Die Wandersaison 2024 ist nun offiziell eröffnet und nach der winterbedingten Abwesenheit wird nun in den folgenden Wochen und Monaten hier wieder etwas Leben einziehen. Denn auch in diesem Jahr werden wieder die Schuhe geschnürt und die Berge erobert, die die Welt bedeuten.
Nachdem mein Ausflug im vergangenen Jahr in den Pyrenäen doch früher endete als geplant, musste einige Zeit vergehen, bis das Bergfieber sich so langsam wieder ausbreiten konnte. Stattdessen hieß es eher erstmal Strandurlaub auf Sardinien. Zu Beginn des Jahres 2024 aber ging es langsam wieder aufwärts – erste Pläne wurden für das Jahr geschmiedet und langsam, aber kontinuierlich wurde wieder etwas Kondition gebolzt. Da es dieses Jahr nicht die ganz, ganz große Tour geben wird (also keine 8 Wochen, aber ihr als Leser werdet trotzdem nicht enttäuscht sein), brauchte die Motivation doch etwas länger, aber inzwischen sind die Trainingsumfänge wieder auf ein gutes Maß angestiegen. Um dies nun mal richtig zu testen, bot es sich an, über Pfingsten mal wieder einen Kurzurlaub einzustreuen – das Wetter gut, der Schnee auf dem Rückgang und die erste Tour vor Augen. Nun denn, also auf ins Abenteuer.
Das Stubaital hatte ich in den vergangenen zwei Jahren jeweils schon im Winter besucht und ein paar Wanderungen gemacht. Da es links und rechts jeweils schöne Wege zum Höhenmeter machen gibt, war es fix als Ziel auserkoren und so ging es am vergangenen Freitag fix nach Neustift, wo ich mein Hotel für das Pfingstwochenende bezog. Reichlich dekadent im Hotel Bergkönig – wobei dies eigentlich nicht so geplant war, da ich mich ins günstigere Schwesterhotel eingebucht hatte, aber direkt ein Upgrade bekam. Nun gut, beschwert man sich ja auch nicht. Der Blick vom Balkon war schon verheißungsvoll.

Für den Samstag hatte ich mir direkt das „Filetstück“ herausgesucht. Das Pinnistal ist ein kleines Nebental vom Stubaital und zweigt ganz in der Nähe von Neustift ab. Hier war ich bereits schon mal im Winter, fand es wunderbar, aber da konnte man natürlich nicht so weit wandern, da recht schnell der Schnee hüfthoch wurde. Geplant war eine Art Rundweg – einmal komplett durch das Tal und dann den Berg hoch, wobei ich dann über einen Höhenweg an der Bergstation der Seilbahn ankommen würde, mit der ich theoretisch wieder ins Tal gelangen könnte und mir gut 1.000 Höhenmeter Abstieg spare. Es ist „Trainingslager“, da muss man sich ja nicht sinnlos quälen und praktischerweise war die Seilbahn genau an diesem Tag wieder aus der Frühlingspause erwacht.

So ging es dann morgens kurz nach 9 direkt nach draußen, zuerst noch ein kleines Stückchen durch das Tal mit schönem Blick nach Norden in Richtung der Innsbrucker Berge. Nach gut 25 Minuten bog der Weg dann ab und ich verließ das Stubaital in Richtung Südosten. Aber hier ging es nun bergauf – und ab in das wunderschöne Pinnistal. Die Bilder sprechen da auch nur die halbe Wahrheit, dieses Tal zählt mit zu den schönsten, die ich bisher besuchen durfte. Drei größere bewirtschaftete Almen befinden sich entlang des Weges, der trotz einiger Steigungen aber leicht zu laufen ist. Vor einem werfen sich sehr schnell die schneebedeckten Berge Tirols in Schale und fesseln den Blick.

Nacheinander erreiche die Issenangeralm und die Pinnisalm, welche gerade aus dem Winterschlaft erwacht sind und die ersten Gäste des Sommerjahres erwarten. Auf der Pinnisalm frage ich kurz, ob der Höhenweg schon offen hat und bekomme die ehrliche Antwort – sie wissen es noch nicht und können es nicht garantieren. Na dann schauen wir mal. Mit jedem weiteren Schritt in dieses Tal werden die Blicke schöner, die Berge famoser. Dazu ist es unfassbar ruhig – ich bin fast komplett alleine, bis auf zwei, drei andere Wanderer und einem Radfahrer treffe ich hier niemanden. Es ist ein absolutes Naturparadies.



Der Weg ist jetzt nie richtig steil und so komme ich sehr schnell durch das Tal. Die angegeben Wegezeiten zu den Almen unterbiete ich locker, auch die ganz neuen Wanderschuhe machen einen sehr guten Eindruck (also gleiches Modell wie immer, nur eben neu gekauft, da die alten die Pyrenäen nicht so gut verkraftet haben). Auf dem Weg zum Talschluss rückt nun der fast 3.300 Meter hohe Habicht ins Blickfeld und bestimmt die Szenerie. Ein unfassbar schöner Berg, seine schneebedeckten Bergflanken reichen hier fast 1.500 Meter hoch über das Tal.

Hier beginnt nun der spannende Teil – denn nun ist es vorbei mit dem breiten Schotterweg und der schmale Bergpfad beginnt. An dieser Stelle habe ich bereits knapp 800 Höhenmeter bergauf hinter mir, nun wird es aber steiler, dafür die Aussicht nochmal schöner. Erste kleinere Schneereste sind nun am Wegesrand zu erkennen, stellen aber aktuell noch keine Probleme dar. Umso beeindruckender der Blick zurück ins Tal.

Der Weg ist ein Traum, wird dann oben noch richtig steil und mit über 1.000 Höhenmeter in den Beinen merkt man doch eine erste Anstrengung. Aber die Beine und Konditionen spielen gut mit und genau dafür ist der Test ja da. Erste kleinere Krampferscheinungen in den Waden (das alte Leid…) bekämpfte ich geschwind mit Magnesium und erreiche deutlich unterhalb der geplanten Zeit einen wunderschönen Aussichtspunkt, der die höchste Stelle des heutigen Tages darstellen sollte. Hier finden sich nun auch schon die ersten Schilder zur Seilbahn und die ersten Touristen kommen mir entgegen, die quasi den anderen Weg genommen haben – mit der Bahn hoch und dann runter laufen. Was aus meiner Sicht völliger Mumpitz ist (bergab wandern ist tausendmal anstrengender), aber muss jeder selbst wissen :). Da aber Gegenverkehr herrscht, ist das schon mal ein gutes Zeichen, dass der Weg begehbar ist.


Es gibt zwar hier und da noch ein paar Schneefelder, aber die kann man ganz gut umgehen und so mache ich mich beschwingt auf den Weiterweg, da ich nun denke, dass die Hauptschwierigkeiten des Tages vorbei sind. Tja, fünf Minuten später stehe ich am Weg, blicke auf das wohl ekligste Schneefeld, dass ich je gesehen habe und stelle mir die Frage, was ich nun machen soll. Im Normalfall kann man über Altschneefelder ganz gut drüber laufen, aber dieses ist besonders fies. Es zieht sich steil über eine Schuttrinne und fällt unterhalb des Weges noch mehrere hundert Meter runter. Dazu ist kaum eine Spur drin – also wo man einigermaßen sicher reinsteigen kann und etwas halt hat. Man merkt eben, dass der Wandersommer erst begonnen hat und hier vielleicht ein paar Leute bisher drüber sind. Ich schaue auf meine Uhr, ich bin 4 Stunden unterwegs – zurück also ungefähr die gleiche Zeit. Während vor mir die Seilbahn 45 Minuten entfernt ist. Also gehe ich drüber – und muss am Ende sagen, dass es die falsche Entscheidung war. Denn auch wenn nix passiert ist und ich heil drüber gekommen bin, das war fahrlässig. Ein minimaler Fehler, ein kleiner Rutscher und man hat keine Chance, so steil wie das da abgefallen ist.

Im weiteren Verlauf komme ich noch an ein paar weiteren Schneefeldern vorbei, die aber alle bei weitem nicht so dramatisch sind. Einmal lande ich auch kurz im Schnee, als ich einem Engländer hinter mir meine Wanderstöcke anbieten wollte, da dieser sehr unsicher wirkte und ich ausgerechnet dabei selber kurz den Halt verliere und mit dem Hosenboden zwei Meter den Hang runterrutsche. Da es aber auf Wiesengelände war (und keine Schuttrinne wie oben) ist das alles harmlos und ich komme selbst aus dem Lachen nicht mehr heraus, wobei der Engländer etwas verschreckt aussah.
Am Ende genieße ich noch die Blicke hier oben in die Bergwelt, im Norden kann man bis Innsbruck sehen und gehe dann gemütlich zur Seilbahn herunter, die mich dann letzten Endes wieder an meinen Startpunkt bringt. Zufrieden beende ich den ersten Wandertag.


Am Tag darauf, dem Pfingstsonntag, lasse ich es etwas ruhiger angehen, da die meisten anderen Routen, die ich mir vorher herausgesucht hatte, auch in der Höhe sind und die Lust auf ähnliche Schneefelder eher klein gewesen ist. Es lohnt sich einfach nicht, hier irgendwelche Risiken einzugehen.
So laufe ich spontan eine Runde über kleine Forstwege am Rand des Tals, zuerst in Richtung Süden mit Blick zum Stubaier Gletscher und dann auf der anderen Seite des Tals wieder zurück nach Neustift. Gemütliche 4 Stunden um die Mittagszeit mit ein paar Höhenmetern runden das kleine Trainingswochenende ab.


Und nun dauert es nicht mehr lang, bis die erste Hüttentour des Jahres ansteht. In nicht einmal zwei Wochen geht es ins Salzkammergut. Eine sehr anspruchsvolle Route durch das Tote Gebirge, Dachsteingebirge und abschließend an den Rand des Tennengebirge. Die Hütten machen jetzt alle die Tage auf und ich hoffe mal, dass die Tour soweit machbar ist und der Altschnee beherrschbar bleibt. Bis in Kürze!