Punktlandung auf der Alp Siez

Gegen 8 Uhr klingelt der Wecker – es ist Zeit, in das Abenteuer Via Alpina zu starten! Doch der Start ist erstmal gemütlich, vorher gibt es noch ein ausgiebiges Frühstück im Hotel. So geht es kurz vor 10 erstmal noch zum Bankautomat, um ein paar Franken in der Tasche zu haben und schließlich noch in den Supermarkt, um ein paar völlig überteuerte Schokoriegel zu kaufen, die ich für die kommenden Tage als Reserve unterwegs brauche. Die Kreditkarte glüht hier schon am ersten Tag – ich hoffe sie verbrennt nicht zwischendurch.

Zuerst gilt es, aus der Stadt heraus zu kommen, was sich als gar nicht so einfach darstellt – doch irgendwann ist die Via Alpina ausgeschildert und ab da wird es Kinderspiel sich zu navigieren, da nun ein Schild nach dem nächsten folgt.

Sargans
Der grüne Wegweiser ins Glück

Nach gut 30min Einlaufen auf Asphalt ging es dann in den ersten Anstieg der Tour, gut 500 Höhenmeter hinauf an den Berghang. Glücklicherweise hielt das Wetter bis hierhin, die angesagten gewittrigen Schauer sollten nun erst am Nachmittag kommen. Dennoch war es schwül, mein graues Shirt innerhalb kürzester Zeit durch und farblich nun eher schwarz… aber gut, solche Kleinigkeiten muss man eben ignorieren und die Beinchen weiter nach oben schrauben.

Der Weg war insgesamt sehr gut zu gehen, stellenweise noch etwas nass und rutschig, aber doch in sehr gutem Zustand. Sehr fix kam ich dann auch am höchsten Punkt an und hatte hier schon ordentlich Zeit im Vergleich zu den Wegweisern gut gemacht. Nun führte der Pfad am Hang entlang und ich durfte in die Nebelsuppe eintauchen, die eine beeindruckende Atmosphäre schuf.

Über Asphalt ging es hinunter ins Tal, wo ich zwei junge Frauen traf, die dann das gleiche Tagesziel wie ich anvisierten. Die beiden sind seit Mitte April unterwegs, gestartet in Triest und durchqueren gerade den kompletten Alpenbogen. Völlig irre (und ein Stück beneidenswert, soviel Zeit für so ein Projekt zu haben – kleiner Wink in Richtung Murnau 🙂 ).

Es ging weiter das Tal hoch, im letzten kleinen Dorf namens Weisstannen wurde ich auf ein nettes Schild namens „Hoflädeli“ aufmerksam. Kurz reingeschaut, gab es dort kühle Getränke zur Selbstbedienung. Da wurde natürlich zugeschlagen, so eine kühle Limo ist bei den warmen Temperaturen einfach ein Genuss.

Die letzte Stunde zur Alp Siez ist dann schnell erzählt. Ich nahm die Füße in die Hand und wollte noch trocken ankommen, denn es war schon erkennbar, dass es demnächst noch regnen muss. Der Weg zog sich am Fluss entlang, nie schwierig zu gehen, man musste aber kurz vor Schluss noch eine richtige Rampe hoch, die da irgendwie völlig unnötig wirkte. Komische Natur… Und so war ich Punkt 3 an der Alp Siez, meinen heutigen Schlafplatz.

Und was soll ich sagen – in dem Moment, wo ich unter dem Dach stand, öffnete der Himmel seine Schleusen und es schüttete ohne Ende. Absolute Punktladung! 20 Minuten nach mir kamen die beiden Frauen an, komplett durch.

Die Alp Siez besitzt mehrere hundert Kühe, produziert selber Käse und im Nebengebäude gibt es ein gemütliches Schlaflager, welches wir zu sechst belegen. Die anderen drei Gäste sind ebenfalls auf der Via Alpina unterwegs. Währenddessen schüttet es weiter, zwischendurch donnert es auch mal, Petrus lässt gerade seinen ganzen Frust über den Schweizer Bergen aus.

Morgen geht’s dann das erste Mal richtig hoch – der Foopass auf über 2200 Meter wartet, was erstmal einen mehrstündigen Aufstieg bedeutet. Und danach geht’s mal eben gut 1.500 Höhenmeter runter nach Elm, das wird ein Fest. Immerhin soll das Wetter stabiler werden.

Auf in die Excelabstinenz – Startschuss in Sargans

Ihr habt euch sicherlich auch schon drauf gefreut, dass ich nun wieder in den Urlaub starte und euch wieder mitnehmen darf. Soviel Zeit ist seit dem letzten Trip gar nicht vergangen, aber gefühlt liegt eine Ewigkeit dazwischen. Die Wochen dazwischen sehr gut gefüllt mit einer Menge Arbeit – Krankenhaustransparenzgesetz, Pflegepersonalkostenausgliederung, Wirtschaftsplanung, Personalkostenhochrechnung – der ganze Spaß, den man so als Klinikcontroller hat, einfach gebündelt in 5 Wochen aufs komplette Maximum gedreht.

Aber nun bin ich in der Schweiz. Weg vom PC, weg von Excel – über drei Wochen keine Formeln, keine mehrfach ineinander verschachtelten Indexvergleiche, die meine Hardware ans Maximum treibt. Nun stehen nur Berge an, die meine körperliche „Hardware“ an ihr Limit bringen wird. Absolutes Kontrastprogramm. Ich liebe es.

Startschuss in der Heimat

Auf dem Plan steht der Grüne Weg der Via Alpina. Dies ist wie ein Wegenetzwerk, welches sich durch die gesamten Alpen zieht, der hier nun in Angriff zu nehmende Grüne Weg zieht sich einmal quer durch die Schweiz – von Ost nach West, beginnend ab Sargans und endend am Genfer See in Montreux. Nun, eigentlich startet der Weg sogar noch früher in Liechtenstein oben auf dem Berg und führt dann direkt erstmal stundenlang bergab, bevor es durch die Rheinebene nach Sargans geht. Aber dieses Stück lasse ich bewusst aus – wer sich diesen „Prolog“ ausgedacht, am ersten Tag erstmal 1.500 Höhenmeter bergab zu latschen, der hat nicht mehr alle.

Die kommenden Tage und Woche geht es nun immer wieder hoch und runter, zahlreiche Pässe über 2.000 Meter stehen auf dem Programm, gefolgt von langen Abstiegen wieder runter ins Tal. Es wird schon anders als in den Pyrenäen, aber ich freue mich über etwas mehr Luxus, richtiges Frühstück und guten Kaffee.

Problemlos ging es dann heute von Murnau nach Sargans, das Wetter schwül und heiß, hier in der Schweiz hat es nun bei der Ankunft ordentlich gewittert. Die Wetterprognose für morgen sieht nicht so gut aus, immer wieder Regen und auch Gewitter – mal schauen, was sich draus machen lässt. Ich freu mich jedenfalls, dass es los geht.

Mit dem schönsten Sonnenuntergang ins Urlaubsfinale

Nach der Marathonetappe vom Donnerstag genossen wir am Morgen erstmal im Sonnenschein das Frühstück auf der Goiserer Hütte draußen und betrachteten dabei die wunderschöne umliegende Bergwelt.

Nachdem wir uns noch ein wenig mit dem sehr netten Hüttenwirt Max unterhalten hatten, der für uns freundlicherweise noch eine Info einholen, dass unser ursprünglicher Weg gesperrt sei, machten wir uns gemütlich nach 9 Uhr auf dem Weg. Erstmal ging es wieder zurück ins Tal – also quasi alles, was wir gestern nachmittag aufgestiegen waren, ging es nun auf der anderen Seite des Berges wieder herunter.

Nach gut 2,5 Stunden Abstieg durch den Wald kamen wir in Gosau heraus, wo wir erstmal an einer kleinen Quelle unsere Schuhe und Beine abwaschten. Im Gegensatz zum Berg war es hier nun ziemlich drückend warm. Als Konter gönnen wir uns fix noch ein Eis sowie ein kühles Radler.

So gingen wie weiter durchs Tal und was zuerst recht angenehm war, da nicht steil hoch oder runter, wurde zunehmend nerviger. Die Hitze drückte, der Weg doch weiter als gedacht. Als Alternative für den gesperrten Bergweg mussten wir auf die Seilbahn ausweichen und dafür bis ans Ende dieses doch recht langen Tal wandern. Teilweise ganz schön am Bach entlang, teilweise aber auch über Fußweg direkt an der Straße entlang.

Vor uns lag schon das Dachsteingebirge zum Greifen nahe. Nachdem wir auf die letzten 4-5km keine Lust mehr hatten, nahmen wir kurzerhand den Bus – um uns dort anschnauzen zu lassen, warum will keine kleinere Scheine als 50 Euro haben. Hilfe… der Busfahrer war wirklich völlig unentspannt. Naja, zack ging es dann zum Gosausee und seinem fantastischen Panorama. Das hat man hier nicht alleine, große Parkplätze zeugen von der Attraktivität dieses Orts.

Kurzerhand ging es dann mit der Seilbahn auf dem Gosaukamm, wo unsere Etappe aber bei weitem noch nicht vorbei war. Denn unser heutiges Ziel war die Stuhlalm und die war noch über 1,5 Stunden entfernt. So ging es nun in einen spannenden, aber auch anstrengenden Bergweg am Hang entlang.

Auch hier war durch die Nässe der vergangenen Tage das Vorankommen erschwert. Rutschige Steine, nasse Wurzeln – man musste schon gut aufpassen. Als wir dann richtig in den Hang kamen, wurde es nun sehr ungemütlich. Wir konnten sehen, wie die Schlechtwetterfront vom Westen minütlich näher kam. Rundherum donnerte es. Und dann erwischte es auch uns und es begann zu regnen. Gerade auf dem Abschnitt, wo jeder Schritt sitzen muss, weil es rechts mehrere hundert Meter steil herunter ging, wäre das nun wirklich nicht notwendig gewesen.

Doch zum Glück kam das Gewitter nicht direkt über uns und der Regen ging nach kurzer Zeit auch wieder weg. So legten wir dann nochmal den Turbo ein, um endlich im Ziel anzukommen, denn inzwischen hatten wir wieder fast 20 Kilometer auf dem Tacho. Und irgendwann tauchte sie dann in der Ferne auf – die Stuhlalm. Kleiner Fact am Rande: Auf dieser Alm wuchs der bekannte Skifahrer Marcel Hirscher in seiner Kindheit auf.

Wir wurden sofort herzlich von Tina und Stefan in Empfang genommen, welche seit 3 Jahren die Hütte hier oben leiten. Neben uns kamen auch noch zwei junge Frauen an, die am Tag drauf den Klettersteig am Dachsteingebirge laufen wollten. Aber – wir waren nicht alleine. Denn schon vorab wurden wir informiert, dass eine größere Gruppe noch für einen Junggesellenabschied eintreffen wird. Aus diesen Gründen wurden wir auch etwas separiert – die beiden Frauen bekamen das einzige „Doppelzimmer“, was mehr eine klitzekleine Kammer war, wir durften dafür in das Angestelltenzimmer mit richtigen (wenn auch sehr kurzen) Betten. Und die Lager wurden dann eben von der insgesamt sehr netten Herrengruppe belegt.

Während wir dann das Abendmahl genossen, kamen sie einer nach dem anderen den Berg  hinauf, bis am Ende 20 Mann oben waren. Es war schon vorher vereinbart, dass es nur bis 0 Uhr gehen soll, von daher hatten wir damit kein Problem, auch wenn die Hütten sehr hellhörig sind. Nun, was soll ich sagen – gegen 1 Uhr stand einer der Herren besoffen in unserem Zimmer und hat sein Bett gesucht. Nach kurzem Schock, fand er schnell den Weg wieder nach draußen.

Der eigentliche Höhepunkt war aber der Sonnenuntergang. Von der Stuhlalm sieht man komplett Richtung Westen und pünktlich kurz vor 21 Uhr bot sich ein spektakuläres Naturschauspiel, als der rote Feuerball zuerst noch über die Berge schwebte und dann langsam gen Horizont versank.

Heute morgen kam dann unser nächtlicher Besuch nochmal vorbei und entschuldigte sich, er war leicht desorientiert in der kleinen Hütte.

Wir gingen dann noch einmal komplett ins Tal herunter, nochmal gut 10km reiner Abstieg, wo wir den Tag und den Urlaub im Golling an der Salzach ausklingen lassen. Hotel mit richtigen Bett und die erste Dusche nach 3 Tagen sind halt auch geil. Und draußen geht die Welt unter mit schwerem Gewitter.

Damit endet der Trip ins Salzkammergut – 8 Tage zu Fuß durch die Berge, teilweise mit übelsten Wetter, aber auch mehrere sehr schöne Tage. Touren wie die Marathonetappe auf die Goiserer Hütte werden noch lange in Erinnerung bleiben. Nun heißt es einen Monat lang ausharren, dann geht’s in die Schweiz. Bis bald!

Himmelfahrtskommando mit Puddingbeinen

Die Tour vom Donnerstag – Packen wir die Details direkt auf den Tisch – 24 gelaufene Kilometer, dabei über 1.700 Höhenmeter Aufstieg und über 1.000 Höhenmeter Abstieg in neuneinhalb Stunden. Und das alles an einem Tag.

Sehr früh sollte es für uns auf der Blaa-Alm losgehen, Frühstück gegen 8 und dann Start. Doch hatten wir nicht mit dem reichhaltigen Buffet gerechnet, zudem gab es fünf Spiegeleier in einer Pfanne… Naja, fast schon zu viel gestärkt, begaben wir uns auf dem Weg. Und nach kurzer Zeit wurde es schon ungemütlicher – steil ging es im Wald hinauf, durch nächtliche Regenschauer waren die Wege sumpfig und verschlammt, Baumstämme lagen quer und zwangen uns, limboartig unter diesen hindurch zu balancieren.

Nach etwas über eine Stunde erreichten wir die Ausseer Sandlingalm, machten kurz Pause und dann ging es weiter. Wir waren schon gut durch, doch es ging weiter hoch. Vorbei an der Vorderen Sandlingalm hatten wir nun den namensgebenden und höchsten Berg der Ecke umrundet, den Sandling.

Nun gab es einige kleine Klettereinheiten, bis wir nach gut 2:15h die Lambacher Hütte erreichten, unser erstes kleines Zwischenziel. Diese war nicht bewirtschaftet, aber es gab Getränke mit Vertrauenskasse, die ich gern annahm und erstmal einen Liter Apfelschorle meine Kehle herunterspülte. Es war warm und durchaus anstrengend… hier trafen wir auch ein paar andere Wanderer, die uns in weiter Ferne zeigten, wo unsere Hütte steht, die wir irgendwie noch erreichen wollten.

So ging es jetzt auf den Weg nach unten… über 1.000 Höhenmeter am Stück sind einfach grundsätzlich der Horror, vor allem als wir noch auf einen extrem steilen Weg runter sind, der zudem noch wahnsinnig rutschig war. Wild fluchend stocherte ich mit meinen Stöcken in der Botanik herum, um hier nicht wegzurutschen und den Hang herunter zu purzeln. Sandra hüpfte dagegen wie ein junges Reh gen Tal…

Der Weg zog sich dann auch noch richtig… Feldwege, schließlich Asphalt, als wir die Vororte von Bad Goisern erreichten. Unten im Ort qualmten und komplett die Füße. Im Hofer, dem österreichischen Aldi, gab es schließlich noch ein Eis für die Motivation.

Nun motivierten wir uns gegenseitig, als wir im Ort nach 6 Stunden Laufzeit eine Pause machten. Sandra besorgte noch Wasser in einem kleinen Laden und dann ging es hoch. Ausgeschrieben mit 3,5 Stunden waren wir uns nicht sicher, wie lange wir brauchen. Aber wir gingen dieses Himmelfahrtskommando zusammen an.

Zuerst über unfassbar anstrengende Straßen, dann lange Forstwege… der Anfang war wirklich übel und schwer für den eigenen Schweinehund. Natürlich fing es dann noch an kurz zu regnen, also Regenzeug raus… und immer weiter kurbelten wir unsere Waden nach oben. Irgendwann waren wir auf 1000 Meter angekommen, doch noch immer mussten wir 600 Meter nach oben. Man muss nicht lügen – es war hart. Jede Faser im Körper schmerzte, die Beine weich wie Pudding und bei jedem größeren Schritt nach oben hoffte man, dass die Muskeln halten werden.

Unten im Tal wurde es nun schwarz, während über uns die Sonne schien, ein Regenbogen direkt vor uns im Wald war zum Greifen nahe. Die Zeit verflog, aber so flogen auch wir konstant und stetig immer weiter Richtung Hütte, inzwischen von Millionen Fliegen verfolgt. Die letzten Minuten sind einfach nur noch purer Kampf. Jeder Schritt schmerzt, aber als schließlich die Hüttenfahne sichtbar ist, verfliegt jeder Schmerz kurzfristig.

Als wir zur Hütte einbiegen, werden wir schon von den Hüttenleuten winkend begrüßt. Wir sind die einzigen Gäste und da wir recht spät eintreffen, wird für uns noch extra gekocht. Es ist ein Traum da oben – die Sicht quasi 360 Grad auf die umliegenden Bergwelten, das Gefühl im Körper, etwas Großes geschafft zu haben. Wir sind ziemlich fertig, müssen uns richtig zwingen, das Essen herunter zu bekommen, so lecker es auch ist.

Irgendwann geht es dann in die Federn, wir haben das Lager für uns alleine – zum Glück, denn es ist kaum vorstellbar, wie es hier ist mit 8 Leuten zu liegen. Aber egal – wir beenden den Tag mit Stolz.

Hüttenwirt sucht Frau

Frühstück um 9 ist auf Wandertouren ein richtiger Luxus. Kaum Stress, einfach mal gediegen in den Tag starten. Das erste Mal sogar Rührei. So kann das ganze ja nur gut werden. Durch die wetterbedingten Verschiebungen sind wir nur knapp 1,5h von unserem Zielort entfernt. Aber es wäre ja keine richtige Wandertour, wenn man einfach den schnellsten Weg von A nach B nehmen würde. Es ist ja viel schöner, einfach den steil aufragenden Berg direkt vor einem hochzulatschen, auf der Hütte da oben einzukehren und auf der anderen Seite steil wieder runter zu gehen. Das klingt nach einem Plan – also machen wir das auch.

So starten wir spät (und ziemlich vollgefressen vom Frühstück) auf den Wanderweg von Altaussee hinauf zur Loserhütte. Kurzes Startselfie am See, dann geht’s auch direkt in den Anstieg. Dieser ist zwar gut steil, aber ganz gleichmäßig zu laufen. Konstant schleppen wir uns nach oben, ab und zu wird der Blick auf die umliegende Landschaft frei.

Es ist warm, wir freuen uns natürlich, sind aber auch nicht so traurig, dass der steile Weg nach oben durch den Wald geht. Zwischendurch wechselt das Wetter aber fix, es regnet für ein paar Minuten, kurz wird es sehr windig, um danach wieder sonnig zu sein. Im oberen Teil des Anstiegs wird es felsiger, einen Steilhang erklettern wir quasi, mit Unterstützung der Hände geht es nach oben.

Zum Schluss quälen wir uns noch über eine dämliche Straße (hier kann man halt auch hochfahren), ignorieren einen Abzweig (das war sehr dämlich) und laufen daher unnötigerweise 15 Minuten auf Asphalt den Berg noch hoch. Naja… am Ende trotzdem in guter Zeit und Verfassung oben angekommen. Auf der Loserhütte genießen wir die grandiose Aussicht und freuen uns, dass wir nun das allererste Mal von einer Hütte mal was sehen. Die vorherigen Tage nur Nebel, Regen, der ganze Mist. Rennt man 2-3 Stunden den Berg hoch und es ist alles grau… doch heute ist es anders. Wir genießen unser Radler und freuen uns des Lebens.

Wir kommen noch mit den Wirtsleuten ins Gespräch, insbesondere mein großer Rucksack sorgt bei einigen für Redebedarf – wo kommts her, wo wollts hin? Der Hüttenwirt bringt uns dann komplett zum Lachen, als er meinte, dass Sandra die Frauen aus Leipzig grüßen soll unter dem Motto: „Hüttenwirt sucht Frau“. Also meine lieben Leserinnen, die Aussicht hier oben ist echt toll, vielleicht ist das ja was für euch (und wer nicht wandern will, mit Auto, Bus oder Heli ist die Hütte mit Wirt auch erreichbar).

Wir machen uns dann wieder in die Spur, passieren die große Baustelle der Loser-Seilbahn und laufen für kurze Zeit sehr gediegen am Hang entlang, bevor es dann steil in den Abstieg ging. Der Weg durch den Wald ist aber traumhaft – ein sehr gut hergerichter Waldpfad, immer gut zu laufen. Durchgehend hören wir von oben den Lärm vom Hubschrauber und überlegen, ob da jemand gesucht wurde. Aber irgendwie dauerte dies sehr lange… Im Tal haben wir dann gesehen, dass hier mit dem Heli die Baumstämme von den Bergen transportiert werden.

So erreichen wir gegen halb 4 die wunderschöne Blaa-Alm, die auch sehr gut frequentiert ist. Die Hütte liegt am Ende einer Sackgasse, umgeben von Bergen. Mit sehr gutem Essen endet der Abend, bei dem wir – nun bereits zum dritten Mal – die einzigen Übernachtungsgäste sind. Man merkt, dass die Saison hier noch komplett am Anfang ist.

Mit dem Hugo in der Hand bleiben wir doch lieber am Strand

Wer hätte am Anfang des Tages ahnen können, dass weder das nassmiese Wetter oben auf der Tauplitzalm, weder der krass steile Abstieg durch den tropischen Wald, weder die überaus heikle Überquerung eines reißenden Baches auf einem völlig lockeren schmalen Holzbrett und auch nicht der eigentlich gesperrte Weg aufgrund von Sturmschäden (den wir trotzdem liefen) heute der größte Gegner von uns sein wird. Nein, es war der Moment, als wir beide auf der Sonnenterasse am Grundlsee saßen und den ersten Hugo in die Hand nahmen. Ab da war unser Schicksal klar – wir gehen nicht dem Berg hoch, sondern genießen die ersten schönen Sonnenstrahlen mit Blick über den See und lassen das Wandern auch mal Wandern sein.

Dabei begann der Tag ganz anders, als er endete. Gegen 7 schon raus aus dem Bett, zeitiges Frühstück, da wir diesmal auch so früh wie möglich loswandern wollten – stand ja eine lange Tour auf dem Plan. Im tiefsten Nebel verließen wir das Linzerhaus auf der Tauplitzalm und tauchten in die Suppe ein.

Im Nebel erspähten wir sehr nah eine grasende Gams, die sich von uns auch nicht stören ließ. Die Wege wurden schlammiger, teilweise auch komplett von den Bächen überspült. Trockene Füße waren schnell passe… aber noch ging das alles gut zu laufen und die Stimmung da oben war grandios.

Wandertechnisch war es aber noch alles einfach, das änderte sich dann nach gut 45 Minuten, als wir den Abstieg vom Öderntörl in Angriff nahmen. Auf dem Profil war schon erkennbar, dass es nun sehr steil nach unten ging und wir wurden nicht enttäuscht. Eingebettet in einen mystischen Wald schlängelte sich der schmale Wald sehr steil über viele Kehren am Berghang hinunter. Teilweise war es sehr rutschig, jeder Schritt musste sitzen und immer wieder geschaut werden, ob man nicht über Laub, Wurzeln, Schlamm wegrutschen kann.

Aber wir kamen sehr gut voran und erreichten fix die letzte Hürde des Abstiegs – die Querung des reißenden Bachs. Im Normalfall sollte das keine Probleme geben, doch durch die starken Regenfälle der letzten Tage war der Bach zu einem reißenden Strom geworden. Das Drüberkommen gestaltete sich ziemlich schwierig – Optionen wurden abgewägt. Schuhe aus und durch den Bach durch? Eher ungünstig, da man so sehr schnell auf den glatten Steinen ausrutschen kann. Eine ganz schmale Holzlatte lag da, bot aber fast überhaupt keinen Halt und wurde auch durchweg überspielt. Dennoch probierten wir es darüber. Mit den Wanderstöcken gab es wenigstens etwas Halt und so kamen wir drüber. Muss man auch nicht alle Tage haben.

Weiter ging es zur aktuell noch verlassenen Ödernalm in einem wunderschönen und einsamen Tal. Von hier marschierten wir über einen breiten Forstweg mehrere Kilometer weiter, war auch mal ganz angenehm ohne irgendwelche Schwierigkeiten.

Unser Weg führte nun wieder bergauf zur Schneckenalm. An einem Baum war noch ein Hinweisschild befestigt, dass der Weg aufgrund von Sturmschäden gesperrt sei, aber statt umzukehren gingen wir doch weiter, da es auch keine Alternative für den heutigen Tag gab. Wollten wir unser Ziel erreichen, mussten wir da lang. Und wir sahen am Wegesrand auch schon, dass die Forstarbeiten im Gang waren, große entwurzelte Bäume waren schon zur Seite geräumt wurden. Zwei Wanderer kamen uns entgegen, die berichteten, dass der Weg frei sei und oben die Forstarbeiter die Leute auch durchlassen. So ging es kurz etwas steil hinauf und wir waren bei der Schneckenalm.

Nun hieß es wieder absteigen, bis dann der lange Schlussanstieg auf uns warten sollte. Und dann passierte etwas, worauf wir seit 4 Tagen gewartet hatten – die Sonne kam raus. Nicht nur ganz kurz, sondern richtig. Und wie sehr freute uns das nach dem Mistwetter der letzten Tage. Die Stimmung erreichte ungeahnte Höhen.

Und als wir unten am See ankamen, wurden wir richtig euphorisch. Blauer Himmel, Wärme, ein wundervoller See direkt vor uns. Kurz wollten wir uns auf eine Bank direkt am See setzen, um das zu genießen. Naja… und dann gingen die Gedanken los. Wir hätten noch gut 3 – 3,5 Stunden Aufstieg vor uns gehabt. Das wäre wohl gar nicht das große Thema gewesen, wir hätten das geschafft. Aber morgen hätten wir den gleichen Weg wieder zurücklaufen müssen, da der angedachte Weg über die Berge wegen Schnee noch nicht machbar gewesen wäre. Also quasi hin, um dann wieder runter zu gehen. Nun… die Alternative, erstmal hier zu  bleiben, wurde immer attraktiver. Wir steckten die Füße in das kalte Wasser, ein wunderbares Gefühl. Und dann war natürlich ausgerechnet noch ein Restaurant direkt daneben und so ganz spontan saßen wir da plötzlich und hatten jeder einen Hugo in der Hand. Da kann man dann auch nix machen…

Schließlich kam noch der zweite Hugo und der Plan war klar. Neue Übernachtung wurde gesucht, Hütte storniert und wir blieben unten im Tal. Aber ein paar Meter waren wir noch unterwegs und so statteten wir dem Toplitzsee (hier gab es lange Gerüchte, dass die Nazis zum Kriegsende Gold versenkt hatten) noch einen Besuch ab.

Weiter ging es dann noch per Schiff über den Grundlsee und mit Bus nach Altaussee, wo wir noch ein Zimmer in einem Gasthof bekommen haben. Von hier können wir dann direkt weiter zur nächsten Station.

Es gibt eigentlich kein schlechtes Wetter… doch, gibt es!

Eigentlich hätte es ja heute die dritte Etappe von der Hochmölbinghütte auf die Tauplitzalm geben sollen. Viele Stunden durch eine wunderschöne Bergwelt des Toten Gebirges. Und stattdessen – langer Abstieg über eine Skipiste, mehrere Busfahrten und stundenlanger immer stärker werdender Dauerregen. Dreckswetter, im wahrsten Sinne des Wortes, welches uns den heutigen Wandertag leider geraubt hat. Aber der Reihe nach.

Morgens starteten wir von der Wurzeralm, auf der wir als einzige Gäste genächtigt hatten. Heute waren wieder Regenschauer en masse angesagt, so dass wir geplant hatten, unseren Zielort mit dem Bus zu erreichen. Dafür mussten wir aber erstmal ins Tal absteigen. Normalerweise würde da auch eine Standseilbahn fahren, aber halt nicht am Montag. So „durften“ wir dann den Skihang runterlaufen… wie immer ist das wirklich nicht schön, da steil und einfach auch langweilig. Aber dafür war der Start oben noch sehr interessant, Nebelschwaden umhüllten die umliegende Bergwelt.

Dann ging es hinunter, zuerst in tiefem Nebel, was dann doch etwas gespenstisch aussah. So stapften wir runter, geiferten uns gegenseitig ein wenig an, wie beschissen sich das laufen lässt und das berghoch gehen doch tausendmal schöner ist.

Unten gelangten wir nun zur Talstation der Wurzeralm, aktuell ein kleines Geisterdorf, die Sportläden verlassen, der große Parkplatz verwaist. Nun begann unsere Sightseeing-Tour mit vier verschiedenen Bussen der österreichischen Verkehrsgesellschaften, während es draußen nun richtig anfing zu gießen. Über Liezen und Stainach gelangten wir nach Thörl, wo wir im strömenden Regen uns im Almbus nach oben auf die Tauplitzalm fahren ließen. Natürlich waren wir die einzigen Gäste auf diesem Weg, kein normaler Mensch wollte bei dem Wetter noch auf den Berg.

Während wir nach oben fuhren, wurde der Regen draußen immer stärker. Sintflutartig bildeten sich kleine Wasserfälle auf dem Asphalt. Nun standen wir noch vor einem weiteren Problem – denn von der Bushaltestelle auf der Tauplitzalm mussten wir noch gut 50 Minuten zu unserer Hütte laufen. Wir wussten beide, dass wir schon nach wenigen Minuten komplett durch gewesen wären. Doch aus eigenem Bestreben fragte uns der Busfahrer, wo wir hinmüssen und brachte uns bis vor die Tür des Linzerhaus auf der Tauplitzalm.

Im Haus lernten wir gleich die Hüttenwirte kennen, die seit vier Jahren hier oben sind und ursprünglich aus Zwigge (für Nicht-Sachsen: Zwickau) kommen. Die Sachsen finden sich eben überall. Im übrigen sind wir auch wieder die einzigen Gäste für diese Nacht. Nachdem wir noch etwas Zeit hatten und der Regen etwas weniger wurde (dachten wir), gingen wir nochmal eine Runde – und die war fantastisch, wenn auch nass, da es natürlich sofort wieder richtig anfing zu regnen, als wir draußen waren.

Unser Ziel für die Runde war der Steirersee, der in einer Senke vor den umliegenden Bergen liegt. Sieht bei Sonne sicherlich noch fantastischer aus, aber auch bei Regen und tiefstehenden Wolken übt dieser Ort eine besondere Magie aus.

So ging es dann wieder zurück zur Hütte – wo es dann plötzlich aufhörte zu regnen. Nun hoffen wir, dass wir ab morgen wieder im Trockenen unterwegs sein werden. Das Wetter soll besser werden, wenn auch noch etwas wechselhaft. Morgen haben wir eine lange Tour vor uns – über 22 Kilometer, erstmal 1000 Höhenmeter runter und danach wieder rauf. Regen ist unerwünscht.

Hin und zurück zur Wurzeralm

Der erste Blick morgens aus dem Fenster zeigt uns tiefen Nebel. In der Nacht hatte es nochmal richtig geschüttet, aber nun ist es wenigstens von oben trockener. Wir quälen uns das Frühstück hinein – auf den Hütten ist das jetzt meistens kein Gourmetmenü, statt frischem Rührei gibt es hartes Schwarzbrot und Butter. Dafür schmeckt der Kaffee und gegen halb 10 starten wir in den Nebel. Die Nacht war nicht wirklich gut, ist es doch immer am Anfang etwas ungewohnt, im Schlafsack in der beengten Umgebung Ruhe zu finden. Die Hütten sind hellhörig, wenn jemand die Treppen läuft, bekommt das auch jeder mit.

Als erstes ging es auf einem wunderschönen Weg am Berghang entlang. Richtig mystisch in den Nebel hinein, schlängelt sich der gute Weg – trotz einiger sehr rutschiger Wurzeln und Felsen – durch den Wald. Es ist herrlich grün und wir sehen innerhalb kürzester Zeit 7 Alpensalamander, die auf dem Weg verharren.

Doch das bleiben nicht die einzigen Tiere, die wir sehen – eine Ricke mit ihrem Kitz grast etwas entfernt, als sie uns erblickt, flüchtet sie kurz, während das kleine im Gras liegen bleibt. Kurze Zeit später rennen zwei Gämse durch den Wald. Man fühlt sich wie im Wildpark. Der Weg bleibt wunderschön, gelbe Blümchen säumen den Waldboden.

Als es schließlich auf den kleinen Sattel, also den höchsten Punkt des Weges geht, zieht der Nebel richtig rein und wir schauen quasi ins Nichts. Hier treffen wir nun auch einige andere Wanderer, welche von der nahegelegenen Wurzeralm hochgekommen sind, auf welche auch eine Seilbahn aus dem Tal führt. Auch wenn es bis dahin nicht geregnet hat, sind wir trotzdem komplett durch, denn die Luftfeuchtigkeit im Wald ist extrem hoch…

Auf dem Weg nach unten treffen wir ein Wanderpärchen, wir kommen kurz ins Gespräch. Diese sind bereits seit einer Woche unterwegs und haben damit quasi durchgängig den Dauerregen gehabt, in höheren Gefilden sogar Schnee. Jedenfalls stocken sie etwas, als sie hören, wo wir heute hin wollen, denn sie hätten allein für den Abschnitt ab der Wurzeralm (wovon wir noch eine Stunde entfernt waren) insgesamt 7 Stunden gebraucht. Inklusive Querungen von zahlreichen Altschneefeldern, welche zwar nicht am Steilhang sind, aber dafür sehr weich und man damit auch tief einsinkt. Genau die News, die man so hören will. Naja, wir hatten uns sowieso vereinbart, dass wir an der Wurzeralm schauen werden, wie es weitergeht, also erstmal da runter.

Dort angekommen werden wir von den netten Hüttenleuten des Linzerhaus begrüßt, wir trinken auf der Terrasse erstmal zwei Cappuccino und überlegen nun unseren Plan. Inzwischen war es nun auch schon nach 12 Uhr. Wir sprechen kurz mit den Wirten, sie geben uns so 5-6 Stunden Zeit für den nächsten Abschnitt bis zur Hochmölbinghütte. Nun gut, wir beschließen den Aufbruch, aber nicht ohne uns abzusichern, dass wir im Fall der Fälle zurückkommen können. Als wir das Almgelände verlassen, gehen wir diverse kleine Stege, teils sehr rutschig, aber auch gut morsch. Und dann macht es auf einmal Knacks… und unter mir bricht eine der Holzlatten durch 😀

Nun geht es zuerst über einen steilen Hang hinauf, der im Winter auch als Skiabfahrt genutzt wird. Breiter Weg, aber nicht schön zu laufen und gut steil. Doch dann zweigt es ab und wir steuern direkt in den Wald hinein, der hier nun ganz anders ausschaut, als noch auf der anderen Seite des Gebirges (inzwischen sind wir auf der Südseite des Toten Gebirges). Felsformationen in allen Facetten erstrecken sich über den Boden, es ist ein klassisches Karstgelände – spannend anzuschauen, aber mitunter sehr schwer zu laufen und heute eben stellenweise noch sehr glatt.

Der Weg ist insgesamt sehr beschwerlich, wir kommen nicht schnell vorwärts. Ständiges Schauen, wo man hin treten muss. Grundsätzlich ist er grandios angelegt, aber bei Nässe besteht ständig die Gefahr des Wegrutschens. Auf einer Lichtung lassen wir uns kurz nieder und genießen kurz die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Inzwischen mussten wir auch schon die ersten Schneefelder umkreisen. Ein Blick auf die Uhr verließ nix gutes – es war inzwischen weit nach 14 Uhr und wir hatten vielleicht ein Drittel oder Viertel des Weges geschafft. Bedeutet also, dass wir noch mindestens 5 oder 6 Stunden gebraucht hätten… und das hätte jetzt nicht unbedingt Spaß gemacht, da es zudem auch unterwegs absolut keine andere Alternative gegeben hätte, auch keinen Abstieg ins Tal oder irgendeine Hütte unterwegs. So gab es eine kurze Abstimmung und wir gingen zurück – auch wenn Sandra es wohl alleine geschafft hätte, aber hier oben arbeitet man eben im Team. Immerhin hatten wir uns ja unsere „Mittagshütte“ als Backup schon gesichert.

So ging es also den eben absolvierten Weg wieder zurück – nicht besonders spannend, aber immerhin wusste man, dass man da auch ankommt. Gegen halb 5 erreichten wir dann wieder die Wurzeralm und begegneten dann doch etwas überraschten Hüttenwirten, die gar nicht mehr mit uns gerechnet hatten. Wir sind nun die einzigen Gäste des Hauses, es wurde extra noch für uns gekocht (sehr gute Käsespätzle).

So genießen wir den Abend hier in Ruhe und machen uns Gedanken über den morgigen Tag. Denn hier soll es richtig böse schütten, dazu Sturmböen, ggfls. Gewitter. Wir müssen sowieso absteigen und dann wahrscheinlich mit dem Bus fahren, so dass wir den Weg zu unseren nächsten Hütte auf der Tauplitzalm abkürzen können.

Schlammschlacht im Toten Gebirge

Als ich am Freitag Nachmittag Murnau verlasse, regnet es. In München treffe ich mich mit Sandra, es regnet. Weiter geht’s per Zug nach Salzburg, als wir ankommen, regnet es. Heute morgen geht’s nochmal zum Zug, wir fahren noch gut 3h weiter östlich von Salzburg, währenddessen regnet es natürlich. Als wir dann heute Mittag dann endlich unsere Tour im kleinen Ort Spital am Pyhrn ankommen – ihr werdet überrascht sein, auch da regnet es. Nun denn, unserer Laune tut es erstmal keinen Abbruch.

Im Regen marschieren wir erstmal durchs Dorf, wo es anscheinend an diesem Wochenende noch eine Riesenfete gibt. Wir können leider nicht teilnehmen, da wir andere Pläne haben, aber wir wünschen Renate dennoch alles Gute zum 60.!

Nachdem wir die Pyhrn-Autobahn via Fußgängerbrücke überquert haben, ging es nun richtig in die Natur und richtig los. Steil stieg der Weg am Berghang an, mit ruhig Eingrooven war das nix, volle Power die ersten 200 Höhenmeter hinauf.

Es war sicherlich nicht überraschend, dass wir die erste Zeit komplett alleine unterwegs waren. Wer geht schon bei dem Dreckswetter freiwillig wandern? So zogen wir allein über den Weg, bis urplötzlich ein kleines Geschöpf vor uns auftauchte – ein Feuersalamander.

Nun ging es gemächlich weiter durch den Wald, bis wir am Gleiknersee ankamen. Theoretisch ein wunderschöner Badesee mit Liegewiese und Biergarten, heute eher gespenstisch mit tiefstehenden Wolken in den dahinter liegenden Bergen.

Nach 2 Stunden Dauernässe verzogen wir uns auf eine kleine überdachte Bank und genossen kurz den wundervollen Blick. Doch lange ausruhen war nicht drin, wurde es doch zum einen sehr schnell kühl und zum anderen quarzte der ältere Herr auf der Bank neben uns gefühlt eine halbe Schachtel Kippen auf einmal…

Nun also wieder ab in den Regen und die Schilder mit unserem heutigen Ziel waren dann auch schon zu sehen – die Dümlerhütte. Gut 2 Stunden Aufstieg standen uns nun bevor.

Ging es am Anfang noch über einen kleinen Pfad mit vielen Wurzeln nach oben, änderte sich schnell die Beschaffenheit des Weges – und leider nicht zum Guten. Quasi senkrecht den steilen Hang herauf ging es nun weiter, dazu wurde es sehr schlamig und rutschig. Definitiv kein schöner Abschnitt und sehr beschwerlich zu laufen. Dazu regnete es natürlich weiter, aber das muss ich wohl nicht mehr ausführen.

Ständig mussten wir schauen, wo wir überhaupt lang konnten, dazu war auch immer wieder das Gleichgewicht gefragt, um nicht rückwärts den steilen Hang wieder herunter zu rutschen. So kämpften wir uns bei diesem Sauwetter durch den Schlamm immer weiter nach oben, erklommen Meter um Meter und schlängelten uns diese Bergwand hinauf. Pause machen ging nicht mehr, also einfach weiter.

Nun wurde es nicht nur schlammig, sondern durch nasse Wurzeln und Steine auch noch extrem rutschig. Während auf der einen Seite der Berghang steil abfiel, tänzelten wir wie zwei russische Ballerinas über den schmalen Pfad, darauf bedacht, dass jeder Schritt sitzen muss und Fehler oder falsche Tritte böse bestraft werden würden. Das ist dann nicht nur körperlich anstrengend, sondern über die Dauer auch geistig. Man ist ständig hochkonzentriert, schaut, wo man hinlaufen kann, wo man sich festhalten muss.

Als wir das Ende der Steilwand erreichen, freuen wir uns sehr, hofften wir doch, dass wir nun das schlimmste Stück hinter uns hatten. Doch noch immer sind mehrere hundert Höhenmeter vor uns und so langsam merken wir die bisherige Anstrengung. Die Schritte sind nicht mehr so schnell, die Beine wie Blei, die Kraft wird weniger. Und dazu regnet es natürlich immer weiter…

Stimmung im Anstieg

Aber gegenseitig können wir uns motivieren und so zogen wir noch die letzten Meter hinauf in den Nebel und erreichten nach 16 Uhr die Dümlerhütte – natürlich weiterhin im Regen.

Hier haben wir ein kleines Zimmer für uns, genießen warme Duschen, mehrere Radler und ein gutes Abendessen. Als Belohnung gönnen wir uns noch die beiden kleinen Flaschen Berliner Luft, die Sandra aus Leipzig mitgebracht hat. Am Ende sind wir über 1.300 Höhenmeter heute aufgestiegen, man merkt es auch, wir sind schnell müde und gähnen seit dem Abendessen schon rum. Mal schauen, was Petrus morgen sagt – wir hoffen auf Wetterbesserung. Aktuell regnet es übrigens immer noch…

Im Regen auf nach Österreich

Es dürfte eins der schönsten Gefühle überhaupt sein – das Aktivieren der Abwesenheitsnotiz im Outlook. Signalisiert es doch klar: Ich habe fertig, ab jetzt ist erstmal Sendepause und bei Fragen wenden sie sich vertrauensvoll an unser Postfach. Nun war es am Mittwoch mal wieder soweit und der erste „richtige“ Urlaub seit der Pyrenäen/Sardinien-Odysee steht nun auf dem Programm. Klar, paar Ausflüge gab es ja zwischendurch, aber 9 Tage unterwegs ist halt doch mal wieder was anderes.

Dank einer der zahlreichen Feiertage in Bayern, deren Hintergrund mir natürlich völlig unklar ist, gab es nun noch einen kompletten freien Vorbereitungstag. Die letzten Sachen waschen, alles schon mal rauslegen, inzwischen komplette Routine. Gut, ein wenig Anpassung ist auch diesmal dabei, denn Petrus schickt aktuell dicke Regenwolken über die Alpen, die noch ein paar Tage bleiben sollen. Am Ende ist es eh egal, was man anzieht, man wird sowieso nass. Aber trocknen muss das Zeug dann eben fix. Erfahrungsgemäß haben dabei die Socken die größten Probleme, also eben da bissel mehr einpacken.

Was ist überhaupt geplant? Ich bin diesmal nicht allein unterwegs, endlich begleitet mich mal wieder Sandra. Ein eingespieltes Team, welches schon Albanien überlebt hat. Da es aufgrund der unterschiedlichen Urlaubsgrundsätze („Wann kannst du Urlaub machen?“, „Nee, da kann ich nicht“) sehr schwierig war, überhaupt ein Zeitfenster zu finden, begeben wir uns nun Anfang Juni auf Tour. Eine Zeit, in der quasi alle Berghütten sich noch im Winterschlaf befinden und die hohen Übergänge zugeschneit sind. Doch gibt es tatsächlich eine Region, wo die Wandersaison schon begonnen hat – das Salzkammergut.

Sandra’s erste Reaktion darauf, als ich dies vorschlug: „Da sind doch nur Rentner und E-Bike-Fahrer. Meine Großeltern waren da auch schon“. Angespornt von solch euphorischen Kommentaren hab ich mich dann mal wieder an meine Karte gesetzt und getüftelt. Hütten gesucht, Öffnungszeiten gecheckt, Höhenprofile studiert. Und eine Tour entworfen, die uns hoffentlich weit weg von den normalen Touristen bringt (gut, bei Dauerregen werden wir sowieso die einzigen Bekloppten unterwegs sein). Angefangen ganz im Osten des Toten Gebirges starten wir am Samstag in Spital am Pyhrn und gehen dann über eine Woche immer weiter nach Westen, bis wir hoffentlich in Pfarrwerfen rauskommen. Übernachtet wird ausschließlich in Hütten und Almen, kein Hotel, kein Sightseeing mit tausenden Touris in Hallstatt, keine Seilbahnen. So ist der Plan. Und es wird straff, lange Etappen mit vielen Höhenmetern. Ob alles so klappt, steht noch in den Sternen. Wer weiß, ob der Regen noch was verändert, wie viel Schnee noch oben liegt. Wahrscheinlich wird etwas Improvisationstalent gefragt sein. Aber das soll uns auch nicht stören.

Gern nehme ich euch die kommende Woche wieder mit auf Tour und berichte über den täglichen Wahnsinn in den Bergen. Nachher geht’s erstmal nach Salzburg.