Nach einer gewitterreichen Nacht sah der Montagmorgen in Cortina noch ganz vielversprechend aus. Paar Wolken am Himmel, aber doch schon wieder sonnig, auch wenn die Temperaturen heute nicht ganz so knackig werden sollten. Nach dem Ausflug ins Tal sollte es nun wieder berghoch gehen, das Ziel mehr als 1.000 Höhenmeter oberhalb unseres Startortes. Ein ganz früher Start war leider nicht drin… etwas länger im Bett liegen bleiben, Frühstück genießen und noch ein kurzer Abstecher in den Supermarkt und zack ist es 09:40 Uhr. Naja, die Tage sind lang und wenn schlechtes Wetter kommt, dann haben wir halt Pech gehabt (PS: Wir sollten Pech haben 😀)


Die Etappe sollte quasi zwei Teile haben – Zuerst ging es lange den Berg hinauf zum Rifugio Croda da Lago und dann anschließend über einen Höhenwanderweg und zwei Scharten zum Passo Giau, wo sich unsere Unterkunft befand. Also auf ins Getümmel und Cortina hinter uns lassen. Zuerst noch über etwas Asphalt und Felder, kamen wir recht schnell in den Wald und von nun an ging es teils gnadenlos berghoch.


Auf Bildern ist es immer recht schwer einzufangen, aber teils war die Steigung schon ziemlich brutal. Schritt für Schritt kämpften wir uns über Wurzeln und Steine, bezwangen eine Felsrippe mittels einer spannenden Querung und gewannen so Meter um Meter.


Das war auch dringend notwendig, denn vom sonnigen Wetter war rundherum nix mehr zu spüren. Es zog sich zu, ein paar erste Tropfen erreichten uns und in der Umgebung wurde es dunkler. Und dann fing es zu donnern an. Und zu blitzen. Zwar nicht direkt über uns, aber schon so, dass man es mitbekommt. Das Wetter war inzwischen komplett labil, auf der Gegenseite oberhalb von Cortina lagen erste Berge in den dunklen Wolken, das Grummeln im Himmel nahm zu. Wir waren jetzt nicht mehr so weit von der Zwischenstation entfernt, also hieß es: Beine in die Hand und ab. Und es ging tatsächlich auch ziemlich gut, kurz vor der Hütte Croda da Lago mit dem gleichnamigen und wunderschönen See begann es richtig zu schütten.


Gestärkt durch Käsekuchen und Cappuccino überlegten wir nun die Fortsetzung des Tages. So spannend und schön wie der nun folgende Höhenweg auch sein mag, bietet er halt null Schutz und in dem Wetter auch kaum Sicht. Also empfiehlt uns der Hüttenwirt einen anderen Weg, auf dem wir nicht komplett absteigen müssen, sondern dann von dort mit dem Bus bis zum Passo Giau fahren können. Da der Zeitplan aber sehr knapp ist, überlegen wir nicht lange und machten uns sofort los.

Wir stürzen uns auf den Waldweg, inzwischen regnet es nicht mehr, es sind eher sturzflutartige Bäche, die vom Himmel gen Boden schießen. Innerhalb kürzester Zeit sind wir komplett durch. Und dazu müssen wir noch einen steilen Waldweg runter, haben noch Zeitdruck, weil der Bus der letzte ist, der da hoch fährt. Also Vorhang auf für Übersprungshandlungen: Statt wegen des Wetters Trübsal zu blasen, reagiert nur noch der Wahnsinn, ich lache den Anstieg gefühlt nur noch und in meinem Kopf summt die Melodie der Gummibärenbande. Sandra schüttelt nur mit dem Kopf.





Als wir schließlich unten sind, ist wirklich alles klitschnass. Socken, Hose, Schuhe… es tropft überall. Eine Bushaltestelle erkennen wir hier zwar nicht, aber der Bus wird dann eben per Handzeichen angehalten und bringt uns hoch zum Pass. Der Passo Giau bietet ein fantastisches Panorama auf die Dolomiten, das hier oben errichtete Berghotel ist dann unsere Unterkunft für die Nacht.


Abends geht es dann noch zum Sonnenuntergang hinaus – ein wunderbarer Moment, die untergehende Sonne lässt die umliegenden Gipfel glühen.
