjagen und denke mir meinen Teil… Landschaftlich ist der Aufstieg ein Traum. Sei es der Blick zurück ins Tal, die rauschenden Wasserfälle am Weg oder die Sicht in die Berge. Kein Wunder, dass dies hier eher einem Highway gleicht und man keine Minute hier allein hochlaufen kann.

Mit mir waren zwei Fitnessfreaks in den Anstieg gegangen, breite Schultern, nur Muskeln, aber für die Körper eher dünne Beinchen. Schnell überholen sie mich… bis sie nach 45 Minuten erschöpft umdrehen. „Never skip the leg day“ rufe ich ihnen gedanklich zu und setze meinen Aufstieg fort 😀. 2 Stunden sind bis zur Hütte angesetzt, die ich problemlos trotz längerer Pause einhalte. Die Beine arbeiten weiter problemlos. Obwohl es noch recht früh am Nachmittag ist, kann ich schon einchecken. 6-Betten-Zimmer, eigenes Bad pro Raum – das hab ich schon schlechter erlebt. Ich werfe mein Zeug ab und gehe ohne  Rucksack noch eine Weile durch diese fantastische Bergwelt hier oben.

Die Hütte liegt direkt oberhalb eines kleines Sees (Embalse de Bachimana Bajo), etwas oberhalb befindet sich noch der deutlich beeindruckendere Embalse de Bachimana Alto. Worte können das kaum beschreiben.

Heute war es quasi nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Einer der Hüttenwirte gab mir ein paar Tipps für den morgigen Tag, da ich eine Abkürzung nehmen will, die aber gut zu laufen ist. Das Hüttenfeeling kommt hier oben schon ganz anders rüber (bis auf den einen Gast, der mit Vokuhila und riesigem Ohrring ausschaut, als würde er direkt aus einem Werner-Beinhart-Comic entstammen), es ist ein wundervoller Ort hier oben.

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