Murnauer Treffen auf 2000 Metern

Gestern abend ging es recht früh ins Bett, besser gesagt ins Lager. Hatte ich zuerst die Hoffnung, dass sich die anderen Gäste auf die anderen Zimmer verteilen, wurde ich leider doch enttäuscht, aber das gehört auf den Hütten auch dazu und zum Glück waren nur vier Plätze im 10er-Lager belegt. Mit im Lager war Elliot, Mexikaner, seit zwei Jahren in der Schweiz und Trail-Runner. Heißt also, der rennt die gesamte Strecke… was er auch macht – halb 12 ins Lager zu kommen und mit seiner Taschenlampe direkt in mein Gesicht strahlen. In dem Moment hätte ich ihn gern über alle Berge geschickt…

Der Morgen ist grandios, die Sonne strahlt und das Bergpanorama erwacht nun richtig. Hach, wie dieses Gefühl immer wieder so überwältigend ist, wenn man nach dem Aufstehen in die Berge schaut. Auf dem heutigen Plan steht wieder einmal eine große Etappe – zwei Besonderheiten stechen heraus. Zum einen gibt es heute ein kleines Treffen auf dem Berg, zum anderen geht es einen der knackigsten Abstiege herunter, die ich bisher unter die Sohlen nehmen musste.

Doch zuerst geht es erstmal bergauf, erstes Zwischenziel ist ein Pass auf der Höhe des Ärbser Stocks auf gut 2170 Metern. Also direkt nach der Hütte in den Aufstieg, nach anfänglichen Unmutsbekundungen meiner Waden (sorry ihr zwei, da müssen wir jetzt die kommenden drei Wochen durch), geht es doch ganz gut bergauf und so bin ich nach gut einer Stunde oben und genieße die Sicht auf die Schweizer Berge.

Vor mir liegt nun die Wichlenmatt – eine unglaublich schöne kleine Fläche, umringt von mehreren fast 3000 Meter hohen Bergen. Eine Besonderheit gibt’s hier noch – den dies ist im Sommer das Reich einer Arbeitskollegin von mir. Melli hütet hier oben Kühe und da es der Zufall so wollte, dass die Via Alpina genau bei ihr vorbeiführt, verabreden wir uns schon vorab auf einen Kaffee auf der Alp.

Melli kommt hochgelaufen, als ich an ihrer Hütte bin, da die Kühe aktuell noch nicht oben sind. Der Schnee hielt sich hier oben sehr lang, so dass noch nicht genug Gras vorhanden ist. Aber in ein paar Tagen sollen sie dann hochkommen. Ich bekomme dann auch direkt mal einen Eindruck von den Gegebenheiten und mit „Heidi-Urlaub“ hat das ganze hier wenig zu tun. Arbeiten von 5 bis abends um 8, die Hütte hat alles Lebensmotwendige, Luxus gibt es aber gar nicht, geduscht wird im Wasserfall. Immerhin gibt es davon zwei zur Auswahl, da kann man sogar immer mal wechseln. Nach gut einer Stunde muss ich dann aufbrechen und gestärkt mit einem Kaffee geht es für mich nun weiter. Welch ein schönes Gefühl, ein bekanntes Gesicht hier oben zu treffen!

Auf zum Richetlipass heißt es nun, zuerst über die saftigen grünen Wiesen und dann hoch zum Übergang ins nächste Tal. Aus der Ferne sieht das alles noch sehr weiß aus, aber glücklicherweise kann man die Schneefelder fast komplett umgehen, was nix anderes bedeutet, dass man auf allen Vieren einen Grashang hochkraxelt. Aber immer noch besser als das Schneefeld. So stehe ich dann 11:40 Uhr auf dem Pass und erfreue mich am dargebotenen, wahnsinnig schönen Panomara.

Auf dem letzten Bild kann man den Abstiegsweg schon sehen – und da wusste ich schon, dass er richtig knackig wird. Auf den ersten 3 Kilometer des Abstiegs ging es 900 Höhenmeter herunter, durchschnittlich also 30%, in manchen Stellen noch steiler. Aber eins muss man den Schweizern lassen – dafür war der Weg ziemlich gut. Er war halt nur steil, stellenweise so sehr, dass man ohne Stöcke nicht normal stehen konnte, weil man sonst einfach umgekippt wäre. Da ist absolute Konzentration gefordert. So ging es langsam, aber kontinuierlich Meter um Meter herunter.

Nach gut 1:45h war es dann geschafft und ich erreichte das Tal. Hier fand ich dann direkt bei einem kleinen Hofbetrieb ein Schild, dass auf kühle Getränke hinwies und schwups gönnte ich mir eine Pause im Schatten mit einer kühlen Cola in der Hand. Das ist hier echt besonders – man findet immer wieder die Almen und Höfe, die Käse, etc. verkaufen, aber eben auch Getränke und das war perfekt platziert am Ende dieses steilen Hangs.

Falls man nun dachte, damit wäre es geschafft – falsch gedacht. Denn hier war ich immer noch auf einer Höhe von über 1.350 Metern, während Linthal – der nächste Ort – auf 700 Metern liegt. Was bedeutet, dass nun nochmal einiges abgestiegen werden musste. In Summe waren es heute fast 1.800 Höhenmeter im Abstieg und die durchgehend warmen Temperaturen forderten langsam ihren Tribut, der Tank war langsam leer. Zum Schluss ging es nochmal steil durch den Wald bergab, inzwischen galt nur noch runterkommen als Ziel.

In Linthal ging es noch fix zum Supermarkt, wo ich mich mit mehreren kühlen Getränken eindeckte für den Rest des Tages. Und nun stand eigentlich noch ein Aufstieg von gut 600 Höhenmetern hinauf nach Braunwald. Naja… es sei denn, man nimmt die Standseilbahn, die hier ziemlich wahnsinnig den Hang hochfährt. Grundsätzlich war mir bei der Planung schon klar, dass die Option sehr lukrativ sein könnte und schwups katapultierte mich das Ding nun nach Braunwald. Der Tag war lang, die Tour ist hart, da kann man sich auch mal das Leben leichter machen. Jetzt stehen noch zwei Etappen an, die hoffentlich nicht ganz so kräftezehrend werden, bevor ich dann am Donnerstag den ersten Ruhetag genießen darf!

Hinterlasse einen Kommentar