Lieber See statt Schnee

Der gestrige Ruhetag machte seinen Namen wirklich alle Rede. Spätes Aufstehen, der letzte beim Frühstück und dann wieder ins Bett legen. Beine ausruhen, viel lesen, dazwischen das Badezimmer in eine provisorische Wäschekammer verwandeln und alle Klamotten einmal mit einer Tube Handwaschmittel durchspülen. Der Erfolgsfaktor davon war semigut – der gröbste Geruch ist definitiv raus, die frische Blumenwiese ist es aber auch nicht unbedingt. Immerhin war dann heute morgen alles trocken, so dass ich den Rucksack wieder füllen konnte.

Der Plan für die kommenden beiden Tage sah nun die Überquerung des Surenenpass vor. Hierfür sollte es heute bis ungefähr an den Fuß des Passes gehen und morgen dann drüber und runter nach Engelberg.

Für den heutigen Aufstieg kürzte ich mir ein Stück ab, da es zum einen brütend heiß hier ist, zum anderen ist mein rechtes Knie noch nicht wieder bei 100% und zwickt etwas rum. Weiter oben erblickte ich nun die Bergwelt, rundherum die Gipfel, sieht schon gut aus hier.

Nun ab auf den Höhenweg in Richtung Alp Grat. Etwas beschwerlich ging es bergauf, nach soviel Ruhe muss man sich ans Laufen auch erstmal wieder gewöhnen. Und dann passiert es – auf einer Anhöhe sehe ich das erste Mal fast den kompletten Weg zum Pass. Und der ist weiß. Und davor auch sehr viel. Das ist Mist.

Wie bekannt sein dürfte, sind Altschneefelder auf den Bergen meine größte Nemesis. Insbesondere wenn es nicht nur 5 Meter sind, sondern der Schnee noch größere Flächen bedeckt, über Steilstücke führt, etc. Schickt mich einen Steilhang hoch, gern auch auf allen Vieren über Felsen, aber nicht darüber. Ich erinnere mich an meinen Ausflug ins Stubaital zu Pfingsten, als ich nach einem langen Aufstieg nicht mehr umgedreht bin und über ein wirklich gefährliches Schneefeld drüber bin. Das will ich eigentlich nicht nochmal machen. Und so gehe ich fix die Optionen durch: wenn ich heute weitergehe, ist der Rückweg morgen so ewig lang, dass ich kaum noch nach Engelberg kommen. Also siegt die Vernunft – ich lasse den Schnee in Frieden und streiche den Surenenpass von meiner Liste.

Was bedeutet – jetzt wieder bergab und fix umbuchen. In der Gondel treffe ich zwei Wanderer, die über den Pass drüber sind und berichten mir, dass es wirklich schwierig ist und es viel Schnee gibt. Also im Grunde auch das, was ich schon aus der Ferne gesehen hab.

Mit dem Bus geht es dann weiter an den Vierwaldstätter See, wo ganz in der Nähe meine heutige Unterkunft liegt. Von hier kann ich dann morgen in Richtung Engelberg starten, zwar nicht über den Berg aber dennoch eine schöne und längere Tour.

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