Die letzten beiden Tage der kleinen Dolomiten-Tour dürfen natürlich nicht fehlen – handeln sie doch von wunderschönen Landschaften, flauschigen Tieren und extrem steilen Anstiegen, die von unten quasi unüberwindbar scheinen.
Mittwoch, 18.06. 2025 – schon morgens strahlt die Sonne über die Pralongia-Alm. Die Marmolada und Sella grüßen uns, doch unser Weg geht wieder Richtung Osten. Bei der Planung hatte mir diese Etappe sehr viel Kopfschmerzen bereitet, denn schon Monate vorher war quasi alles in der Umgebung ausgebucht. Einzig die Ra-Stua-Alm hatte noch Plätze, aber dafür war ein Marsch von über 26km und gut 9h einzuplanen. Auf dem Papier irgendwie wohl machbar, aber wenn man einmal vor Ort ist, hält man das meistens nicht mehr für die allerbeste Idee.


Die erste 1,5 Stunde laufen wir noch mit dem ursprünglichen Plan bergab. Nach einem kurzen Gespräch, dass ich irgendwie doch nicht so die riesige Lust auf diese Marathonetappe habe, wird ein wenig gegoogelt und tatsächlich finden wir eine Hütte in der Nähe, die unverhofft noch zwei Plätze frei hat. Naja – nehmen wir eben das und planen ein wenig um.

Unser Ziel ist nun das Rifugio Scotoni, welches nun auch gar nicht mehr so weit ist. Vorher stand aber noch ein absoluter Kackweg an, denn der Aufstieg zur Hütte geht nicht über einen schönen Pfad, sondern über eine steile Teerstraße, die dann auch noch voll in der Sonne liegt. Ein Weg, der aus Freunden Feinde macht. Ich bin ihn nun in den letzten Jahren schon zum dritten Mal gelaufen… Naja, der Weg ist das Ziel, denn das Rifugio Scotoni liegt einfach wunderschön auf einem Plateau in 2.000 Meter Höhe. Rundherum strahlen die Berge wie in einer Arena, dazu grasen die Hütten-Alpakas friedlich vor sich hin und bieten ein wunderbares Fotomotiv.




Die Hütte ist super, wir werden freundlich empfangen und das Zimmer ist auch mehr als das, was man von einer Berghütte erwarten darf – eigenes Bad, Terrasse. Wir sind gespannt, wer sich heute mit uns das Zimmer teilen wird. Später kommt eine fast 15-köpfige koreanische Gruppe mit Guide hinauf und wir sind ehrlich – das stand nicht auf unserer Bingokarte für den Abend. So werden es am Ende zwei aus der Truppe, mit denen wir das Zimmer teilen. Die Gruppe macht ihre Tour mit Gepäcktransport, was bedeutet, dass die noch riesige Taschen geliefert bekommen. Es ist der Wahnsinn, was die mit in die Berge schleppen – gefühlt der komplette Hausstand ist dabei. Noch wahnsinniger ist allerdings, dass morgens schon vor 6 Uhr alles mögliche ein- und wieder ausgeräumt wird und an Schlaf nicht mehr zu denken ist… Danke für Nichts 😀
Als Alternative für den letzten Tag hatte ich nun eine neue Route gebastelt und die hatte es definitiv in sich. Doch vorher gab es noch Frühstück – und aus Gründen gab es Muffin mit Kerze und Prosecco. So kann der Tag am Berg doch beginnen 🙂


Sachen gepackt und dann erstmal schön bergauf zum Lago Lagazuoi, der ein wunderbares Fotomotiv vor den Felstürmen bot. Und von hier konnten wir schon das nächste Ziel sehen – die Forcella di Lago, eine extrem einschüchternde Scharte zwischen den Felsen, bei der man sich nicht vorstellen kann, wie da ein Weg hochgehen soll. Doch auch von den Hüttenleuten wurde gesagt, dass das alles machbar sei, also gehen wir weiter.


Und was nun die nächsten 45 Minuten passiert, ist einfach kaum in Worte zu fassen. Der Blick in die Scharte ist absurd, das Gefälle brutal, man schaut fast senkrecht nach oben und das schüchtert definitiv schon ein. Dann aber kommt man auf den Weg und ist nur noch beeindruckt, wie extrem gut dieser angelegt wurde. In unzähligen Serpentinen führt dieser zuerst durch das heftige Geröllfeld, man merkt, dass der Weg durchgehend in Schuss gehalten wird, es ist kaum loses Geröll auf dem Weg und dementsprechend ist dieser auch trotz der Steilheit sehr gut zu gehen.


Die Blicke nach hinten sind schon nach wenigen Minuten genial. Der See liegt nun schon einige Höhenmeter unter einem, in der Ferne grüßt das Rifugio Lagazuoi (auf dem ich vor 4 Jahren mal übernachtet hatte) und die Blicke gehen bis in die westlichen Dolomiten.


Weiter oben wird es dann aber noch genialer – man kommt in die schmale Öffnung der Felswand, der Weg schlängelt sich auf wundersame Weise weiter hinauf, hier wurden mit viel Arbeit Holzbalken präpariert, die die Felsbrocken aufhalten, so dass man weiterhin gut hochlaufen kann. Wir sind euphorisch, das Adrenalin schießt durch den Körper. Es macht einfach dermaßen viel Spaß, hier zu wandern, Meter für Meter, Serpentine für Serpentine zu überwinden. Kurz gesagt – es ist einfach geil. Inzwischen sind wir so weit oben, dass man den unteren Abschnitt gar nicht mehr sieht, so steil fällt das Gelände hier ab.



Und schließlich endet der Spaß – angekommen auf der Forcella die Lago setzen wir uns erstmal und lassen das Geschehene sacken. Das war wohl der geilste Anstieg, den ich bisher gelaufen bin, ich bin nur am Lachen und freue mich extrem über diese Erfahrung. Von hier oben sind die Blicke natürlich auch grandios, der See, an dem wir gut 45 Minuten vorher waren, wirkt nur winzig, auf der anderen Seite öffnet sich nun der grandiose Blick in die Fanes. Zudem ist es hier oben recht voll – denn dieser Weg gehört auch zum Dolomiten-Höhenweg 1 (Alta Via), nur eben umgedreht. So kommen uns heute noch gefühlt 2.000 Menschen entgegen, wir sind nur am Grüßen.



Der Weg in die Fanes ist nun ganz anders – kein steiler Weg, sondern ein langgezogener Pfad, der auch immer mal wieder ein paar Meter in die Höhe geht. Man merkt dann auch schon, dass die Aufregung und Anspannung der ersten 2 Stunden recht schnell vergeht und man wieder stoich einen Fuß vor den anderen setzt. Aber der Blick in die Fanes bleibt großartig – auf über 2.000 Metern Höhe zieht sich wie ein grünes Band ein Streifen durch die hohen Dolomiten-Berge.



Nach über 4 Stunden erreichen wir dann die erste offene Hütte und machen eine ausgedehnte Pause. Inzwischen sind wir in der fantastischen „Kleinen Fanes“ angekommen, einer der schönsten Plätze der ganzen Dolomiten. Eine wunderschöne Flora, mehrere rauschende Bäche und die hohen Berge im Hintergrund ergeben ein unfassbar schönes Panorama. Auch hier bin ich nun zum dritten Mal insgesamt und genieße weiterhin jede Sekunde.


Wandertechnisch sind nun aber quasi alle Höhepunkte abgearbeitet. Denn nun geht es nur noch hinunter nach Pederü, wo wir uns dann in den Bus setzen werden. Gut 1,5 Stunden wandern wir bergab, immer noch mit beeindruckenden Blicken, teilweise wirkt es auch so, als ob man durch die unerbittliche Wüste von New Mexico wandert, die Vegetation wird karger. Aber wir kommen gesund und munter unten an und beenden damit unsere Dolomiten-Tour.



Sechs Tage voller Eindrücke, geniale Aufstiege, lange und kräftezehrende Abstiege, der Anfang sehr gewitterlastig, dann aber wieder wunderschön. Muskelkater, kleinere Blasen, paar Kratzer, Striemen vom Rucksack – Daily business. Am letzten Abend fließt nochmal der Wein in unsere Kehlen, gibt es Knödeltris als Vorspeise, gefolgt von Pizza und Tiramisu. So kann der eigene Geburtstag hier oben doch enden.

























































































































