Manchmal geht es hier echt schnell – da sitzt man am vergangenen Abend noch alleine beim Essen, ist man 24 Stunden später von einer großen Gruppe einheimischer Wanderer umgeben, die alle ebenso die komplette Via Alpina absolvieren oder Teilstücke davon. Das Schwizerdütch, was untereinander gesprochen wird, ist teilweise so extrem, dass ich nicht mal die Hälfte verstehe. Aber ist auch nicht so schlimm, die Gesellschaft ist einfach nett.
Von Braunwald ging es am gestrigen Dienstag bei Sonnenschein los, nur um mitzubekommen, wie innerhalb von 5 Minuten die Nebelschwaden in die Berge zogen und die Sicht mal wieder komplett einschränkte.


Recht schnell lief ich auf eine Frau auf, großer Rucksack, wahrscheinlich auch auf längerer Tour. Da man hier auch nicht jeden sofort anspricht und seine Lebensgeschichte ungefragt teilt, entstand eine ganz lustige Konstellation. Da wir das exakt gleiche Tempo hatten, liefen wir über eine Stunde direkt hintereinander, hielten uns gegenseitig die Weidegatter auf und balancierten über rutschige Wurzeln. Bis dann nach einer kurzen, aber knackigen Steigung die Stille durchbrochen wurde und wir uns kurz vorstellten. Sonja läuft ebenso die Via Alpina, hat heute das gleiche Ziel wie ich und schwups fungierten wir nun als kleine Wandergruppe.



So ging es bei sehr schwülen Wetter am Berghang entlang, bis wir zur Straße des Klausenpass kamen. Diese sollte dann auch unseren weiteren Weg definieren, denn die heutige Hauptschwierigkeit lag eben bei der Überquerung des Passes. Zuerst steuerten wir aber noch das kleine Dorf Urnerboden an.


Nach drei Stunden Dauermarsch erreichten wir nun den einzigen lebhaften Fleck auf der Route und mit dem hiesigen Gasthaus auch einen beliebten Wandertreff. Denn hier war u.a. auch mein mexikanischer Freund Elliott (der mich heute morgen schon wieder rennen überholte, aber dann schon gegen Mittag sein Etappenziel erreichte), als auch noch zwei Wanderbekanntschaften von Sonja, welche sie aus den Vortagen kannte. So gab es nun eine größere Pause, bevor es dann hoch zum Pass ging.
Um ehrlich zu sein, hatte ich hier sogar mit dem Gedanken gespielt, für den letzten Rest des Weges den Bus zu nehmen. Nach der harten Etappe des Vortages begannen nun doch die ersten Körperteile mehr weh zu tun, aber da der Bus nur ganz unregelmäßig fährt und ich keine 2,5 Stunden warten wollte, bin ich dann doch – zum Glück – weiter. Wobei ich im Gegenzug zu den anderen etwas eher los bin, da diese noch auf vier weitere Wanderfreunde gewartet haben, die die gleiche Strecke unter die Füße genommen hatten.

So ging es dann hoch zum Klausenpass – 600 Höhenmeter sind jetzt nicht die Welt, aber man merkt eben, dass man nicht mehr ganz die Power des ersten Tages hat. Während die Straße in unzähligen Serpentinen sich den Hang hochschlängelt, hat man für die Wanderer eine viel bessere Variante gefunden – einfach steil gerade hoch.


In der Mitte des Anstieges gönne ich mir eines dieses furchtbar schmeckenden Powergels, um die sich schnell leerenden Kraftreserven wieder auszugleichen. Und was soll man sagen – das hat echt geholfen. Kontinuierlich Meter um Meter hinauf, vorbei an stoichen Kühen, ein Schneefeld wurde noch waghalsig umklettert. Auf dem Pass komme ich dann zusammen mit zwei der großen Schweizer Wandergruppe an.

Von hier ging es dann nochmal gut 20 Minuten bergab zum Hotel Klausenpass. Hier sehe ich die zweite Kreuzotter der Tour, leider so schnell weg, dass ich sie nicht mehr knipsen konnte.

Ich begebe mich ins Lager, welches das beste Lager ist, was ich bisher gesehen habe. Riesengroß, dazu nicht mal zur Hälfte gefüllt, frisches Bettzeug, mehrere Duschen, es ist wirklich top. Hier sind schon zwei Deutsche, eine Frau mit Tochter, die die letzten Tage draußen gezeltet haben, aber von Kühen verfolgt wurden und jetzt mal eine Nacht in Ruhe schlafen wollen. Hinzu kommen noch zwei der Schweizer Gruppe. Als ich zum Abendessen gehe, gibt es schon einen „Via Alpina“-Gruppentisch, an dem ich direkt mit platziert werde – wie oben eingeleitet wird es ein launiges Essen, bis dann 21 Uhr die Müdigkeit einsetzt und der Körper Ruhe will.

Im Normalfall hat man von hier oben auch eine wunderschöne Aussicht – nur nicht eben am Abend und am heutigen Morgen. Der Nebel hüllt den Pass komplett ein.


Und so fällt die Wahl des heutigen Tages auch nicht schwer. Statt 20 Kilometer mit mal wieder extrem viel Abstieg spare ich mir das Gelatsche durch den Nebel, auch in Hinblick darauf, das leicht angeschlagene Knie für das zu schonen, was noch vor mir liegt. Hier fährt ja auch ein Bus runter und ich bin mit meiner Entscheidung, den Bus nur fürs Runter- statt fürs Hochfahren zu nehmen, auch zufrieden. Knapp 19 Franken später bin ich dann in Altdorf, schlendere gemütlich durchs Tal und gönne mir zum Mittag einen schicken Burger, da es heute auch kein Abendessen gibt.


Morgen kann ich dann richtig entspannen, denn der erste komplette Ruhetag steht an. Schlafen, Lesen, Wäsche waschen – das steht auf der Agenda, bevor es dann am Freitag wieder hoch in die Berge geht.

Genieße den Abend und hab einen wunderschönen Ruhetag 😗
LikeLike