Wer hätte am Anfang des Tages ahnen können, dass weder das nassmiese Wetter oben auf der Tauplitzalm, weder der krass steile Abstieg durch den tropischen Wald, weder die überaus heikle Überquerung eines reißenden Baches auf einem völlig lockeren schmalen Holzbrett und auch nicht der eigentlich gesperrte Weg aufgrund von Sturmschäden (den wir trotzdem liefen) heute der größte Gegner von uns sein wird. Nein, es war der Moment, als wir beide auf der Sonnenterasse am Grundlsee saßen und den ersten Hugo in die Hand nahmen. Ab da war unser Schicksal klar – wir gehen nicht dem Berg hoch, sondern genießen die ersten schönen Sonnenstrahlen mit Blick über den See und lassen das Wandern auch mal Wandern sein.

Dabei begann der Tag ganz anders, als er endete. Gegen 7 schon raus aus dem Bett, zeitiges Frühstück, da wir diesmal auch so früh wie möglich loswandern wollten – stand ja eine lange Tour auf dem Plan. Im tiefsten Nebel verließen wir das Linzerhaus auf der Tauplitzalm und tauchten in die Suppe ein.


Im Nebel erspähten wir sehr nah eine grasende Gams, die sich von uns auch nicht stören ließ. Die Wege wurden schlammiger, teilweise auch komplett von den Bächen überspült. Trockene Füße waren schnell passe… aber noch ging das alles gut zu laufen und die Stimmung da oben war grandios.


Wandertechnisch war es aber noch alles einfach, das änderte sich dann nach gut 45 Minuten, als wir den Abstieg vom Öderntörl in Angriff nahmen. Auf dem Profil war schon erkennbar, dass es nun sehr steil nach unten ging und wir wurden nicht enttäuscht. Eingebettet in einen mystischen Wald schlängelte sich der schmale Wald sehr steil über viele Kehren am Berghang hinunter. Teilweise war es sehr rutschig, jeder Schritt musste sitzen und immer wieder geschaut werden, ob man nicht über Laub, Wurzeln, Schlamm wegrutschen kann.

Aber wir kamen sehr gut voran und erreichten fix die letzte Hürde des Abstiegs – die Querung des reißenden Bachs. Im Normalfall sollte das keine Probleme geben, doch durch die starken Regenfälle der letzten Tage war der Bach zu einem reißenden Strom geworden. Das Drüberkommen gestaltete sich ziemlich schwierig – Optionen wurden abgewägt. Schuhe aus und durch den Bach durch? Eher ungünstig, da man so sehr schnell auf den glatten Steinen ausrutschen kann. Eine ganz schmale Holzlatte lag da, bot aber fast überhaupt keinen Halt und wurde auch durchweg überspielt. Dennoch probierten wir es darüber. Mit den Wanderstöcken gab es wenigstens etwas Halt und so kamen wir drüber. Muss man auch nicht alle Tage haben.


Weiter ging es zur aktuell noch verlassenen Ödernalm in einem wunderschönen und einsamen Tal. Von hier marschierten wir über einen breiten Forstweg mehrere Kilometer weiter, war auch mal ganz angenehm ohne irgendwelche Schwierigkeiten.

Unser Weg führte nun wieder bergauf zur Schneckenalm. An einem Baum war noch ein Hinweisschild befestigt, dass der Weg aufgrund von Sturmschäden gesperrt sei, aber statt umzukehren gingen wir doch weiter, da es auch keine Alternative für den heutigen Tag gab. Wollten wir unser Ziel erreichen, mussten wir da lang. Und wir sahen am Wegesrand auch schon, dass die Forstarbeiten im Gang waren, große entwurzelte Bäume waren schon zur Seite geräumt wurden. Zwei Wanderer kamen uns entgegen, die berichteten, dass der Weg frei sei und oben die Forstarbeiter die Leute auch durchlassen. So ging es kurz etwas steil hinauf und wir waren bei der Schneckenalm.

Nun hieß es wieder absteigen, bis dann der lange Schlussanstieg auf uns warten sollte. Und dann passierte etwas, worauf wir seit 4 Tagen gewartet hatten – die Sonne kam raus. Nicht nur ganz kurz, sondern richtig. Und wie sehr freute uns das nach dem Mistwetter der letzten Tage. Die Stimmung erreichte ungeahnte Höhen.

Und als wir unten am See ankamen, wurden wir richtig euphorisch. Blauer Himmel, Wärme, ein wundervoller See direkt vor uns. Kurz wollten wir uns auf eine Bank direkt am See setzen, um das zu genießen. Naja… und dann gingen die Gedanken los. Wir hätten noch gut 3 – 3,5 Stunden Aufstieg vor uns gehabt. Das wäre wohl gar nicht das große Thema gewesen, wir hätten das geschafft. Aber morgen hätten wir den gleichen Weg wieder zurücklaufen müssen, da der angedachte Weg über die Berge wegen Schnee noch nicht machbar gewesen wäre. Also quasi hin, um dann wieder runter zu gehen. Nun… die Alternative, erstmal hier zu bleiben, wurde immer attraktiver. Wir steckten die Füße in das kalte Wasser, ein wunderbares Gefühl. Und dann war natürlich ausgerechnet noch ein Restaurant direkt daneben und so ganz spontan saßen wir da plötzlich und hatten jeder einen Hugo in der Hand. Da kann man dann auch nix machen…

Schließlich kam noch der zweite Hugo und der Plan war klar. Neue Übernachtung wurde gesucht, Hütte storniert und wir blieben unten im Tal. Aber ein paar Meter waren wir noch unterwegs und so statteten wir dem Toplitzsee (hier gab es lange Gerüchte, dass die Nazis zum Kriegsende Gold versenkt hatten) noch einen Besuch ab.


Weiter ging es dann noch per Schiff über den Grundlsee und mit Bus nach Altaussee, wo wir noch ein Zimmer in einem Gasthof bekommen haben. Von hier können wir dann direkt weiter zur nächsten Station.
