Einsames Kilometerschrubben in der Romandie

Der vorletzte Tag der Via Alpina stand bevor und der Blick Richtung Himmel offenbarte erstmal Hoffnung. Am Abend und in der Nacht zogen nochmal Gewitter durch die Schweiz, aber ich hoffte, dass dies nun endgültig vorbei war. Der Vorabend war noch geprägt vom Schweizer Nationalfeiertag am 01.08. Es gab Buffet im Restaurant (ein Traum!), an meinem Tisch saß dann noch ein älteres, aber sehr goldiges Paar aus England, mit denen ich mich sehr nett unterhalten habe. Die beiden machen schon seit Jahren Urlaub in der Schweiz und so konnte ich mal wieder mein rüstiges Englisch auspacken.

Von Gsteig aus sollte es dann bis zur letzten Bergstation – dem kleinen Ort Les Mosses am gleichnamigen Pass – gehen. So startete ich gegen 9 auf den Weg und stürzte mich in die Einsamkeit. Denn hier bin ich nun fast völlig raus aus den Wander-Hotspots. Die ersten zwei Stunden ging es über schmale Waldwege die ersten Meter hoch, durch die nächtlichen Regenfälle war die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch und ich nach gefühlt 5 Minuten komplett durch. Egal, besser als Gewitter und da der Weg sehr gut zu laufen war, ging es dann auch geschwind vorwärts. Zwischendurch lief ich durch einen unfassbar schönen Weiler, die paar Häuser waren direkt vor den Steilwänden der Berggruppe Les Diablerets, im Hintergrund rauschte ein riesiger Wasserfall zu Boden. Ein magischer Ort.

Nach gut 2 Stunden erreichte ich dann den Col du Pillon, eine Passstraße. Von hier führt eine Seilbahn bis auf gut 3000 Meter hinauf in die Wolken. Ich gönne mir eine kurze Pause, beobachtete die Touristen, die sich hier in die Höhe fahren lassen und fülle mein Wasser auf. Für mich geht es auf der anderen Seite weiter, hier führt der Weg steil zu einem wundervollen See hinauf  – den Lac Retaud.

Ab hier habe ich dann auch einen tollen Blick auf die gegenüberliegende Berge, es sind die letzten 3000er der Tour, die zum Greifen nah sind. Nach einem kurzem Getränkestop geht es dann auf den Hangweg, den ich schon von weitem einsehen kann. Was zuerst noch gut ausschaut, wird dann bald zum reinen Kuhpfad, der sich schmal durch den Grashang schlängelt. Immer wieder gilt es den Hinterlassenschaften der hiesigen Tiere auszuweichen. Dazu hält das Wetter, deutlich besser als erwartet. Die Sonne prasselt ordentlich von oben.

Auch hier bin ich quasi komplett alleine unterwegs, in den letzten drei Stunden treffe ich zwei Personen. Und so mache ich Kilometer um Kilometer, am Ende sind es fast 25 am Ende des Tages. Im übrigen bin ich hier nun auch im französischsprachigen Teil der Schweiz angekommen.

Nach gut 7 Stunden erreiche ich dann meine wundervolle Unterkunft in Les Mosses und es stellt sich schnell als bester Abend der ganzen Tour heraus. Im kleinen Gasthaus herrscht eine unvergleichliche Gastfreundschaft, das Essen hat Sterneniveau und ich sitze bis zum späten Abend mit den Gastgebern und anderen Gästen zusammen mit gutem Wein.

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