Hin und zurück zur Wurzeralm

Der erste Blick morgens aus dem Fenster zeigt uns tiefen Nebel. In der Nacht hatte es nochmal richtig geschüttet, aber nun ist es wenigstens von oben trockener. Wir quälen uns das Frühstück hinein – auf den Hütten ist das jetzt meistens kein Gourmetmenü, statt frischem Rührei gibt es hartes Schwarzbrot und Butter. Dafür schmeckt der Kaffee und gegen halb 10 starten wir in den Nebel. Die Nacht war nicht wirklich gut, ist es doch immer am Anfang etwas ungewohnt, im Schlafsack in der beengten Umgebung Ruhe zu finden. Die Hütten sind hellhörig, wenn jemand die Treppen läuft, bekommt das auch jeder mit.

Als erstes ging es auf einem wunderschönen Weg am Berghang entlang. Richtig mystisch in den Nebel hinein, schlängelt sich der gute Weg – trotz einiger sehr rutschiger Wurzeln und Felsen – durch den Wald. Es ist herrlich grün und wir sehen innerhalb kürzester Zeit 7 Alpensalamander, die auf dem Weg verharren.

Doch das bleiben nicht die einzigen Tiere, die wir sehen – eine Ricke mit ihrem Kitz grast etwas entfernt, als sie uns erblickt, flüchtet sie kurz, während das kleine im Gras liegen bleibt. Kurze Zeit später rennen zwei Gämse durch den Wald. Man fühlt sich wie im Wildpark. Der Weg bleibt wunderschön, gelbe Blümchen säumen den Waldboden.

Als es schließlich auf den kleinen Sattel, also den höchsten Punkt des Weges geht, zieht der Nebel richtig rein und wir schauen quasi ins Nichts. Hier treffen wir nun auch einige andere Wanderer, welche von der nahegelegenen Wurzeralm hochgekommen sind, auf welche auch eine Seilbahn aus dem Tal führt. Auch wenn es bis dahin nicht geregnet hat, sind wir trotzdem komplett durch, denn die Luftfeuchtigkeit im Wald ist extrem hoch…

Auf dem Weg nach unten treffen wir ein Wanderpärchen, wir kommen kurz ins Gespräch. Diese sind bereits seit einer Woche unterwegs und haben damit quasi durchgängig den Dauerregen gehabt, in höheren Gefilden sogar Schnee. Jedenfalls stocken sie etwas, als sie hören, wo wir heute hin wollen, denn sie hätten allein für den Abschnitt ab der Wurzeralm (wovon wir noch eine Stunde entfernt waren) insgesamt 7 Stunden gebraucht. Inklusive Querungen von zahlreichen Altschneefeldern, welche zwar nicht am Steilhang sind, aber dafür sehr weich und man damit auch tief einsinkt. Genau die News, die man so hören will. Naja, wir hatten uns sowieso vereinbart, dass wir an der Wurzeralm schauen werden, wie es weitergeht, also erstmal da runter.

Dort angekommen werden wir von den netten Hüttenleuten des Linzerhaus begrüßt, wir trinken auf der Terrasse erstmal zwei Cappuccino und überlegen nun unseren Plan. Inzwischen war es nun auch schon nach 12 Uhr. Wir sprechen kurz mit den Wirten, sie geben uns so 5-6 Stunden Zeit für den nächsten Abschnitt bis zur Hochmölbinghütte. Nun gut, wir beschließen den Aufbruch, aber nicht ohne uns abzusichern, dass wir im Fall der Fälle zurückkommen können. Als wir das Almgelände verlassen, gehen wir diverse kleine Stege, teils sehr rutschig, aber auch gut morsch. Und dann macht es auf einmal Knacks… und unter mir bricht eine der Holzlatten durch 😀

Nun geht es zuerst über einen steilen Hang hinauf, der im Winter auch als Skiabfahrt genutzt wird. Breiter Weg, aber nicht schön zu laufen und gut steil. Doch dann zweigt es ab und wir steuern direkt in den Wald hinein, der hier nun ganz anders ausschaut, als noch auf der anderen Seite des Gebirges (inzwischen sind wir auf der Südseite des Toten Gebirges). Felsformationen in allen Facetten erstrecken sich über den Boden, es ist ein klassisches Karstgelände – spannend anzuschauen, aber mitunter sehr schwer zu laufen und heute eben stellenweise noch sehr glatt.

Der Weg ist insgesamt sehr beschwerlich, wir kommen nicht schnell vorwärts. Ständiges Schauen, wo man hin treten muss. Grundsätzlich ist er grandios angelegt, aber bei Nässe besteht ständig die Gefahr des Wegrutschens. Auf einer Lichtung lassen wir uns kurz nieder und genießen kurz die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Inzwischen mussten wir auch schon die ersten Schneefelder umkreisen. Ein Blick auf die Uhr verließ nix gutes – es war inzwischen weit nach 14 Uhr und wir hatten vielleicht ein Drittel oder Viertel des Weges geschafft. Bedeutet also, dass wir noch mindestens 5 oder 6 Stunden gebraucht hätten… und das hätte jetzt nicht unbedingt Spaß gemacht, da es zudem auch unterwegs absolut keine andere Alternative gegeben hätte, auch keinen Abstieg ins Tal oder irgendeine Hütte unterwegs. So gab es eine kurze Abstimmung und wir gingen zurück – auch wenn Sandra es wohl alleine geschafft hätte, aber hier oben arbeitet man eben im Team. Immerhin hatten wir uns ja unsere „Mittagshütte“ als Backup schon gesichert.

So ging es also den eben absolvierten Weg wieder zurück – nicht besonders spannend, aber immerhin wusste man, dass man da auch ankommt. Gegen halb 5 erreichten wir dann wieder die Wurzeralm und begegneten dann doch etwas überraschten Hüttenwirten, die gar nicht mehr mit uns gerechnet hatten. Wir sind nun die einzigen Gäste des Hauses, es wurde extra noch für uns gekocht (sehr gute Käsespätzle).

So genießen wir den Abend hier in Ruhe und machen uns Gedanken über den morgigen Tag. Denn hier soll es richtig böse schütten, dazu Sturmböen, ggfls. Gewitter. Wir müssen sowieso absteigen und dann wahrscheinlich mit dem Bus fahren, so dass wir den Weg zu unseren nächsten Hütte auf der Tauplitzalm abkürzen können.

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