Die Tour vom Donnerstag – Packen wir die Details direkt auf den Tisch – 24 gelaufene Kilometer, dabei über 1.700 Höhenmeter Aufstieg und über 1.000 Höhenmeter Abstieg in neuneinhalb Stunden. Und das alles an einem Tag.
Sehr früh sollte es für uns auf der Blaa-Alm losgehen, Frühstück gegen 8 und dann Start. Doch hatten wir nicht mit dem reichhaltigen Buffet gerechnet, zudem gab es fünf Spiegeleier in einer Pfanne… Naja, fast schon zu viel gestärkt, begaben wir uns auf dem Weg. Und nach kurzer Zeit wurde es schon ungemütlicher – steil ging es im Wald hinauf, durch nächtliche Regenschauer waren die Wege sumpfig und verschlammt, Baumstämme lagen quer und zwangen uns, limboartig unter diesen hindurch zu balancieren.


Nach etwas über eine Stunde erreichten wir die Ausseer Sandlingalm, machten kurz Pause und dann ging es weiter. Wir waren schon gut durch, doch es ging weiter hoch. Vorbei an der Vorderen Sandlingalm hatten wir nun den namensgebenden und höchsten Berg der Ecke umrundet, den Sandling.


Nun gab es einige kleine Klettereinheiten, bis wir nach gut 2:15h die Lambacher Hütte erreichten, unser erstes kleines Zwischenziel. Diese war nicht bewirtschaftet, aber es gab Getränke mit Vertrauenskasse, die ich gern annahm und erstmal einen Liter Apfelschorle meine Kehle herunterspülte. Es war warm und durchaus anstrengend… hier trafen wir auch ein paar andere Wanderer, die uns in weiter Ferne zeigten, wo unsere Hütte steht, die wir irgendwie noch erreichen wollten.

So ging es jetzt auf den Weg nach unten… über 1.000 Höhenmeter am Stück sind einfach grundsätzlich der Horror, vor allem als wir noch auf einen extrem steilen Weg runter sind, der zudem noch wahnsinnig rutschig war. Wild fluchend stocherte ich mit meinen Stöcken in der Botanik herum, um hier nicht wegzurutschen und den Hang herunter zu purzeln. Sandra hüpfte dagegen wie ein junges Reh gen Tal…


Der Weg zog sich dann auch noch richtig… Feldwege, schließlich Asphalt, als wir die Vororte von Bad Goisern erreichten. Unten im Ort qualmten und komplett die Füße. Im Hofer, dem österreichischen Aldi, gab es schließlich noch ein Eis für die Motivation.
Nun motivierten wir uns gegenseitig, als wir im Ort nach 6 Stunden Laufzeit eine Pause machten. Sandra besorgte noch Wasser in einem kleinen Laden und dann ging es hoch. Ausgeschrieben mit 3,5 Stunden waren wir uns nicht sicher, wie lange wir brauchen. Aber wir gingen dieses Himmelfahrtskommando zusammen an.


Zuerst über unfassbar anstrengende Straßen, dann lange Forstwege… der Anfang war wirklich übel und schwer für den eigenen Schweinehund. Natürlich fing es dann noch an kurz zu regnen, also Regenzeug raus… und immer weiter kurbelten wir unsere Waden nach oben. Irgendwann waren wir auf 1000 Meter angekommen, doch noch immer mussten wir 600 Meter nach oben. Man muss nicht lügen – es war hart. Jede Faser im Körper schmerzte, die Beine weich wie Pudding und bei jedem größeren Schritt nach oben hoffte man, dass die Muskeln halten werden.


Unten im Tal wurde es nun schwarz, während über uns die Sonne schien, ein Regenbogen direkt vor uns im Wald war zum Greifen nahe. Die Zeit verflog, aber so flogen auch wir konstant und stetig immer weiter Richtung Hütte, inzwischen von Millionen Fliegen verfolgt. Die letzten Minuten sind einfach nur noch purer Kampf. Jeder Schritt schmerzt, aber als schließlich die Hüttenfahne sichtbar ist, verfliegt jeder Schmerz kurzfristig.


Als wir zur Hütte einbiegen, werden wir schon von den Hüttenleuten winkend begrüßt. Wir sind die einzigen Gäste und da wir recht spät eintreffen, wird für uns noch extra gekocht. Es ist ein Traum da oben – die Sicht quasi 360 Grad auf die umliegenden Bergwelten, das Gefühl im Körper, etwas Großes geschafft zu haben. Wir sind ziemlich fertig, müssen uns richtig zwingen, das Essen herunter zu bekommen, so lecker es auch ist.


Irgendwann geht es dann in die Federn, wir haben das Lager für uns alleine – zum Glück, denn es ist kaum vorstellbar, wie es hier ist mit 8 Leuten zu liegen. Aber egal – wir beenden den Tag mit Stolz.