Mit qualmenden Füßen in die Olympiastadt

Die Gedanken kreisen dann manchmal doch umher, während man stoich einen Schritt vor den anderen macht und von oben der große Feuerball gnadenlos seine Wärme in alle Ecken der Berge verteilt. Letztes Jahr begannen die gemeinsamen Wandertage mit Sandra im strömenden Regen, heuer regiert die Sonne alles und macht die Tage auf eine gewisse Art und Weise doch sehr anstrengend.

Nachdem die Gewitter über die Hütte gezogen sind, klart es am frühen Morgen wieder auf – strahlender Sonnenschein begrüßt uns nach dem Aufstehen. Unser kleines Zimmer besteht aus einem sehr heiklen Doppelstockbett mit einer losen Leiter, die bereits bei der kleinsten Berührung lautstark gegen alles mögliche knallt. Die Nacht ist unruhig und kurz. Neben uns sind nur zwei Kanadier und ein Italiener hier Gäste, der Saisonstart verläuft ruhig.

Nach dem Frühstück machen wir uns gegen 9 auf den Weg. Zuerst fast 800 Höhenmeter bergab, was jetzt nicht immer ganz spannend ist. Ab und zu blicken die Berge durch, meistens sind wir halt im Wald und stapfen zwei Stunden lang den Weg bergab.

Schließlich sind wir am Talboden angekommen und blicken auf die direkt vor uns liegenden Berge. Es ist hier wie eine Arena, quasi 360-Grad-Bergpanorama um einen herum. Und dazu ist es merklich heißer, die Sonne knallt kurz vorm Mittag jetzt richtig runter. Wir machen einen kurzen Stopp, füllen die Wasserflachen auf und begeben uns dann wieder auf den Weg (und ergeben uns quasi in das Wanderschicksal, einfach weiterzulaufen, egal wie das Wetter ist).

Nächster Zwischenstopp ist nun der Passo Tre Croci – was dann heißt, es geht wieder berghoch. Und der folgende Weg ist nun wirklich ätzend. Ein breiter heller Schotterweg, die Bäume so weit auseinander, das kaum Schatten vorhanden ist. Jeder Meter sieht gleich aus, die gleißende Hitze fordert ihren Tribut. Doch etwas kraftlos schleppe ich mich die gut 500 Höhenmeter hinauf, so richtig schön war das ganze dann irgendwie nicht, aber egal.

Oben am Pass gibt es eine kurze Pause, wir trinken was und dann geht es auf den letzten Abschnitt – runter vom Pass bis zu unserem Zielort Cortina d’Ampezzo. D.h. nochmal gut über 700 Höhenmeter bergab, ein Fest für die Knie und die Füße. Machen wir es kurz, der Weg ist am Anfang noch recht schön durch den Wald, offenbart sich aber später als steile Skipiste, die wir runterlatschen müssen. Gibt schöneres, vor allem bei der Wärme, denn auch hier ist Schatten ein rares Gut. Aber die Blicke auf die umliegenden Berge von Cortina sind schon schön.

Als wir Cortina endlich erreichen, steuern wir erstmal die Eisdiele an – das haben wir uns nach diesen langen und heißen Tag auch verdient. Danach fix ins Hotel, frisch machen und ab in die Fußgängerzone und was zu essen suchen. Cortina steht schon im Banne der kommenden Olympischen Winterspiele im Februar 2026. Überall wird gebaut, die Werbemaschinerie ist an jeder Ecke spürbar.

Während wir mit Pils, Grappa und Nudelgerichten den Abend ausklingen lassen, gewittert es währenddessen stundenlang bis in die Nacht. Das Klima ist aktuell sehr labil, brütend heiß am Tag und abends dann Blitz und Donner. Wir sind gespannt, was der nächste Tag wohl bringen mag.

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