Mit der Gondel ins Unwetter

Drittletzter Tag des Abenteuers in der Schweiz und er sollte durchaus denkwürdig sein, wenn auch anders als gedacht.

Die ganze Nacht durch gab es Gewitter, selbst am Morgen war noch ein Donnern über den Bergen hörbar. Dazu waren bereits für den Nachmittag wieder neue Unwetter angesagt. Das brachte meinen ursprünglichen Plan schon ins Wanken, denn dadurch war die geplante lange Etappe über mehr als 20km nicht mehr machbar, da ich ansonsten sicher am Berg ins Gewitter gekommen wäre. Also Plan B – den ersten Aufstieg mit der Seilbahn abkürzen, das bringt gut 2,5 Stunden Zeitersparnis und mich eventuell noch unwetterfrei ins Ziel nach Gsteig. Dazu gab es einen kleinen Bonus – denn durch die Tourikarte der Übernachtung konnte ich kostenlos mit der Bahn fahren. Und wenn hier in diesen scheißteuren Land einmal was kostenfrei ist, muss man es ja schließlich nutzen.

In Lenk, meinem Startort, war inzwischen wieder ganz gutes Wetter, so dass ich mich nun ins Abenteuer stürzte. Also ab zur Talstation und hinauf. Nun, bis zur Mittelstation sah alles noch okay aus. Weiter oben wunderte ich mich schon etwas, dass der Himmel über dem Berg doch recht grau war. Naja, wird es halt erstmal regnen, dachte ich mir. Bis dann plötzlich ein Blitz auftauchte. Und es donnerte. Fuck… ich fahr mit der Gondel direkt ins Unwetter rein.

Es wurde windig, der Regen prasselte nun gegen die Scheiben der kleinen Kabine. Und immer wieder ein Grollen über dem Berg. Ich näherte mich der Bergstation und mir war klar, es geht sofort wieder runter. Der Tag heute ist einfach nicht dafür geschaffen, über Berge zu wandern, wenn es ständig gewittert.  Meine Ankunft mit der Seilbahn oben hatte dann was vom berühmten Gif von Grandpa Simpson.

Also wieder runter, während das Unwetter nun richtig aufzog. Ich konnte nun die anderen Personen beobachten, die mir entgegen kamen und Richtung Donner hochfuhren. Eine Frau war völlig fertig und hatte ihre Hände vors Gesicht geschlagen. Dann gab es irgendwo in der Nähe einen Blitz und die Seilbahn blieb stehen. Allein 100 Meter über dem Berg hängt man da in der Gondel und nix passiert mehr. Albtraum!

Es waren am Ende nur 2-3 Minuten, aber glaubt mir, dass es wenig grusligeres gibt, als in einer stehenden Seilbahngondel zu sein, während hinter einem das Gewitter naht. Glücklicherweise fuhr sie dann wieder, ich wollte nur noch runter ins Tal, fester Boden und irgendwo im Gebäude verstecken. Merke – wenn in der Schweiz was kostenlos ist, kann es nicht gut sein!

Damit war Plan B dann auch vorbei, blieb Plan C, der mir aber heute auch egal war. Mit Bahn und Bus komme ich auch nach Gsteig. Inzwischen war es dann sowieso schon fast Mittag. Einen Zwischenstopp legte ich aber noch in Gstaad ein.

Wem dieser Ort nix sagt – es ist ein absolutes Schicki-Micki-Dorf. Insbesondere im Winter ist hier die High-Society ansässig und schlürft Champagner im Luxuspelzmantel. Stars wie Madonna haben hier Chalets. Aber auch im Sommer erfüllt sich der Ruf. Fast nebeneinander liegen Läden von Prada, Dolce & Gabbana, etc. Die erste Werbung am Bahnhof ist für plastische Gesichts-Operationen und nach wenigen Metern merkt man auch, dass die Werbetafel ihren Effekt erzielt. Mit meinen dreckigen Schuhen, Riesenrucksack und drei Wochen unrasierten Gesicht könnte ich nicht weiter weg sein von den restlichen Touristen hier im Ort. Ich amüsiere mich aber köstlich, einfach durch dir Fußgängerzone zu gehen und zu registrieren, wie Leute die Seite wechseln, wenn ich Ihnen entgegenlaufe. Länger als eine Stunde halte ich es aber nicht aus, inzwischen ist auch schon das nächste Gewitter über die Region gezogen.

In Gsteig beziehe ich dann meine schöne urige Unterkunft, zum Abendessen gibt es ein Barbecue-Buffet. Ich bin begeistert. In der Zwischenzeit gewittert es weiter, es soll hoffentlich morgen besser werden. Die letzten beiden Tage will ich dann doch noch laufen.

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