Hitze-Knockout & Riesenspinnen

Zwei Wochen Sonne und Hitze… der letzte Niederschlag datiert nun schon lange her und ausgenommen vom Nebeltag von vor über einer Woche wandere ich seitdem durch den Glutofen Pyrenäen.

Auch kurz nach 9 Uhr strahlt der gelbe Feuerball schon am Himmel und deutet an, dass der nächste erbarmungslose Hitzetag wartet. Ich verabschiede mich von meiner superschönen Unterkunft in Bareges, Mary und Brendan sind vor vier Jahren aus Südafrika hier hergezogen und haben ein kleines Bed & Breakfast eröffnet. Das Frühstück auch das beste, was ich in den drei Wochen bisher hier bekommen hab. Der Weg geht von Beginn an kontinuierlich nach oben – gut 1.400 Höhenmeter gilt es am Stück hinaufzuwandern. Das wird eine Qual…

Die erste Stunde laufe ich auf einem Weg parallel wieder zur Passstraße des Col du Tourmalet, bei einem großen Parkplatz passiere ich diese dann und wechsle nun in reines Berggelände. Zum Samstag ist hier viel los, neben mir befinden sich diverse andere Wanderer mit auf dem Pfad. Inzwischen bin ich schon gut geschafft, denn der Weg ist quasi schattenfrei…

Die Hitze zerrt an den Kräften. Ich mache mehrere kleine Pausen hintereinander, wohlwissend das dies aufgrund des Zeitplans eher suboptimal ist, aber ich nutze jede kleine Möglichkeit, den Schatten aufzusuchen. Aber dennoch versuche ich weiterzugehen und den inneren Schweinehund zu überwinden. Inzwischen habe ich schon über 600 Höhenmeter bergauf absolviert, die Beine und der Körper sind zwar nicht erfreut, aber irgendwie kann ich das ganze noch ignorieren. An einer Weggabelung sehe ich das Schild für meine Etappe… und bis zum höchsten Punkt des Weges sind noch drei Stunden angesetzt. Die Sonne knallt mir weiter ins Gesicht. Ich weiß, dass mir die Energie fehlt, sowas wie vor ein paar Tagen zu wiederholen, als ich den Anstieg quasi hochgerannt bin. Also weiter hochquälen.

Und dann kommt das, was ich nicht ignorieren kann – Kopfschmerzen setzen ein. Ich bin platt. Die Hitze fordert ihren Tribut. Ich suche mir unter einem großen Stein ein schattiges Plätzchen, lege mich hin und überdenke die Optionen. Weiterzugehen ist unvernünftig. Im Spaß hatte ich am Morgen schon zu Mary gesagt, dass ich vielleicht umdrehen werde und wieder zurückkomme. Und so wird es auch. Ich wäre wahrscheinlich noch mindestens 6 Stunden unterwegs gewesen, in praller Sonne… man muss nix heraufbeschwören, wenn einem der Körper entsprechende Signale gibt. Dafür ist es am Ende immer noch Urlaub. Also kehre ich um.

Ich mache ganz entspannt, gönne mir immer wieder ein paar Päuschen, mache ein paar der Bilder der schönen Berglandschaft. Zu Beginn des Abstieges fühle ich mich dann auch nicht ganz so gut, zum Glück legt es sich aber schnell wieder. Es ist dann eben auch ein Unterschied, ob ich mit 130-140 Puls bei der Sonne den Berg hochstiefele oder entspannt runter laufe.

Nachmittags bin ich dann wieder in Bareges, wo mich die beiden wieder herzlich empfangen. Ich bleibe direkt noch für zwei Nächte und gönne mir einen kompletten Ruhetag. Am Ende bin ich trotzdem fast 15km unterwegs gewesen. Abends folgt dann noch ein großer Schock, denn anscheinend verfolgt mich meine Phobie vor großen Spinnen auch hier noch… mitten im Bad begrüßt mich wieder so ein riesiges Vieh. Das Ende lasse ich offen, aber ich konnte beruhigt schlafen 😉.

Nun ist ausruhen angesagt und Pläne machen für die kommenden Tage. Die Stimme in meinen Kopf, die mir immer wieder zuruft „Geh an den Strand!“ wird durchaus lauter, aber ein bissel Austoben werde ich mich hier in den Bergen definitiv noch.

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