Abend am Atlantik

Bonsoir aus Hendaye! Nun bin ich endlich in der südwestlichsten Stadt Frankreichs angekommen. Problemlos war das nicht, aber am Ende zählt, dass ich hier nun den Startpunkt meiner Reise erreicht habe.

Gestern abend ging es nach geschaffter Arbeit (ich denke an euch, liebe Kolleg*innen!) noch via Zug von Murnau über München zum Flughafen Frankfurt. Doch schon die erste Verbindung klappte nicht, da die Züge aus Südbayern momentan eher einer gemütlichen Ausflugslok gleichen – und da wartet dann auch kein ICE. Naja, dann eben den Zug später nehmen und gegen 10 war ich dann endlich da. Checkin im Best Western, schlafen und morgens um 6 wieder raus, ab zum Frühstück. Kurzer Weg zum Flughafen, wo man mich nach dem ersten Warten an der  Gepäckabgabe zum Sperrgepäck schickten. Eine Diskussion bzgl. Ultraleicht-Trekking und das der doch klein ist, hatte leider keine Aussicht auf Erfolg.

Mit etwas Verzögerung (vormittags zogen Gewitter über Frankfurt) ging es dann gechillt nach Bordeaux. Notausgang, Nebensitz frei – da freuen sich die Beine. Auch mein Rucksack landete mit mir in Bordeaux, jetzt hieß es etwas Beeilung, da es noch zum Hauptbahnhof gehen musste. Der überall angepriesene Flughafenshuttle entpuppte sich als Luftnummer, 45min Warten waren dann eher ein schlechter Witz. Also ins Taxi, denn der TGV nach Hendaye wartet… dachte ich. Denn wie ich am Bahnhof feststellen musste, war der Zug gerade eben erst in Paris abgefahren. 2 Stunden Verspätung – ein Fest!

Irgendwie Zeit totschlagen und schließlich war es dann viertel fünf und ich konnte im Zug Platz nehmen. Im Gegensatz zur DB, bei denen gefühlt keine Klimaanlage existiert, haben die Franzosen die Taktik, die Züge in fahrende Kühlschränke zu verwandeln. Draußen 25 Grad… und drin musste ich die Jacke anziehen. Kurz vor 7 dann die Erlösung und Hendaye war erreicht. Anscheinend ist da aber noch niemand aufgefallen, dass der Zug zu lang für den Bahnhof ist… so musste mein Waggon außerhalb aussteigen und erstmal schön nen halben Meter ins Kiesbett springen.

Als gute Vorbereitung bin ich die 35min zum Hotel noch gelaufen und habe erste Eindrücke gesammelt. Schon schön hier. Im Hotel ergaben sich dann die direkt die ersten großen Sprachhürden. Meine Hoffnung, dass man mit Englisch gut klarkommt, zerschlugen sich direkt. Die gute Dame vom Hotel hätte noch Spanisch im Angebot gehabt… das kann ich noch weniger. Es folgte ein sehr unterhaltsames Gespräch, in dem sie mir sehr langsam mit den wohl einfachsten Worten versuchte was zu erklären. Muss schon verzweifelnd sein, wenn man „Möchten Sie Frühstück?“ in Zeitlupe aufsagt und dann einfach nur in meine toten Augen blickt, der kaum was verstanden. Also ich hoffe, ich habe jetzt morgen Frühstück. Oder ich hab was anderes bestellt 😀

Nach einer Stärkung ging es natürlich noch zum Strand an den Atlantik. Und als hätte ich es bestellt, erwartete mich direkt der Sonnenuntergang. Wow, unbeschreiblich. Mehr muss man nicht dazu sagen, es ist ein sensationeller Anblick hier.

Und direkt am Strand hängt auch eine Infotafel über den GR10, also den französischen Teil des Weges, den ich laufen werden. Man könnte sich keinen schöneren Startpunkt einfallen. Als ich vor ein paar Jahren den Rennsteig gelaufen bin, musste man zum Startpunkt in den Hinterhof einer Kneipe… und hier eröffnet der Ozean die Wanderung. Irgendwie ist das schon traurig, dass ich jetzt erstmal quasi einen Monat vom Meer weglaufe. Nun denn – morgen geht’s los, daher frühzeitige Nachtruhe. Bonne nuit.

„Ultraleicht“ in das Abenteuer Pyrenäen

Geschafft – sämtliche Vorbereitungen sind vorbei. Es geht los. Ein halbes Jahr Planung finden nun ein Ende. 8 Wochen frei, 8 Wochen Zeit, um die Pyrenäen zu durchqueren. Dass man so ein Vorhaben eher nicht spontan angeht, sondern gewisse Vorkehrungen getroffen werden, dürfte logisch sein. Vor allem bei mir, der sich gern jeden einzelnen Berg schon vorher anschaut, um abzuwägen, wo man am besten hoch gehen kann. Nun – das war jetzt nicht so möglich, aber eine gewisse Grundplanung, wo der Weg langführen sollte, musste sein und so habe ich nun die ersten 1,5 Wochen soweit fixiert.

Der größte Punkt in der Planung betraf aber das Equipment. Denn schnell war klar, dass es nicht wie in den Alpen auf ausschließliche Hüttenübernachtungen hinausläuft, sondern auch durch spontane Entscheindungen eine Möglichkeit da sein muss, irgendwo zu nächtigen. Also muss ein Zelt mit. Und damit auch eine Iso-Matte, ein guter Schlafsack. Alles ja grundsätzlich kein Problem, aber es muss halt alles jeden Meter mitgeschleppt werden. Und wer schon mal so unterwegs war, weiß, dass man jedes Kilo auf dem Rücken spürt. Also muss es so leicht wie möglich sein. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie um das sogenannte Ultraleicht-Trekking gebildet und bringt immer besseres und leichteres Equipment heraus.

So wurde ich auch da fündig. Man greift zwar ordentlich tief in die Tasche, aber ich werde sicherlich bei jedem Anstieg dankbar sein, dass ich das leichteste Zeug mitgenommen habe. Mein kleines Zelt reicht genau für eine Person, wird durch meine Wanderstöcke gehalten (es gibt kein extra Gestänge) und wiegt gerade mal 600 Gramm. Die Iso-Matte gerade mal 300g… es ist schon Wahnsinn, wie leicht und klein das alles ist. Hoffen wir mal, dass es hält 😀.

Neben den „großen“ Gepäckstücken wurde auch alles andere auf den Prüfstand gestellt. Großes Microfaser-Handtuch? Reicht auch zwei Nummern kleiner, spart 200g. Dicker Pulli? Eine weitere Jacke reicht auch, ziehe ich im Zweifel halt 2 an, spart wieder 150g. Und so ging es bei jedem einzelnen Gepäckstück weiter. Sogar der Rucksack wurde ausgetauscht. Das alte Deuter-Schlachtross muss nun einem ähnlich großen Exped weichen und spart mit allein fast 1,5kg. Alles wurde auf den Prüfstand gestellt. Die Technik auf das Minimum (Handy, Uhr, Kindle) abgespeckt. Einzig und allein meine elektrische Zahnbürste ist mein Luxusutensil, was zwingend mitmuss und sicherlich wieder von Mitwanderern komisch beäugt wird. Aber da gibt es keine Kompromisse.

Mehr braucht man nicht für 8 Wochen

Und so füllte sich heute der Rucksack, bis es am Ende auf die Waage ging. Vollgepackt mit 2,5l Wasser zeigt es 16 Kilogramm an. Mir sind fast die Freudentränen über die Wange geglitten. So leicht war das noch nie. Und das merkt man auch, dass es keine absolute Qual ist, das Ding hochzuheben. Ich bin sehr zufrieden – damit lässt sich arbeiten 😀. Richtige Ultraleicht-Fanatiker lachen darüber, die sind mit der Hälfte unterwegs. Aber die hängen auch die einzige Wechselbuchse, die sie haben, unterwegs an den Rucksack, damit diese am nächsten Tag wieder verwendbar ist. Ja, nee… muss auch nicht sein. Bissel Mensch will man ja doch bleiben.

Wartend auf den Zug…

So wie es die Deutsche Bahn will, geht es heute noch zum Frankfurter Flughafen ins Hotel. Und morgen heißt es dann Bonjour et Salut! Den Personalausweis hab ich diesmal sicherheitshalber mal eingepackt 😀

Der Countdown läuft

Was Anfang des Jahres zu Beginn noch eine Schnapsidee war, ist nun nur noch zwei Wochen entfernt – Ende Juli zieht es mich an den südwestlichsten Zipfel Frankreichs nach Hendaye und die große Tour durch die Pyrenäen beginnt. Statt der zwei- oder maximal dreiwöchigen Touren, welche ich in der näheren Vergangenheit absolviert habe, sind nun acht Wochen angesetzt. Richtig gelesen – knappe zwei Monate zieht es mich nun in Kürze in die Berge, nur ausgestattet mit Rucksack und mit dem Ziel, das Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien in seiner kompletten Länge vom Atlantischen Ozean bis zum Mittelmeer zu durchqueren.

Klingt verrückt und ist es sicherlich auch. Der Traum, so eine richtig lange Tour zu absolvieren, beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Angespornt durch Filme wie „Wild“ bzw. das zugehörige Buch „Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“ hatte sich schon frühzeitig mit dem Entdecken des Wanderns als präferierte Urlaubsbeschäftigung der ferne Wunsch gebildet, auch mal für längere Zeit auf Reisen zu gehen. Unzählige Literatur habe ich in diesen Jahren verschlungen – diverse Bücher über die großen amerikanischen Wanderwege (Pacific Crest Trail, Appalachian Trail), aber auch in Europa (z.B. „Norwegen der Länge nach“). Bisher blieb es immer nur ein ferner Traum. Doch Anfang des Jahres packte mich der Mut – wenn nicht jetzt, wann dann?

So richtig präsent sind die Pyrenäen im hiesigen Gedächtnis wohl bei den wenigsten. Auch bei mir galten sie bisher nie als ausgemachtes Ziel oder hatte ich eine Vorstellung davon, wie es sein könnte, dort zu wandern. Bei der Suche nach einem Urlaubsziel für dieses Jahr stieß ich irgendwann drauf und entdeckte einen unfassbaren Schatz – denn das Gebirge stellt ein absolutes Wanderparadies dar. Und schnell fiel der Blick eben auf das größte Abenteuer, was man dort machen kann – einmal der Länge nach durch. Nicht einfach nur drüber, das würde man in 2 Tagen schaffen. Der Wandergott hat hier auch gut vorgesorgt – gibt es doch jeweils auf der französischen (GR 10) und spanischen Seite (GR 11) einen separaten Wanderweg, der dies bewerkstelligt. Da stand ja schon die erste Entscheidung aus – will man nördlich oder südlich da lang wandern?

Doch warum nicht beides? Denn das größtenteils sehr dichte Wanderwegnetz gibt einem unzählige Möglichkeiten, ständig direkt am Gebirgskamm entlangzuwandern und je nach Lust und Laune zwischen Frankreich und Spanien hin- und herzuwechseln. Das haben auch schon andere gemacht und daraus die sogenannte Pyrenean Haute Route (HRP) entwickelt – wobei dies kein fest durchmarkierter Pfad ist. Im Buch selbst steht der schöne Satz, dass man diese Route nicht als starren Weg verstehen soll, sondern mehr als Idee. Und man sich selbst die schönste Route raussuchen kann. Und nach einiger Planung habe ich nun für mich eine Tour gefunden, wobei ganz klar ist, dass die unterwegs sehr flexibel ausschauen wird. Abhängig von Wetter, Zustand, etc. gibt es keinen fixen Weg, den ich von A nach B ablaufe. Die ersten Tage stehen soweit fest, aber am Ende gibt es nur ein Ziel – Banyuls-sur-Mer am Mittelmeer, welches ich hoffentlich irgendwann in der zweiten Septemberhälfte erreichen werde. Dazwischen liegen 750 – 800 Kilometer und unzählige Höhenmeter.

In den kommenden Tagen wird es noch einige Infos bzgl. der Ausrüstung und der Planung insgesamt geben. Dazu werden die brennenden Fragen geklärt – wie wahrscheinlich ist es, dass ich von einem Braunbären gefressen werde? Wie viele Giftschlangen gibt es dort unten? Und wie verständige ich mich dort? In diesem Sinne – bonjour und buenos nachos!

Nach der Tour ist vor der Tour

Inzwischen sind die ersten Klamotten schon wieder in der Waschmaschine und ich zu Hause wieder angekommen. Nach der wunderschönen Tour über das Portjoch habe ich mir noch einen ruhigen Tag in Almis Berghotel gegönnt, viel gelesen und entspannt.

Doch bin ich keineswegs traurig über das Ende des Urlaubs. Ich konnte das machen, was ich mir vorgenommen hatte. Ausrüstung getestet, neue Kleidung auf die Probe gestellt. Das hat alles ziemlich gut gepasst. Und eben auch gemerkt, was ich nicht brauche. Ich hatte eine GoPro und einiges an Ausrüstung dabei, habe ich auch ein paar Videos gemacht, aber der Aufwand bei solchen Touren ist mir dann einfach zu hoch. Da bin ich mit Fotos und Blog gut ausgelastet. Nebeneffekt – damit dürfte ich Minimum ein halbes Kilo Gewicht einsparen.

So heißt es nun noch vier Wochen warten, bis das ganz große Abenteuer beginnt. Zelt, etc. muss noch bestellt werden. Ein paar Unterkünfte für den Beginn muss ich noch buchen. Die Zeit wird rasend schnell vorbeigehen. Und dann geht es hier auch direkt weiter.

Schwindelerregender Aufstieg nach Österreich

Guten Mutes ging es heute morgen in den Tag. Pizza am Abend, guter Schlaf, ruhiger Magen, passables Frühstück – was sollte da schief gehen. Würde nicht der wagemutige Aufstieg zum Portjoch auf mich warten, 1.000 Höhenmeter am Stück, keine Einkehrmöglichkeit, einfach steil den Hang hinauf, den ich schon seit gestern vom Balkon begutachten kann. Um ehrlich zu sein, ich hab genau hingeschaut und keine Spur eines Weges gefunden.

Das Portjoch ist der kleine Sattel halblinks hinten

Gut einen Kilometer ging es erstmal flach, ideal zum Warmlaufen. Und dann begann der große Spaß 😀

Drei Stunden waren angezeigt für den Anstieg. Gestern hätte ich vermutlich neun gebraucht, gespannt war ich, wie der Körper heute performen möchte. Und die ersten Meter waren vielversprechend. Konstantes Tempo und langsam begann der Weg sich in die Höhe zu schrauben.

Und mit jedem Meter wurde der Weg schöner. Ein alter Militärpfad in der Grenze zwischen Italien und Österreich. Wer mal keine Lust auf den Brenner hat, dem sei dieser Übergang wärmstens empfohlen. In zahllosen Serpentinen ging es aufwärts, zuerst im Wald, später wurde es dann felsiger. Und hier kribbelte es dann auch das erste Mal, denn ab nun waren Fehler verboten. Der Hang fiel mehrere hundert Meter steil nach unten ab. Ausrutschen, ein Umknicken… schlechte Idee. Teilweise gab es Seilversicherungen, eine kleine Leiter war auch zwischendurch angebracht. Der Weg war top in Schuss, aber definitiv nur etwas für Schwindelfreie.

Nach gut dreiviertel des Anstieges traf ich dann den ersten Menschen unterwegs – kurzes Gespräch, was man so vor hat, paar Worte über den Weiterweg und weiter ging es. Nach den Steilstufen wurde es oben dann plötzlich etwas flacher, statt brüchigem Fels nun sanfte Wiesen und überall Blümchen. Auf dem letzten Stück zum Pass sah man noch alte Grenzbefestigungen – und nach 2:40h war ich dann oben auf dem Joch.

Von hier konnte ich tatsächlich auch das Hotel sehen, in dem ich übernachtet hatte – und auf der Gegenseite strahlte der Obernberger See in der Tiefe, während rechter Hand die schneebedeckten Zillertaler Alpen in der Ferne glänzten. Nun hieß es Abschied nehmen von Italien und Hallo Österreich. Der Abstieg war dann ein absolutes Kontrastprogramm. Keine Sonne mehr, ordentlich Wind und ein besch… Weg – ständig riesige Löcher, halt deutlich mehr ein Kuhpfad. Leicht fluchend ging es nach unten, aber mit jedem Schritt näherte ich mich dem See. Unten angekommen begrüßte mich erstmal eine Herde Kühe am Ufer, teilweise auch durchs Wasser watend. Hier war nun wieder Touri-Gebiet… Kurzes Päuschen am Ufer, paar Bilder und dann weiter. Das ist nun schon mein dritter Besuch hier – zuerst Pfingsten letzten Jahres und dann noch ein Winter-Trip kurz vorm letzten Weihnachten. Somit sind die Wege bekannt und flugs ging es nach Obernberg am Brenner zu einem meiner Lieblingshotels (Almis Berghotel).

Eine wunderschöne Etappe und ein geiler Anstieg!

Zirkus am Berg

Nach drei mehr oder weniger sehr ruhigen Tagen war nun heute wieder Bergsport angesagt. Hundertprozentige Fitness ist leider noch nicht wieder da, was ich mir aber schon am Morgen denken konnte, denn die Reserven waren vor dem Start der Tour eigentlich schon wieder leer. So lautete dann auch der Plan, nicht komplett aus dem Tal auf den Berg zu steigen, sondern den ersten Teil mit der Seilbahn zu fahren. Fiel mir tatsächlich nicht leicht, da gerade das Berghochlaufen mir diese Tage so viel Spaß gemacht hat. Aber rückblickend machte das schon sehr viel Sinn.

Der Rosskopf westlich von Sterzing ist ein absoluter Schandfleck. Die komplette Ostflanke ist planiert und zugebaut, was im Winter als Skipiste noch Spaß macht, ist im Sommer ein Tragödie. Traurig schwingen die Sessellifte hin und her, die Rodelbahn wirkt ausgebleicht in der Sonne. Schnell weg, aber selbst der Aufstiegsweg zog sich über die Skipiste, so dass dieser eine Qual wurde. Da wächst auch nix mehr über Kniehöhe, ergo null Schatten. Habe mich auch geweigert, diese Seite mit einem Foto zu würdigen.

Und hier merkte ich nun auch, dass die Kraft weit von dem entfernt ist, was letzte Woche noch vorhanden war. Der Infekt hat deutlich seine Spuren hinterlassen. 1500 Höhenmeter zur Schneeberghütte waren kein Problem, hier waren 300 Höhenmeter schon spürbar. Ich wurde überholt… Ich musste anhalten… Das wirkte irgendwie wie die „Form“, mit welcher ich vor einigen Jahren am Berg unterwegs war, aber nicht das, was ich mir antrainiert hab. Das größte Problem ist wohl hierbei der Kopf, weil man eigentlich weiß, dass es einfacher gehen müsste, aber die Beine das heute nicht umsetzen konnten. Naja… bis zum Rosskopf hatte ich es dann doch geschafft, immerhin ist der Blick hier ganz schön.

Gedankenspiele, was soll nun heute noch werden. Komplett umkehren, zurück nach Sterzing und dann mit den Öffis ins Hotel? Nein, mein innerer Kampfgeist hat noch eine Stimme und der sagt, wir gehen da heute dahin. Es würde eh zumeist bergab gehen und aufgeben ist keine Option. Also ging es wieder runter vom Berg der Schande und in Richtung Almdorf Vallming. Von da hörte man schon in weiter Entfernung Musik, es schien ausgelassenes Treiben dort zu herrschen. Unterwegs passierte ich ein paar Kälber am Wegesrand und schließlich einige etwas ältere Gefährten, die sich direkt auf dem Weg breit gemacht hatten. Meine Taktik bei Kühen ist meistens gutes Zureden… und wenn das nicht hilft, dann eben direkt drauf zu laufen und auch mal einen kleinen Klaps geben. Dann gehen die schon spurten, so auch heute nach ein paar Minuten (hilft übrigens nicht bei Bullen, die auf einen zurennen).

Das Almdorf war nun erreicht. In irgendeinem Prospekt hatte ich gelesen, dass es dort oben auf gut 1800m noch die urtümliche Almlebensweise zu bestaunen gibt, ein kleines Dorf noch so wie aus vergangenen Zeiten. Nun… heute hatte man eher den Eindruck, dass der Zirkus dort Einzug gehalten hat. Hunderte Menschen drängelten sich auf die unzureichenden Sitzbänke, während drumherum unzählige E-Bikes standen… alles klar, die Akku-Gangs lassen sich hochfahren, verbringen ein paar lustige Stunden und düsen dann wieder ins Tal. Lautstarke Musik via Akkordeon schallt herum, eine Polonäse wird gestartet, am Ende auch irgendwelche Faschingslieder. Ich weiß nicht, wo ich hier gelandet bin. Erwartungsvoll hatte ich mich schon dort gesehen mit einem kühlen Getränk in der Hand, jetzt fülle ich mir nur schnell neues Wasser in die Flaschen und flüchte. Irgendein Depp lässt auch noch ein Weidegatter offen, urplötzlich stürmt eine Kuh durch die Tische, während ein kleines Kind daneben steht. Zum Glück passiert nix. Ich suche mir beim Abstieg dagegen ein wunderschönes Plätzchen am rauschenden Bach und genieße meine geschmolzenen Kinder Countrys.

Der letzte Teil des Abstieges ist ein sehr steiler, aber wundervoller Waldweg am Wasserfall entlang. Schnell verliere ich an Höhe und erreiche das Pflerschtal. Abschließend nochmal 30min flach bis ins Hotel und durchaus zufrieden erreiche ich dann aus eigener Kraft mein heutiges Ziel. Von hier sehe ich übrigens schon den eventuellen morgigen Aufstiegsweg. Ein richtig steiler Weg, gut 1000 Höhenmeter – mal schauen, was der Körper morgen früh dazu sagt.

Transfer- und Faultiertage

Ein paar Tage war es ruhig und nun grüße ich erneut aus dem schönen Sterzing unweit vom Brenner. Diesmal sogar mit Ausweis. Sterzing? Moment, da war ich doch schon vor einer Woche, als ich angereist bin. Bin ich nun quasi schon auf dem Rückweg? In gewisser Weise schon, mehr dazu später.

Vor zwei Tagen hieß es erstmal den Abstieg von der Nassereithütte auf mich zu nehmen. Am Abend entdeckte ich hinter der Haus noch ein ganzes Rudel kleiner Hasen, die fröhlich neben dem Bach vor sich her hoppelten.

Runter ging es über den sogenannten Alpinsteig neben dem Partschinser Wasserfall. Ganz nett, wieder unzählige Steinstufen und schnaufend entgegenkommende Wanderer, die zur Hütte aufsteigen wollten und mir mehrfach die Frage stellten, wie weit es noch sei. Danach ging es weiter mit dem Bus, wobei ich zweimal von den Fahrern einfach durchgewunken wurde, als ich einen Fahrschein kaufen wollte. Die sahen mir sicherlich an, dass ich nur ein armer Wandersmann bin. Angekommen in Meran erschlug mich dann kurz die Hitze, auf 300 Metern ist das Klima dann doch anders.

Nun ging es nochmal gut 1,5 Stunden mit dem Bus hinein ins Ultental. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Aber wunderschön ist es dort. Geplant war eigentlich nur eine Übernachtung in einer netten Pension, aber schon bei der Busfahrt war mir klar, dass ich die Pläne ändern werde, da es am Tag drauf sehr schlechtes Wetter geben sollte. Also einen richtigen Ruhetag einschieben und dann sehen wir weiter.

Das kleine Dörfchen St.Gertraud bildet fast den Talschluss, dahinter beginnen die hohen Berge. Und hier ist auch schon zu sehen – ganz oben auf den Gipfeln und Scharten ist es noch weiß.

Gestern gab es dann viel Schlaf, zum einen war es schön, einfach mal zu ruhen, zum anderen brauchte ich die Zeit aber auch, um einen kleinen Infekt auszukurieren, der sich urplötzlich am Vorabend ausbreitete. Statt 20.000+ Schritten waren es keine 1.500… Immerhin wurden meine Sachen noch mit gewaschen, ein feiner und wichtiger Zug, denn über die lange Zeit wird manches sonst unbenutzbar. Es regnete übrigens keinen Tropfen hier, auch wenn es anderswo eine Menge Niederschlag gab.

Nun also die Frage, wie weiter. Von der Pension hörte ich auch, dass die Übergänge zwischen den Hütten noch verschneit und quasi kaum gespurt seien. Da die Hütten die Tage jetzt auch aufmachen, ist da auch noch niemand durch. Sollte ich der erste sein, der das auf sich nimmt? Nö – lasst mal. Und da kam nun die Idee, was ich als Alternative machen kann. Dolomiten sind immer toll, auch rundherum wären auch noch viele schöne Sachen machbar. Aber am Ende gefiel mir die Idee am besten, quasi zurückzulaufen. Also nun von Sterzing aus durch die ganzen Täler westlich vom Brenner Richtung Innsbruck und dann vielleicht noch durchs Karwendel. Routen gecheckt – jeden Tag mindestens 1000m hoch und runter, Unterkünfte gebucht, das klingt doch nach einem Plan. Quasi Alpenüberquerung in der Gegenrichtung.

Heute morgen gab es dann noch eine kleine Wanderung um den Weißbrunnsee oberhalb des kleinen Dorfes. Durchaus schön anzusehen und die Beine durften sich für die kommenden Tage schon mal aufwärmen.

Danach wieder ein längerer Transfer nach Meran und mit dem Zug nach Sterzing. An ein paar Sachen aus der Altstadt erinnere mich noch, als ich 2017 mal hier durch bin (damals allerdings nach 35km Hitzemarsch vom Berg runter völlig fertig…). Schickes Städtchen, nun suche ich mir eine Pizzeria und morgen geht es endlich wieder auf den Berg!

Steile Scharte und besserwisserische Rentner

Besonders schön war die Nacht in der Koje jetzt nicht unbedingt, aber manchmal muss man sich in den Höhenlagen mit dem zufrieden geben, was halt da ist. Morgens gab es noch Selfies mit dem Esel der Alm – dieser ist seit einigen Jahren quasi Bestandteil der Kuhherde und geht inzwischen auch überall dort mit hin, wo die Kühe hingehen. Heißt also, wenn das Melken ansteht, ist Esel auch im Stall dabei und schaut zu.

Dann hieß es Abschied nehmen von den Wanderbegleiterinnen aus dem Erzgebirge, da diese nun geplant wieder abstiegen. Für mich ging es dagegen natürlich weiter und durch menschenleeres Gebiet innerhalb der Texelgruppe. Nur die Sonne war früh um 9 schon mein ständiger Begleiter und heizte direkt ordentlich ein.

Erstes Ziel war die Taufenscharte. Im Aufstieg sollte diese gar keine Probleme, aber der Abstieg versprach auf der Karte ein wildes Zick-Zack. Unzählige Serpentinien und minimal auseinanderliegende Höhenlinien, was bedeutet, dass es hier richtig steil bergab gehen sollte. Ich hatte am Vorabend mit einigen einheimischen Wanderern in der Alm gesprochen, die aber meinten – kein Problem. Es ist zwar sehr steil, aber gut begehbar. Also ran an die Scharte. Nach gut 50 Minuten war ich oben.

Oben traf ich einen Holländer, der eben aufgestiegen war. Der war schon ziemlich fertig, wir unterhielten uns über unsere heutigen Wanderpläne und dann machte ich noch ein paar Fotos mit seinem Handy für ihn. Hier oben hilft man sich einfach. Und dann schaute ich die Scharte runter – es wurde nicht zu viel versprochen. Der Hang fällt so steil ab, dass man ihn gar nicht von oben komplett einsehen kann.

Also Stöcke raus und runter. Inzwischen laufe ich sowas viel lieber hoch, auch wenn es natürlich konditionell deutlich anstrengender ist. Aber sowas bergab ist nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch vom Kopf. Man muss ständig konzentriert sein, die Füße wohlüberlegt setzen, dazu auch die Stöcke. Gefälle einschätzen, auf lose Steine achten und jederzeit bereit sein, sich abzufangen. Im Gegensatz zum Aufstieg will das komplette Gewicht inkl. Rucksack nach unten und kann durchaus eine interessante Eigendynamik entwickeln. Dazu geht es auch noch richtig böse auf die Knie. Also ganz vorsichtig nach unten arbeiten und dann war auch das heikle Zickzack geschafft. Rückblickend war das einer der steilsten Abstiege, die ich bisher gelaufen bin.

Rückblick zur Scharte

Danach ging es in den Wald, auf einer Bank lockerte ich die Knie und genoss endlich wieder Empfang, so dass ich ein Lebenszeichen absenden konnte, dass ich lebend den Schnee verlassen habe. Es ging zwar weiter steil runter, aber der Waldweg war insgesamt angenehmer. Weiter unten gelangte ich auf eine Kreuzung und das erhöhte Aufkommen von Mitwanderern wies schon daraufhin, dass ich auf den Meraner Höhenweg nun war. Hier verirren sich auch viele Tagestouris hin, für die ich mit meinem Riesenrucksack immer eine Attraktion darstelle. War der Weg am Anfang durch den vielen Wald durchaus angenehm, wurde er zunehmend langweiliger. Ab und zu riss es mal auf und man konnte ins Vinschgau schauen.

Aber in Summe ging es ständig hoch und runter über tausende Steinstufen. Hatte man 50 Höhenmeter auf Stufen geschafft, durfte man umgehend diese 50 Höhenmeter auf den nächsten Stufen wieder absteigen. Irgendwann erwischte ich mich dabei, wie ich in bester Marvel Avengers-Manier rief: „Hulk hasst Treppen“.

Zwischzeitlich erreichte ich eine Hütte, wo ich mir was kühles zu trinken gönnte und am Nachbartisch ein direkt unsympathisches Rentner-Ehepaar ausmachte. Der Herr fing an über die Scharte zu reden, die ich vorher runter bin und das dies ja kein Problem sei. Und das man es in einer Stunde schaffen würde. Hier wollte ich kurz einhaken und berichten, dass es schon äußerst steil sei (und der fitte Holländer heute morgen hatte gut 1:45h gebraucht). Naja, mit besserwisserischen Rentner muss man nicht diskutieren, ich wurde vom Herrn schroff hingewiesen, dass er wisse, was er mache. Wortlos verlies ich die beiden, ich wünsche viel Spaß im Steilhang und beim Versuch, das ganze in einer Stunde zu laufen.

Weiter ging es durch Wald und Treppen, irgendwann wurden die Zeitangaben bis zu meinem Zielort geringer und schließlich erreichte ich die Nassereithütte. Und welch wunderbares Kleinod von Hütte mich hier erwartet. Eigenes Zimmer, warme Dusche, Balkon. Die Hütte liegt direkt am rauschenden Wasserfall.

Damit sind die ersten fünf Tage rum, der Körper spielt extrem gut mit und gerade das ist im Hinblick auf das, was noch kommt, wahnsinnig wichtig. Morgen gibt es nur eine kurze Wanderung ins Tal, danach geht’s mit den Öffis in ein kleines Hotel an den Fuß der Ortlergruppe. Wie die Tour danach weitergeht, steht allerdings noch in den Sternen. Die Übergänge zwischen den Hütten in den kommenden Tagen sind sehr hoch, teilweise über 3000 Meter und alle noch schneebedeckt. Morgen mache ich mir dazu Gedanken, eventuell wird auch alles umgeplant und Teil 2 der Tour neu gestaltet. Schauen wir mal 😀

Von Pferden, Schnee und traumhaften Seen

Der Entschluss stand nun fest, dass es hinauf zum Spronser Joch gehen sollte, auch wenn das Ergebnis noch ungewiss war. Mir war bewusst, dass ich keine sinnlosen Gefahren eingehen werde und im Zweifelsfall nach 3 Stunden Aufstieg auch wieder absteigen würde, wenn es zu gefährlich wird. Aber wir hoffen das Beste 😀. Morgens verabschiedeten wir uns noch mit einem grandiosen Frühstück von wundervollen Hotel Rosmarie in Pfelders und quasi ohne Umschweife begann ein schöner, steiler Anstieg im Wald. Rundherum Farne, man fühlte sich eher an Mittelamerika erinnert.

Wunderschön und richtig steil

Am Ende des Waldes erreichten wir die Falschnalalm. Hier fragte ich auch nochmal, ob der Pass begehbar ist und die Antwort war positiv. Es kommen jeden Tag einige Wanderer durch und die Schneefelder sind gespurt. Perfekt, das war die Antwort, die ich hören wollte. Zudem gab es Selfies mit Pferden und auch die Kälber kamen zum Kuscheln vorbei.

Dann ging es ins sehr weitläufige Falschnaltal – immer stetig leicht bergauf, von oben drückte die Sonne und die Berge ringsherum erstrahlten, während reihum noch die Schneeschmelze im Gang ist und die Bäche gut gefüllt gen Tal stürzen. Bereits in der Ferne konnte man den ersten Übergang sehen, auf den es hoch gehen sollte, doch bis dahin verging noch einiges an Zeit und Strecke.

Den rechten Hang ging es hoch

Oben angekommen auf dem Falschnaljoch bot sich dann wieder diese wundervolle Hochgebirgsszenerie, die einen nur verzaubern kann. Selber auf 2.400m Höhe sieht man rundherum die noch höheren Gipfel, die weiten Taleinschnitte und das Wolkenspiel über den Bergspitzen. Thema Wolken – diese zogen nun richtig auf und machten sich insbesondere in der Ecke breit, wo es nun hingehen sollte. Der einfache Teil war geschafft, jetzt sollte der Übergang zum Spronser Joch kommen. Man konnte schon direkt erahnen, dass hier vor kurzem noch alles voller Schnee war, der Boden feucht und überall floss es herunter. Aber die ersten Meter waren noch problemlos zu laufen und auch die ersten Schneefelder konnte man problemlos umgehen. Nun erstreckte sich allerdings ein größeres vor mir – und die Spuren wiesen daraufhin, dass es da durchgehend sollte. Also drauf, irgendwie die Fußspuren erwischen und hoffen, dass man nicht tiefer einsinkt. Eine Spur im Schnee ist wirklich wichtig – man läuft selber nicht Gefahr, dass man sich verläuft und bricht zudem nicht zu tief urplötzlich ein, was das Risiko einfach kleiner macht. Naja, irgendwann hing ich dann trotzdem bis zur Hüfte drin, war aber alles halb so wild. Etwas würdelos robbte ich dann einfach auf allen Vieren, bis ich die sicheren Felsen erreichte.

Oben am Spronser Joch angekommen war die Sicht inzwischen bei Null und vor uns ein riesiges Schneefeld, welches sich erstmal als unüberwindbares Hindernis darstelle. Mir war klar, da gehe ich auf keinen Fall rüber, da es auch sehr steil war. Glücklicherweise entdeckte ich dann an der Seite einen kleinen Übergang, wo der aktuelle Weg auch lang ging – also freestyle über die Felsen klettern und dann zack über den kleinen Schneehang ab auf den Weg.

Nun also in den Abstieg und sehr schnell erblickten wir nun das Hauptziel des heutigen Tages – die Spronser Seen. Und wie unfassbar schön diese sind. Der erste See war noch halb gefroren und bot einen fantastischen Anblick. Diesen sieht man tatsächlich auch nur, wenn man die Überschreitung über den Pass macht und man kann es nur empfehlen, denn dieser Ort ist einfach magisch.

Weiter unten kamen dann der Grünsee und der Langsee in den Blick – auch hier wieder absolut grandios, wie diese Seen in diesem Bergpanorama auf über 2.300m Höhe eingebettet sind. Der Abstieg ging dann auch direkt am Grünsee entlang, ich bin ganz fix auch noch zum Langsee gelaufen.

Langsee
Grünsee

Von dort ging es dann noch ein klein wenig runter bis zur Oberkaseralm, wo das heutige Nachtquartier aufgeschlagen wurde. Das Abendessen (Käseknödelsuppe und Hirtenmaccheroni) unglaublich gut und so viel, dass ich beschämt etwas zurückgeben musste. Thema Essen – nach dem Frühstück esse ich bei der Wanderung bis auf ein paar Schokoriegel eigentlich nix (oder halt mal ein Stück Kuchen, wenn was schönes auf dem Weg liegt). Richtig groß gibt es dann erst wieder abends, was dann aber auch richtig zelebriert wird. Die Übernachtung in der Alm interessant… ein kleines Zimmer, zwei „Trippelstockbetten“ mit wenig Platz dazwischen. Naja, besser wie draußen schlafen 😀

Links unten war meine Koje

Sonnenbad am Jaufenkamm

Gestern abend gab es noch ein Highlight auf den Bergen zu bestaunen, denn das Herz-Jesu-Feuer steht traditionell am 18.Juni hier auf dem Programm. So leuchteten um uns herum die Feuer auf den Bergen, ein Anblick wie bei Herr der Ringe, als die Leuchtfeuer von Gondor angezündet wurden. „Und Rohan wird antworten“ lautete die Ansage von König Theoden, so ähnlich fühlte sich auch unser Hüttenwirt, der natürlich auch ein Feuer vor dem Haus entzündete.

Reihum brannten überall kleine Feuer

Am Morgen ging es dann frisch gestärkt zu dritt in die Spur – neben mir waren ja nun die beiden erzgebirgischen Wanderbegleiterinnen dabei, die ich letztes Jahr in der Schweiz kennengelernt hab. Plan war heute eine Hang- und Gratwanderung am Jaufenkamm entlang bis zur gleichnamigen Passstraße, von wo es dann mit dem Bus ins kleine Bergdörfchen Pfelders gehen sollte. Man hätte auch direkt hinlaufen können, aber das wäre ein furchtbarer Weg gewesen…

Der Weg war ein Traum, ein schmaler Pfad am Bergrücken, immer wieder hoch und runter, vorbei an den hohen Berggipfeln. Doch auch wir sollten heute noch Gipfelluft schnuppern, mit dem Glaitner Hochjoch auf 2.390m Höhe war der höchste Punkt schon aus der Ferne gut erkennbar. Von oben drückte die Sonne heute unerbittlich, am Himmel begannen auch die Wolken reihum zu quellen – das dürfte später sicher noch gewittern.

Die Gratwanderung war durchaus anstrengend (viele steile Steintreppen), bot aber einen fantastischen Blick. Links das Ratschingstal, rechts das Passeiertal, 1500m oben drüber wir.

Das Glaitner Hochjoch war nun in greifbarer Nähe, doch statt Gipfelrast hieß es umgehende Flucht, denn Abermillionen Fliegen tummeln sich hier oben, angelockt vom Schafskot, der überall auf den Hängen zu finden war. Also fix weiter.

Der Rest war jetzt nicht ganz so abwechslungsreich. Immer weiter am Hang entlang unter brütender Hitze, runter, wieder hoch, und dann wieder runter. Gegen 1 erreichten wir die Flecknerhütte, genossen eine längere Pause und machten uns dann weiter Richtung Bus, der sich in spektakulärer Manier hier die Passstrassen hoch unter quält. Hinter mir im Bus ein paar Rentner, die bei jeder Serpentine Schnappatmung bekamen und fremde Autofahrer aus dem Bus heraus anbrüllen wollten. Naja… sollen sie das nächste Mal an die Ostsee fahren…

Abends gab es noch ein vorzügliches Vier-Gänge-Menü in dem kleinen und sehr schicken Hotel. Morgen wird es spannend – mit den Spronser Seen wartet ein absolutes Highlight auf uns. Aber der Weg soll noch gut unter Schnee liegen und eine Alternative gibt es nicht so richtig. Also lautet die Entscheidung – wir probieren es und wenn es nicht geht, dann drehen wir um und sehen dann weiter. Schauen wir mal 😀