Kurz und knackig die Aussicht genießen

Als ich in der Nacht kurz munter bin, schaue ich aus dem Fenster und erblicke einen wunderschönen Sternenhimmel. Da hier kaum Luftverschmutzung herrscht, leuchten tausende Punkte um die Wette und erhellen den Nachthimmel. Was das auch bedeutet – das Wetter ist besser geworden und statt grau heißt es nun klare Sicht!

Am Morgen hole ich erstmal fix mein Zeug aus dem Konferenzraum des Hotels… und da hatte direkt schon mal jemand alle Fenster aufgerissen, um den Dunst rauszubekommen. Tja Leute, ich hatte euch gewarnt, dass ich nach fast 8 Stunden kein wandelnder Duftbaum mehr bin. Mir solls nun egal sein, alles ist trocken, auch die Schuhe.

Der ursprüngliche Etappenplan für die Tour sieht nun den direkten Übergang ins nächste Tal vor, eine absolute Marathonetappe über zwei Pässe. Hier hatte ich mich vorab schon entschieden, dass ganze aufzusplitten und heute nur den Berg hochzulaufen. Demzufolge wird es zeitlich entspannter und ich starte erst nach 10. Das Hotel nahm es aber auch sehr genau und klopfte um 10:01 Uhr an mein Zimmer, dass ich doch bitte auschecken soll. Ja, liebe Leute, ich hab Urlaub, stresst mich nicht.

So geht es nun erstmal in den Anstieg, steil den Berghang hinauf. Am Anfang führt der Weg über einen schönen Waldpfad hinauf, wechselt aber recht schnell auf unangenehme Beläge. Breite Schotterwege, stellenweise Asphaltstraßen, die Wegführung ist nicht toll. Und je weiter hoch es geht, desto steiler wird es. Am Ende noch über Treppen, während rumherum immer wieder Bremsen Attacken auf mich fliegen.

Als ich den ersten Anstieg mit über 500 Höhenmetern hinter mir habe, wechselt nun das Ambiente. War ich vorher im kompletten Anstieg ganz alleine, ist hier nun Party-Touristenzone. Denn es führt auch eine Seilbahn aus dem Ort hinauf und es ist auch einiges los. Klar, es ist Sonntag, das Wetter wieder sonnig, da geht der Normalo-Tourist halt auch wieder raus – denke ich mir, während meine Gedanken kurz zum gestrigen Nebel zurückkehren. Hier lässt man sich eben bei guten Wetter hochkutschieren.

Ich verlasse recht schnell die Touri-Kernzone, gönne mir auf einer kleinen Hütte eine Limo für 6 Franken und gehe dann auf den Höhenweg.

Dieser ist auch wieder sehr touristisch angelegt, bietet aber fantastische Blicke auf die Berge. Hier marschiere gut 1:45 Stunden über zumeist breite Wege, am Hang ist es auch insgesamt gut warm.

Die letzten Meter laufe ich nur noch vor mich her, inzwischen merke ich nach drei Tagen auch die Anstrengung und die Beine das erste Mal richtig. An der Hütte angekommen gönne ich mir erstmal ein kühles Getränk und ein Stück Kuchen, im Anschluss haue ich mich noch einige Zeit ins Lager, um etwas zu ruhen. Die Aussicht ist grandios – der Blick geht zum Hausstock, der prägende 3000er hier in dieser Gegend.

Die Obererbshütte ist nicht groß, bietet 26 Personen Platz und zum Glück sind nur acht Leute da, ansonsten wäre das alles schon extrem eng. Morgen wirds dann wieder anspruchsvoller – mit dem Ärbser Stock und dem Richetlipass stehen zwei Pässe über 2000 Meter an, bevor es sehr steil über Stunden herunter gehen wird. Da müssen die Beine wieder funktionieren.

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