Zwei Wochen bin ich nun schon unterwegs. Auch wenn ich nicht jeden Meter des Weges gelaufen sind, in Summe sind es dann doch schon über 160km und dabei mehr als 10.000 Höhenmeter im Aufstieg. Und allein dieser Tag hat quasi für alles entschädigt. Für alle Anstrengung, für die Nebeltage. Gefühlt war es eigentlich der perfekte Bergtag. Die Riesen der Berner Alpen direkt zum Greifen nahe, bei perfektem wolkenlosen Wetter.

Am Tag zuvor war die riesige Nordwand des Eigers noch in Wolken gehüllt, am Morgen erstrahlt dieser Felsriese aber schon in seiner gesamten Pracht. Ich packe geschwind meine Sachen und starte gegen 9 in das heutige Abenteuer. Zuerst muss ich noch aus Grindelwald heraus, was bedeutet, dass ich erstmal ein wenig absteigen muss, um die Talsenke zu erreichen. Aber dann geht es hoch, der lange Anstieg zur Kleinen Scheidegg steht auf dem Programm.

Und naja… die Stimmung wurde dann doch erstmal ein wenig getrübt, da die ersten 1,5 Stunden ausschließlich auf sehr steilen Asphaltwegen aufwärts führen. Das ließ sich einfach richtig bescheiden laufen, die Schritte werden nicht gedämpft. Um ehrlich zu sein, ich habe diesen Abschnitt gehasst. Aber gut, nützt nix, irgendwann erreichte ich dann die breiten Schotterwege, die jetzt auch nicht das allerschönste Wandergefühl vermittelten, aber sich besser laufen ließen. Im Rückblick konnte man nun wundervoll das Wetterhorn erkennen, während man quasi direkt unter der Eiger-Nordwand hindurchwanderte. Es ist ein wenig schade, dass man diesen Eindruck kaum in Bildern wiedergeben kann, wie mächtig diese riesige Mauer wirklich ist. Aber die Schweizer tun ja alles dafür, um diesen Eindruck für jeden zu erschließen, denn hier fahren diverse Seilbahnen und Züge hoch.


So unspektakulär wie der Weg war, umso beeindruckender wurden dann immer mehr die Eindrücke. Mit jedem Meter, den ich hochlief, rückten weitere schneebedeckte Gipfel in Sicht. Vor mir zeigten sich die Jungfrau und das unfassbar schöne Silberhorn mit seiner weißen Bergkuppe. Neben dem Eiger ließ sich dann auch noch der Mönch in seiner gesamten Pracht sehen.


Und so ging es dann auf die letzten Meter hoch zum Pass, den man schon aus weiter Entfernung sehen konnte. 1.250 Höhenmeter bergauf hatte ich dann schon wieder zurückgelegt, es ist ein absoluter Segen, dass Beine und Körper nach 2 Wochen noch so herausragend funktionieren. Oben an der Kleinen Scheidegg wurde ich dann aber aus meiner kleiner Wanderwelt herausgerissen – denn hier ging es zu wie an einem zentralen Hauptbahnhof. Unzählige Touris, Lautsprecheransagen über die Züge und Seilbahnen, diverse Selfiesticks, die sich aus der Masse heraushoben. So schön wie das hier oben, ich musste da schnell weg, da es teils schon echt unangenehm wurde.


Ein paar Schritte weiter hatte man dann mehr Ruhe, da sich 90% der Leute da oben sowieso nicht bewegen. Und hier konnte man dann diese Pracht dann auch richtig genießen. Das Triumvirat aus Eiger, Mönch und Jungfrau thront vor einem, man erkennt die unzähligen Gletscher, es ist einfach atemberaubend. Viel mehr kann man nicht schreiben, dass muss man einfach sehen. Zwischen Mönch und Jungfrau konnte man sogar die Bahnstation auf dem Gletscher sehen – hier kann man bis auf 3500m hochfahren, Kostenpunkt irgendwas um die 200 Euro. Aber das schreckt auch niemanden ab, die Züge waren alle brechend voll.



Nach einem kurzen Stop ging es dann wieder runter, komplett bis Lauterbrunnen, mein Zielort, wollte ich aber nicht laufen. So ging es bis Wengen, wo ich dann mit einer völlig überfüllten Bahn ins Tal runter bin.



Lauterbrunnen ist nun der nächste Touri-Hotspot, links und rechts beschränken riesige, quasi senkrecht abfallende, Steilwände das enge Tal. Ich kämpfe mich durch die Menschenmassen, beobachte dabei, wie eine asiatische Touristin fast vom Auto überfahren wird, weil sie wegen einem Foto auf die Straße gerannt ist. Kopfschüttelnd geht’s in mein genial gelegenes Hostel. Hier tummeln sich unzählige Basejumper, die mit Wingsuits und Fallschirmen von den Felsen springen, völlig verrückte Typen. Am Abend genieße ich noch den wunderbaren Blick vom Balkon.

