Panoramablick auf der Hochalm

„Das Hüttenleben kann schön sein“. So endete der Eintrag gestern… da rechnet man aber nicht damit, dass die 30 Italiener sowas wie die Hüttenruhe nicht kennen und sich ewig laut auf den Zimmern noch unterhalten haben. Somit war dies eine furchtbare kurze Nacht, drei Kaffee floßen am Morgen die Kehle herunter, um die Lebensgeister wieder einigermaßen zu wecken. Ursprünglich wollte ich heute über den Gipfel des Hochwart wandern, um dann zur Hochalm abzusteigen. Nachdem ich am Vortag sehen konnte, dass die Nordseiten der Scharten noch schneebedeckt sind, entschied ich mich für Plan B – Abstieg zur Passstraße, kurzes Stück mit dem Bus und dann Aufstieg über die andere Seite.

Also runter und weiter durch das eindrucksvolle ehemalige Bergbaugebiet. Steil ging es bergab, denn der einzige Bus sollte erreicht werden. Früher waren hier hunderte Bergleute tätig, inzwischen haben die Kühe hier ein Zuhause gefunden.

Nach gut einer Stunde war ich dann unten, bissel warten auf den Bus und nach ein paar Minuten ging es dann zu Fuß weiter in den Wald.

Schließlich erreichte ich wunderschöne Blumenwiesen am Südhang oberhalb des Passeiertals.

Hier gab es dann eine kleine Mittagspause auf der Eggergrubalm – Kuchen, Kaffee, mehr war nicht drin, denn der letzte steile Anstieg wartete ja noch zur Hochalm.

Also Rucksack geschultert und weiter hoch. Weiterhin im guten Tempo erreichte ich dann die wunderschön gelegene Hochalm am Fuß des Hochwart. Ein wundervolles Panorama lässt sich hier begutachten – Sarntaler Alpen, Texelgruppe, einfach grandios. Dazu Sonnenseite, ein traumhafter Platz hier oben.

Heute war ja nun auch der Tag, wo die beiden Wanderfreundinnen aus dem Erzgebirge zu mir stoßen sollten, die die nächsten Tage dabei bleiben. Da sich diese noch auf dem Weg befanden, holte ich erstmal ein wenig Schlaf nach in den wundervollen Zimmern, die sich hier befinden. Am Abend gab es nun das Treffen und ich hab meinen Perso auch wieder. Ein wunderbares Abendessen erwartete uns und jetzt gilt es, die Abendstimmung zu genießen. Bei Einbruch der Dunkelheit soll es nach ein Lagerfeuer geben, welches zum 18.Juni Tradition in der Alpenregion ist. Und heute ist auch keine große Gruppe hier, wir sind alleine in der Hütte und genießen den Abend mit den Hüttenleuten.

Auf den Spuren der Bergarbeiter zur Schneeberghütte

Die Wirrungen des Vortages waren vergessen – es geht endlich auf den Berg. Und tatsächlich ist dieses Gefühl auch einfach was anderes als eine kleine Tour am Wochenende zu machen. Alleine das Leben auf den Hütten, welches erst nach der Abreise der Tagesgäste erblüht, ist so wundervoll und muss man mit erlebt haben. Beim Frühstück sagte mir dann noch meine Uhr, dass ich in Höchstform bin. Na dann, kann ja nix mehr schief gehen.

Ab in den Bus, halbe Stunde Fahrt ins Ridnauntal bis ganz ans Ende. Hier befindet sich ein Bergbaumuseum. Die ganze Gegend war bis ins 20.Jahrhundert ein riesiges Abbaugebiet und auch noch heute sieht man überall die Spuren des jahrhundertelangen Bergbaus. Direkt steil hoch ohne Kompromisse, der Rucksack drückt auch umgehend auf die Schultern. Aber das Tempo ist gut und bald erreiche ich etwas flacheres Gebiet im Lazzacher Tal.

Bergbaugebäude am Hang
Lazzacher Tal

Einige Kilometer ging es nun leicht ansteigend durch dieses schöne Tal, vorbei an Kuhherden, die sich prominent auf dem Weg platziert hatten. Weiter oben wurden die Blicke auf die umliegenden Berge immer schöner.

Nun ging es zu einem verlassenen Stollen, hier stehen noch alte Wagen rum, die Schienen sind noch vorhanden. Eine wahnsinnig interessante Szenerie bietet sich einem hier oben.

Nächster Stop war die Moarerberg Alm auf 2130m Höhe, die gerade fleißig am Einräumen waren, da morgen der offizielle Saisonstart sein wird. Freundlicherweise gab es aber ein kleines Erfrischungsgetränk und ich konnte meine wohlverdiente Pause genießen. Denn nun stand der finale Anstieg bevor – hinauf zur Schneebergscharte auf ca. 2700m Höhe. Also Beine in die Hand, Rucksack geschultert und es wurde direkt richtig steil.

Oberhalb der Moarerbergalm

Ab gut 2.300 Meter Höhe wurden dann aus ein paar kleinen Schneefeldern nun riesig große. Und der Wanderweg war größtenteils nicht mehr sichtbar, da er unter den Schneemassen verborgen lag. Zu Beginn konnte ich um diese noch herumkraxeln, was zwar anstrengend, aber machbar war. Aber irgendwann steht man dann vor 20 Meter Schnee und kann nix anderes mehr machen, als sich rüber zu wagen. Direkt am ersten Tag kamen dann die Grödel (eine Art Spikes zum umschnallen für die Füße) zum Einsatz, damit wenigstens die Gefahr des Rutschens minimiert wurde. Langsam auf den Schnee drauf, erstmal bis zur Wade in kurzen Hosen eingesunken. Dann wurde der Schnee härter, ich wagte einige Schritte mehr und zack… bis zur Hüfte im Schnee drin 😀. Also wieder raus und nun auf allen Vierer weiter. Alle Gliedmaßen nun im Schnee versunken und irgendwie bis zum nächsten Felsen robben.

Nun bot sich die Chance, auf dem Felsstreifen weiterzuklettern. Irgendwie komme ich schon wieder auf den eigentlichen Weg, die Scharte konnte ich auch schon erkennen. Weglos ging es nun steil über den Hang einfach gerade berghoch. Alles nicht ohne, aber dennoch halbwegs im Rahmen, auf jeden Fall tausendmal angenehmer als weiter Schneemann zu spielen. Nach 15 Minuten kam ich dann wieder auf den Weg und die Scharte auf 2.700m Höhe war schnell erreicht.

Blick zur anderen Seite

Nun also runter, die Schneeberghütte war schon zu sehen. Die Schneefelder konnten hier ganz gut umgegangen werden und nach 40 Minuten Abstieg war ich dann am Ziel. Und welch Haus erwartet einen hier. Das alles war früher Bergbaugebiet, hunderte Bergleute waren hier untergebracht und gruben am Tag nach Silber, Blei oder Zink. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war man hier tätig und unzählige Stollen und Requisiten zeugen noch davon.

Nun also Quartier beziehen. Warme Dusche ein Traum. Das Vier-Gänge-Menü – Salat, Makkaroni, Spinatknödel, Apfelstrudel – (wir sind auf 2.350 Meter Höhe) unfassbar gut. Gerade kam noch eine 30-köpfige italienische Gruppe an. Ich sitze bei den Wirtsleuten, mit denen ich mich schon länger unterhalte. Das Hüttenleben kann schön sein.

„Illegal“ in Italien – wenn der dümmste Mensch der Welt auf Reisen geht

Ich hatte unterwegs den Bericht quasi schon fertig geschrieben, nichtsahnend, dass der spannendste Teil erst am Ende des Tages noch kommen sollte… aber beginnen wir mal am Morgen.

So ein Start in den Urlaub geht quasi nie entspannt. Heute morgen noch fix ins Büro in die Klinik, letzte Anfragen beantworten, Tabellen rumschicken und hoffen, dass die kommenden zwei Wochen nix weltbewegendes passiert. Beim Verlassen des Büros gegen Mittag natürlich noch die Abwesenheitsnotiz vergessen – dann eben von zu Hause nochmal fix auf den Rechner drauf und alles eingestellt. Kann ja nicht sein, dass hier Mails 2 Wochen lang ungelesen rumliegen 😀

Währenddessen zogen Unwetter über das Blaue Land, ein Vorbote für die kommenden Tage in den Bergen? Ich hoffe nicht, die Wettervorhersage sieht sehr gut aus, das Wochenende wird sommerlich. Zu Hause die letzten Pakete angenommen und nun alles in den Rucksack rein. Anvisiert waren 16kg… und die wurden es auch. Aber mit leerer Wasserflasche, was bedeutet über 17kg im Maximalzustand. Naja, paar Sachen flogen wieder raus, die Tube Rei interessiert am Berg wohl auch nicht. Irgendwie dann doch noch ein halbes Kilo gespart, dass muss nun reichen. Es trägt sich erstmal nicht so schlecht und das ist im Vergleich zu manch vergangener Tour ein gutes Zeichen, wo man sich zum Start kaum vorstellen konnte, wie man das über einen längeren Zeitraum und berghoch tragen soll. Wer die Anfangssequenzen von „Wild – Der große Trip“ mit Reese Witherspoon kennt, weiß wahrscheinlich, wovon ich rede (der Film ist übrigens sehr zu empfehlen!)

Auf den großen amerikanischen Wandertreks (Appalachian Trail, Pacific Crest Trail) gibt es sogenannte Trail Angels, die sich um die Wanderer kümmern und z.B. mit kostenlosen Transfers helfen. Mein Trail Angels waren heute mal wieder meine lieben Vermieter, die mich nach Mittenwald brachten, da die Deutsche Bahn den Süden der Republik mal wieder sträflich vernachlässigt. Schön durch das Unwetter hindurch, begann nun die kleine Zug-Odysee. 15min Fahrt nach Seefeld, 25min Umstiegszeit, 30min Fahrt nach Innsbruck, 45min Umstiegszeit, 30min Fahrt, 35min Umstieg am Brenner und die abschließende 20min Fahrt nach Sterzing. Auf der Alpensüdseite strahlt die Sonne, die Berggipfel glänzen im Abendlicht. Auf dem Monitor im Zug läuft Werbung vom Radfahren in den Dolomiten. Ich erkenne die Gipfel, Sellagruppe, Marmolada, Peitlerkofel. Südtirol verzaubert mich immer wieder. Welch eine wundervolle Region.

Sterzing

Nun flink ins Hotel und Check-In. „Dann brauche ich einmal den Ausweis“. Geldbeutel raus, Tasche mit den Karten geöffnet… Krankenkarte, Alpenvereinsausweis, Organspendeausweis… aber kein Perso. Und mir wurde schlagartig klar, der liegt noch zu Hause. Somit dann eben mal zwei Staatsgrenzen illegal übertreten. Der dümmste Mensch der Welt… ohne Ausweis in den Urlaub. Im Hotel war klar, ich brauch was, sonst kann ich da nicht rein. Und zum Glück hatte ich vor einem Jahr auf Anraten mal Fotos vom Ausweis gemacht, als wir nach Albanien sind. Und tatsächlich konnte ich mich damit einchecken. Das Hotel war nun auch so freundlich und hat mir den Ausweis auf A4 kopiert, zwar riesig, aber immerhin.

Rettung naht aber, denn so ganz ohne richtig gültigen Ausweis fühlt man sich dann doch nicht wohl im Ausland. Ab Sonntag begleiten mich zwei Wanderfreundinnen aus dem Erzgebirge, die den dann unterwegs noch abholen und mir dann mitbringen. Somit ist dann auch der Depp wieder fähig, sich auszuweisen.

Der Abend endet nun deutlich aufregender als gewollt, aber doch funktioniert irgendwie dann alles – dank guter Freunde und tatkräftiger Hilfe. Morgen früh geht es dann auf den Berg, ich freue mich sehr. Ziel ist die Schneeberghütte oberhalb vom Passeier Tal. Falls es Netz gibt, melde ich mich wieder.

Zahllose Packsäcke mit den Sachen
Abendstimmung vom Balkon

Im Startblock – Letzte Vorbereitungen

Morgen geht es los – nach fast einem dreiviertel Jahr ohne „richtigen“ Urlaub, nähert sich der erste Trip des Jahres nun unweigerlich.

Die letzten Tage waren wie immer natürlich wild – auch wenn inzwischen extrem viel Routine da ist. Ausrüstungsliste vom Vorjahr aus Excel kopiert (wo auch sonst), einige Anpassungen vorgenommen (etwas mehr warme Kleidung) und dann sukzessive das Zeug zusammensuchen, waschen und gleichzeitig noch fünfzig Pakete mit neuem Sachen bekommen. Technik, Kleidung, Packsäcke, etc. Dieses Jahr geht tatsächlich eine ganze Menge Neues auf die Wanderung, teilweise einfach auch dadurch bedingt, dass die vorhandenen Jacken und Hosen einfach zu groß sind.

Inzwischen hat fast alles seinen Platz im Rucksack gefunden und mit gut 11kg sieht es bisher gut aus – allerdings kommt da noch bissel Hygienezeugs, Essen und Technik rein, sowie 2,5l Wasser. Werden dann vielleicht 15-16kg, die aber völlig okay sind. Dürfte der leichteste Rucksack der letzten Jahre sein.

Morgen geht es dann von Mittenwald per Zug bis nach Sterzing, kurze Übernachtung im Hotel und dann am Samstag morgen noch mit dem Bus bis nach Ridnaun. Hier sollte ich dann gegen halb 10 meine Wanderung starten.

Insbesondere im zweiten Teil steht der Ortler im Fokus, auch wenn dieser sicherlich schon sehr früh zu sehen sein wird. Mit seinen fast 4000 Metern Höhe ist er der höchste Berg Südtirols und wird von zahlreichen Gletschern umgegeben.

Das Ende habe ich mir aktuell noch offen gehalten und entscheide dann vor Ort, wie und wo ich die letzten Tage verbringe. Das ganze Gebiet lässt einen wahnsinnig viele Möglichkeiten mit diversen Höhenwegen und Hütten, die mich sehr ansprechen.

In den vergangenen Tagen habe ich auch mit einigen Hütten Kontakt gehabt und mich über die Schneelage informiert – und es sieht sehr gut aus. Das erste Wochenende wird also definitiv schon klappen, auch wenn der Altschnee noch nicht komplett weg ist, ist alles begehbar. Dazu wird grandioses Sommerwetter erwartet, die Null-Grad-Grenze steigt auf 4000 Meter und damit wird die Schneeschmelze in den Bergen verstärkt stattfinden. Das Madritschjoch auf 3.125 Metern Höhe, welches ich in der zweiten Woche überqueren will, ist aktuell noch richtig weiß, aber selbst da weisen Fußspuren (gesehen via Webcam) darauf hin, dass es schon begehbar ist. Ansonsten werde ich mich natürlich auch jeden Tag mit den Hüttenleuten abstimmen, ob alles machbar ist – und wenn nicht, dann wird eben improvisiert und Alternativen ausgelotet.

In diesem Sinne – wir lesen uns aus Italien.

Hitzeschlacht und Sommerschnee – Rennsteig und Lasörling-Höhenweg 2018

Das Jahr 2018 wartete mit zwei Touren auf – zum einen wurde im Juli der Rennsteig erobert, als Ossi ja auch irgendwie ein Klassiker, den man mal gemacht haben muss, wenn man sich für das Wandern begeistert. Desweiteren folgte im August ein Hüttentrip auf dem Lasörling-Höhenweg in Begleitung meiner guten Freundin Ivonne.

Beginnen wir mal in Thüringen. Der Rennsteig ist knapp 170km lang, verläuft quasi immer genau über den Kamm des Thüringischen Schiefergebirges und gehört zu den meist begangenen Wegen Deutschlands. Also Rucksack auf, gut eine Woche dafür einplanen, sollte ja zu schaffen sein. In der Nähe von Eisenach startet der Weg am Fluß Werra, wobei es hier die Tradition ist, einen Stein aus dem Fluß mitzunehmen und diesen am Ende in die Saale wieder zu werfen. Also Steinchen geschnappt und ab auf den Rennsteig.

Startschuss in Hörschel

Wandertechnisch bietet der Rennsteig kaum Schwierigkeiten. Die ersten Tage gilt es immer wieder einige Höhenmeter zu überwinden, da man sich von gut 200 Meter auf knapp 1.000 Meter „hocharbeitet“. Größtenteils geht es über Forstwege und im Wald entlang. Eine Höhepunkt ist sicherlich das Wintersportzentrum Oberhof, wobei dies im Sommer auch eher trostlos wirkt und das Biathlonstadion gespenstisch leer ist. Hier habe ich zufällig mit der Deutschen Rodelnationalmannschaft im gleichen Haus übernachtet. Ansonsten sind die Ausblicke ganz nett, aber im Vergleich zu den Alpen eher unspektakulär. Mittelgebirge halt.

Im zweiten Teil wird der Weg dann teilweise auch richtig langweilig, es geht über Felder, teilweise Asphalt. Im Juli herrschte hier auch eine extreme Hitze, so dass es zum Schluss auch absolut kein Spaß mehr machte, die Füße glühten und waren am Ende mit zahlreichen Blasen übersäht… Nicht zu vergessen der Abschnitt über den ehemaligen Grenzweg – wer solche Wege als Wanderwege deklariert, fährt definitiv nur Auto. Schlimmer geht’s nicht (wer schon mal am Brocken war, kennt die auch).

Nichtdestotrotz – am Ende bin ich zufrieden in Blankenstein an der Saale angekommen und habe mein Steinchen zurück ins Wasser befördert. Irgendwo doch ein erhabener Moment, wenn man damit die Reise beendet.

Nach dem Mittelgebirge ging es dann später im August endlich wieder in die Nähe der mächtigen Gipfel. Auserkorenes Ziel war der wenig bekannte Lasörling-Höhenweg in der Nähe des Großglockners und Großvenedigers. Etwas südlich davon verläuft der Weg über mehrere Almen und Hütten entlang des Lasörlingkamm. Nach der Anreise nach Matrei in Osttirol und dem Besuch des hiesigen Naturparkmuseums, erfolgte am nächsten Tag der Aufstieg in die Höhe zur Zunigalm, welche bereits prächtige Aussichten über das Tal und die umliegenden Gipfel offenbarte.

Weiter ging es zur wunderschön gelegenen Zupalseehütte, wobei der Weg dorthin sich absolut gewaschen hatte. Mehrere Auf- und Abstiege, kumuliert weit über 1.000 Höhenmeter bergauf und insgesamt mehr als 8 Stunden Wanderung galt es zu überwinden. Dennoch ein traumhafter Weg und jede Anstrengung wert.

Auf den letzten Metern zur Hütte
Eines meiner absoluten Lieblingsmotive

Zum Glück war der Folgetag etwas kürzer, da dieser Etappe definitiv seine Spuren hinterlassen hatte. Bis zur Lasörlinghütte (am namensgebenden Berg Lasörling gelegen, der einzige 3000er des Bergkamm) war es nicht so weit – frühes Ankommen, Mittagsschläfchen und Kraft tanken war angesagt. Denn der Folgetag wies mit dem Bergertörl auf 2.850 Meter Höhe ein durchaus respektables Hindernis auf, wobei der steile Anstieg nicht der größte Knackpunkt war. Oben angekommen genossen wir mit einigen Mitwanderern die gigantische Aussicht.

Der Abstieg erfolgte über groben Schutt und der kleine Eissee auf dieser Höhe erinnerte einen auch daran, dass hier vor gar nicht so langer Zeit noch ein Gletscher vorhanden war.

Aber auch hier ging es immer weiter nach unten, bis wir schließlich die ebenfalls wunderschön gelegene Berger-See-Hütte erreichten (und kurz lautstark in den See gesprungen sind) – und dort die immer noch besten Käsespätzle genossen, die ich jemals auf einer Hütte gegessen habe. Absolut famos!

Der namensgebende Berger-See

Der Weiterweg wurde aufgrund von Wetterkapriolen etwas geändert, so dass wir erstmal abstiegen, um dann am Ende noch zur wärmstens empfohlenen Clara-Hütte zur gelangen, wo wir noch zwei Nächte verbrachten. Eine Hütte wie ein Traum – wir wurden wärmstens schon beim Empfang begrüßt, die Zimmer aus Zirbenholz dufteten unglaublich. Und nach einer kleinen Tageswanderung wollten wir dann wieder in den Abstieg – um festzustellen, dass es über Nacht im August einen kompletten Wintereinbruch gegeben hatte.

So ging es durch diese Winterlandschaft langsam bergab, begleitet von verwirrten Schafen, die uns den Weg versperrten und immer gut vorsichtig, da es doch stellenweise recht glatt war.

Da merkt man eben auch, dass in den Bergen auch im Hochsommer mit sowas zu rechnen ist. Irgendwann erreichten wir dann die Schneefallgrenze, verabschiedeten uns aus dem Winterparadies und beendeten damit auch diesen schönen Bergtrip in Österreich.

Lechweg und Alpenüberquerung – das Jahr 2017

Nach dem Rückschlag des vorherigen Jahres war die Richtung für 2017 klar – vielleicht alles eine Spur kleiner, aber dafür mit größeren Erfolgsaussichten. So wurden es am Ende zwei schöne Touren in dem Jahr. Zuerst ging es Ende Juni nach Arlberg in Österreich, wo der Lechweg auf mich warten sollte. Dies ist ein eher unbekannterer Wanderweg in den Alpen, welcher die Besonderheit besitzt, dass er von der Quelle des Flusses Lechs im Gebirge bis zur Mündung in die bayerischen Seen in Füssen führt. Der Lech fließt in Österreich noch komplett natürlich, ohne Begradigungen, Stauseen, etc. Das kommt dann alles erst, nachdem er die Grenze zu Deutschland überwindet…

Startpunkt ist auf über 2.200m Höhe am Formarinsee, wobei man recht bequem per Bus bis dorthin fahren kann. Das Alpenpanorama lässt sich hier auch sehen, wobei das Wetter die ersten Tage noch sehr durchwachsen war.

Von der Quelle bis zur Mündung bedeutet auch, dass man quasi immer leicht bergab läuft, von ein paar Gegensteigungen abgesehen. Das macht den Weg grundsätzlich eher einfach, auf eine Woche verteilt hat man am Ende aber doch über 130 Kilometer in den Beinen.

Bestimmt im ersten Teil des Weges noch die alpine Landschaft das Bild, wird es später deutlich flacher und es geht durch grüne Wiesen, während der Fluss immer breiter wird. Leider führt der Wanderweg hier zunehmend über breite Pfade, teilweise auch Asphaltwege, welche durch zahlreiche E-Bike-Fahrer genutzt werden. Das schmälert dann doch auch ein wenig den Wandergenuss. Ein Höhepunkt ist sicherlich die freischwebende Hängebrücke in Holzgau, die mehr als 100 Meter über das Tal führt und eher nur für schwindelfreie Menschen zu empfehlen ist.

Zum Abschluss überwindet man dann noch die Grenze nach Deutschland und befindet sich in der Nähe der Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau – inklusive Begegnungen mit zahlreichen Touristen, die durchaus auch verwundert dreinschauen, wenn man nach einer Woche Wandern urplötzlich aus dem Wald rauskommt und vielleicht nicht mehr jegliche Hygienestandards erfüllt.

Ziel des Weges am Lechfall in Füssen

Gut einen Monat später ging es dann auf die größere Tour – eine Art Alpenüberquerung, nicht ganz vergleichbar mit Klassikern wie den E5 (Oberstdorf – Meran), aber dafür selbst zusammengestellt und mit ein paar Highlights. Los ging der ganze Spaß in Kochel am See (durchaus interessant, dass ich heute in der Gegend lebe, wo ich früher öfters gewandert bin) und mit dem Jochberg wartete direkt ein erster schöner Aussichtsgipfel am ersten Tag.

Gipfelblick vom Jochberg – links Walchensee, rechts Kochelsee

In der folgenden Nacht zog ein heftiger Sturm über Bayern, der zahlreiche Bäume entwurzelte und meinen Weg stark verkomplizierte, da dieser teilweise nicht mehr passierbar war. So ging es querfeldein durch den Wald, teilweise schüttete es noch stark, ein richtiger Sahnetag zum Wandern. Vom zauberhaften Sylveinsteinsee ging es nun weiter nach Österreich zum Achensee, ein hübscher 30km-Marsch bei brütender Hitze – aber der Achensee lohnt jede Anstrengung. Am Folgetag wurde über einen kleinen Steig am Rand des Sees dieser quasi umrundet – zauberhafte Blicke inklusive.

Nun folgte der erste kleine Transfer, um das Inntal zu überwinden und dann hinauf zur Kellerjochhütte. Diese liegt wunderschön auf einem vorgelagerten Gipfel und bietet ein traumhaftes Panorama.

Weiter ging es zum nächsten Berghaus – der Rastkogelhütte. Dieser Tag führte u.a. durch das Skigebiet Hochfügen, einfach gnadenlos hässlich, sowas im Sommer sehen zu müssen.

Nächste Station war nun der Schlegeisspeicher am Ende des Zillertals.

Hier gab es dann einen Ruhetag, so dass die traumhafte Landschaft bewundert werden konnte. Nun hieß es, Österreich wieder zu verlassen und nach Italien weiter zu ziehen. Vom Speichersee führt ein kleiner Pfad hinauf zum Pfitscher Joch, direkt zwischen den höchsten Bergen der Zillertaler Alpen hindurch. Direkt am Pass befindet sich auch eine schöne Hütte, welche mir für diese Nacht Zuflucht bot.

Von der Passhütte hieß es dann, runter nach Sterzing zu wandern – also von gut 2.500 Metern Höhe auf gut 900 Meter. Wieder ein langer Tag bei ordentlich Wärme, aber es half ja alles nix.

Da der Urlaub noch ein paar Tage Rest hatte, gab es noch einen kleinen Schwenk in die Dolomiten. Kleiner Transfer in Richtung Lüsner Alm, wo ich auf einer der schönsten Hütte nächtigte, die man sich vorstellen kann (Starkenfeldhütte, mega schöne Zimmer).

Abschließend folgten noch zwei wundervolle Tage mit der Umrundung des Peitlerkofels und nach zwei Wochen war das Projekt Alpenüberquerung dann auch abgeschlossen. Und diesmal ohne kaputte Schuhe oder Schneeeinbrüche.

Peitlerkofel

Wie ich lernte, den Schnee zu fürchten – das Königssee-Fiasko 2016

Auch heute hält sich in meiner Familie noch der Mythos, dass ich 2016 nur ganz knapp dem Sensenmann von der Schippe gesprungen bin und in eine Gletscherspalte gerutscht sei. Seither wird jeder Ausflug, jeder Schritt auf den Berg skeptisch beäugt und entsprechend kommentiert, dass ich ja auf mich aufpassen soll.

Doch reisen wir zurück in das damalige Abenteuer – angespitzt von der letztjährigen Tour war ich natürlich Feuer und Flamme, dass dies nun meine Art des Reisens für die Zukunft wird. Und die ganzen nicht so schönen Aspekte wurden vollkommen ausgeblendet – statt sanfter Steigerung sollte es direkt in die Vollen gehen. Die 2 Wochen Dolomiten waren damals schon an bzw. über der Grenze – also nun direkt 4 Wochen. Dazu alleine und ab Mitte Juni. Geplant war die Tour mit dem Start am malerischen Königssee und dann quer durch halb Tirol bis nach Innsbruck. Natürlich war das alles auch völlig naiv. Und ich sollte wieder was für mich lernen.

Im Mai / Juni ist es in Leipzig meistens schon brütend warm. Was sollte dagegen sprechen, dann in die Berge zu gehen? Nun – heutzutage schüttele ich mit dem Kopf, wenn ich im Lokalblatt lese, dass sich wieder irgendwelche Deppen bei noch winterlichen Verhältnissen in die Berge verirrt haben und dort von der Bergrettung abgeholt werden müssen. So schlimm war es bei mir nicht, aber das man im Sommer Probleme mit Schnee haben könnte, war mir bis dahin nicht so ganz bewusst.

Pünktlich zu meinem 30.Geburtstag ging es also nach Berchtesgaden und fix mit der Seilbahn zum Jenner hinauf, wo der Blick zum Watzmann alles überstrahlte.

Erste Übernachtung im altehrwürdigen Carl-von-Stahl-Haus, welches gerade erst Saisonstart hatte und somit noch kaum Wanderer anzutreffen waren. Am zweiten Tag sollte es quasi kerzengerade in südlicher Richtung entlanggehen – auf der Karte kein allzu langer Weg und auch die Höhenmeter schienen einigermaßen beherrschbar. Nun denn – von der Hütte ging es direkt steil auf den Schneibstein hinauf, mit über 2.200 Meter auf dieser Seite ein durchaus beachtliches Hindernis. Mal wieder viel zu vollgepackt (zwar kein 2kg-Stativ dabei, aber trotzdem wieder die große Spiegelreflexkamera), war der erste Berg auch schon konditionell ein Scharfrichter.

War es auf der Anstiegsseite noch gut beherrschbar, änderte sich dann oben die gesamte Landschaft – und es wurde weiß. Gefühlt lag da oben mehr Schnee, als man in Leipzig im kompletten Winter hat. Und die Mischung aus Geröll, sehr unrhythmischen Wegen und eben mehreren Schneefelder offenbarte sich als großes Hindernis. Hinzu kam, dass mir bereits beim ersten Berg sämtliche Wasservorräte für den gesamten Tag ausgegangen sind. Heutzutage muss ich einfach darüber lachen, wie dumm das mitunter auch war. Statt einer normalen Wanderhose hatte ich eine Art Regenhose an, die absolut nicht atmungsaktiv war. Was im Anstieg dazu führte, dass ich wie in der Sauna geschwitzt habe – und somit ständig Wasser von oben nachschieben musste.

Der weitere Weg wurde nun richtig spannend. Vor mir sämtliche Altschneefelder der Alpen, völlig unpassende Kleidung, ein langsam aufkommendes Durstgefühl und ein Zeitplan, der bereits am ersten Berg des Tages komplett in sich zusammengefallen ist. Mit lockerem Wandern hatte dies nicht mehr so viel am Hut, teilweise musste am Fels ein wenig geklettert werden und der Schnee machte die Orientierung auch sehr schwierig.

Das führte dann auch dazu, dass ich den Weg verpasste. Im Normalfall kann man sich in den Bergen ganz gut orientieren, da entweder Bäume oder Steine in regelmäßigen Abständen mit einer zumeist rot-weißen Markierung versehen sind. Sind die Steine unter Schnee, gelingt das nicht mehr so gut. Somit trottete ich irgendeiner Spur nach, kämpfte mich durch kleine Gebüsche, stolperte über den Schnee und auf einmal machte es rumms – und ich war bis zur Hüfte in einem Schneefeld eingebrochen (keine Gletscherspalte!). Oftmals ist es so, dass oberhalb der Schnee noch eine zusammenhängende Oberfläche besitzt, aber unterhöhlt ist. Wenn man das nicht sieht und solch eine Fläche betritt, kann das durchaus unschön werden. Nun ja – glücklicherweise war nix passiert, außer dem kleinen Schock und der etwas zerrissenen Hose (um die es aber auch nicht schade war). Irgendwie auf allen Vieren wieder rausgekämpft und dann sah ich in der Ferne, wo der eigentliche Weg auch lang ging. Nun war die Wahl – entweder querfeldein absteigen oder alles zurück und schauen, wo ich den richtigen Abzweig verpasst hatte. Die Wahl fiel auf die sichere Zurück-Variante, schließlich fand ich auch den Weg, beschimpfte mich selber mehrfach, wie ich das übersehen konnte.

Landschaftlich war das alles durchaus beeindruckend. Eigentlich auch ein schöner Wandertag, aber inzwischen war der Kopf nur noch damit beschäftigt, wie man das ganze fortsetzen konnte. Und nun merkte ich auch, dass der Durst stärker wurde. Die Flaschen leer – was also tun? Eine Hand in den Schnee und somit wurde es damit versucht. In der Ferne sah ich aber schon eine kleine Wasserfläche – der Seeleinsee, welcher durch die Schneemassen des Winters gespeist wurde. Halb entkräftet schaffte ich es bis dorthin und sofort flossen mehrere Liter eiskalten Wassers die Kehle hinunter. Nun stellte sich die Frage – wie weiter? Und angesichts der desolaten Lage des eigenen Ichs war klar – ich muss hier wieder runter, egal wie. Erstmal keine Tour weiter, einfach runter ins Tal. So leicht war das aber auch nicht, der Weg zurück sollte es keinesfalls werden. Doch glücklicherweise gab es einen alternativen Pfad, der mich langgezogen runter bringen sollte. Also dann das. Hier hörte ich dann auch auf, zu fotografieren, ich wollte nur noch runter, nur noch einen Fuß vor den anderen setzen und mich aus den Bergen verabschieden. Asphaltierte Straßen, Wasserhähne und kurze Hosen.

Irgendwann holte mich dann eine Frau ein, die meinte, dass sie meine Spuren im Schnee gesehen hatte und auch das Loch, wo ich versackt war. Sie merkte mir auch an, dass der Tag durchaus seine Spuren hinterlassen hatte und zusammen gingen wir dann noch den kompletten Weg bergab und gönnten uns auf einer kleinen Alm noch einen Schnaps. Nach gut 10 Stunden erreichten wir Schönau am Königssee, ich checkte im Hotel ein und verbarrikadierte mich erstmal vier Tage dort, um das ganze zu verkraften und die Lebensgeister wieder zu wecken. Sollte dies das Ende meiner Berglaufbahn sein? Zum Glück nicht :).

Wie alles begann – Dolomiten 2015

Inzwischen sind die Bergtouren ja irgendwie schon Routine geworden – Routenplanung, Ausrüstung. Man weiß, was man so ungefähr leisten kann, welche Wege man läuft, was grundsätzlich mit muss. Über die Jahre hat man sich da einfach einen Erfahrungsschatz angeeignet, auf dem man nun immer wieder zurückgreifen kann. Doch auch ich musste das mitunter schmerzhaft lernen, was es heißt, in den Bergen unterwegs zu sein, an Grenzen zu stoßen, die man nicht überwinden kann und zu lernen, was man eigentlich braucht und was nicht.

Als Flachlandtiroler hatte ich mit den Bergen und insbesondere mit dem Wandern in der Höhe quasi nie was am Hut. Das änderte sich im Jahr 2015, als es auf die erste Tour in die Dolomiten ging. Wobei die ursprüngliche Planung ganz anders aussah – denn irgendwie war ich auf den Gedanken gekommen, nach Norwegen zu reisen und durch die Hardangervidda zu wandern. Diese karge Hochebene hatte mich fasziniert – doch nach einigen Gesprächen und der Feststellung, dass 2015 wohl ein Lemmingjahr wird (was bedeutet, dass es in so einem Jahr sehr viele Lemminge dort gibt, die sich irgendwann in Bäche stürzen und jämmerlich ertrinken, was dazu führt, dass man dort eher kein Wasser trinken sollte), wurde der Plan verworfen (Danke Ivonne!) und dann hieß es – auf in die Dolomiten. Natürlich direkt zwei Wochen und keine Ahnung, was einem erwartet. Zusammen mit meinem sehr guten Kumpel Jens ging es nach Bozen, beide vollkommen schlecht ausgerüstet. Ich hatte Kameraequipment für einen Hollywoodfilm dabei – dicke Spiegelreflexkamera mit 200mm-Teleobjektiv und dazu ein 2 Kilo schweres Alu-Stativ… Jens reiste mit Bundeswehrrucksack, welcher so schmale Schulterriemen hatte, dass er gnadenlos in die Schulter einschnitt.

Der Plan sah vor von der Seiser Alm bis zu den Drei Zinnen zu wandern – es sei hier schon gesagt, dass ich die Drei Zinnen dann erst sechs Jahre später zum ersten Mal sah. Die Seilbahn katapultierte uns auf die Seiser Alm und dann ging es in den ersten Anstieg hinauf zum Schlernhaus. Und ich konnte direkt feststellen – Bergwandern ist wirklich unfassbar anstrengend, vor allem, wenn noch weit über 20 Kilo am Rücken hängen. In der Zeit war ich noch recht regelmäßig joggen, aber die Kondition versagte schon am ersten Berg. Irgendwie kam man dann doch oben ab und die erste Nacht auf einer Berghütte erwartete uns. Und was soll man sagen – der abendliche Blick zum Rosengarten zählt auch heute noch zu den magischsten Momenten, die ich je am Berg erleben durfte.

Der folgende Tag über die Tierser Alpl-Hütte an den Fuß des Plattkofel offenbarte sich als weiterer Tag voller Qualen. Ständig hoch und runter, drückende Hitze und hochfrequentierte Wege. Auf der ersten Hütte unterwegs wurde erstmal ein dickes Schnitzel eingeworfen. Rückblickend muss ich immer wieder schmunzeln, wie naiv man damals auch gewesen ist, andererseits aber doch erstaunlich ist, wie man trotz der ganzen Gegebenheiten dennoch abends immer ankam. Mitunter in einem ziemlich jämmerlichen Zustand, aber solange noch ein Fuß vor den anderen gesetzt werden konnte, war man noch nicht am Ende. Die kleine Sandro-Pertini-Hütte lag malerisch unterhalb der schroffen Wände des Langkofelmassivs und bot den geschundenen Wanderern eine nette Unterkunft (Fun-Fact: Jens wunderte sich die ganze Nacht, warum sein Bett so extrem hart war… am morgen stellte sich dann heraus, dass er eine Tür unter der dünnen Matratze hatte).

Weiter sollte es nun auf das furchteinflößende Sella-Massiv gehen. Wobei nicht klar war, wie man dort hoch kommt. Auf der Karte (damals wie gesagt alles noch sehr blauäugig) war irgendwo ein ganz schmaler Weg eingezeichnet, also geht es da bestimmt lang. Zuerst an die Straße des Sella-Pass und dort weiter auf dem Asphalt entlang. Nicht besonders schön und auch nicht ganz ungefährlich, allerdings war die Szenerie durchaus beeindruckend.

Und dort leicht links der Mitte sollte es hochgehen. Naja – ein paar Meter, dann wurde es so steil, dass ich kapitulierte. Also die große Faltkarte aufgeworfen, über ein paar Pfade weiter abgestiegen und dann hoch zum Pordoipass, wo uns schließlich die Seilbahn zum Rifugio Forcella Pordoi hinaufbrachte. Nach drei Tagen war der Tank gefühlt schon vollkommen leer.

Wer noch nie im Sella-Massiv war, dem sei dies hiermit ans Herz gelegt. Welch eine Mondlandschaft offenbart sich dort oben und via Seilbahn einfach zu erreichen.

Der nächste Tag sollte ein besonderes Highlight enthalten – denn mit dem Piz Boe ging es auf über 3000m Höhe. Also morgens voller Tatendrang losgelaufen und den sehr steilen Weg hochgekämpft.

Piz Boe am Morgen
Blick zum Marmolada-Gletscher
wie jung man damals war…

Den ersten 3000er geschafft, doch die größte Schwierigkeit lauerte unwissentlich noch. Denn der Abstieg auf der Ostseite hat es extrem in sich. Irgendwie müssen über 1000 Meter Höhenunterschied ja gemacht werden, also klettert man quasi durch fast senkrechte Steilstufen herunter. Diese Rinne hat mich noch Jahre später bei der Planung für Touren beschäftigt, weil ich sicher gehen wollte, dass ich sowas steiles nicht nochmal runter muss.

250 Höhenmeter gerade steil runter auf rutschigem Geröll

Aber – irgendwie kommt man immer runter, nach 1300 Meter Abstieg dann nochmal einen Gegenanstieg hoch und irgendwann völlig fertig auf der Pralongia-Alm angekommen, mit der klaren Maßgabe – morgen braucht es einen Ruhetag.

Nachdem die Akkus wieder einigermaßen Kraft getankt hatten, ging es weiter in östlicher Richtung und das Ziel lautete Rifugio Scotoni. Dort stellten wir dann fest, dass es insbesondere in der Haupturlaubszeit sinnvoll sein könnte, vorher zu reservieren. Der ganze Anstieg völlig umsonst. Also wieder runter und im Tal in einer kleiner Pension übernachte. Nun ging es hinauf in die Fanes, eine wundervolle Hochebene, umrahmt von schroffen Gipfeln mit lauschigen Bächen und grünen Wiesen.

Durch die Fanes läuft einer der bekanntesten Dolomiten-Höhenwege, der absolut zu empfehlen ist. Für uns ging es nun weiter nach Norden zur Sennes.

Der Plan mit den Drei Zinnen als Ziel war da schon längst ad acta gelegt – das lag zum einen am sowieso schon völlig zerplatzten Zeitplan und der mangelhaften Kondition, zudem hatten auch die Schuhe von Jens den Geist aufgegeben und begannen sich aufzulösen. So wurde die Reise dann am Pragser Wildsee beendet und das erste Bergabenteuer war vorbei. Anders als geplant, tausendmal anstrengender als erwartet, aber dennoch der Ursprung dessen, was darauf folgte und noch folgen wird.

Let’s go – Reiseblog online

Liebe Freunde, Familie, Kollegen – nun steige ich auch (endlich) ins Reiseblogger-Business ein. Halt nur ohne Business, aber dafür hoffentlich mit vielen schönen Erlebnissen, welche ich mit euch teilen möchte.

Die letzten Jahre waren ja schon von einigen Abenteuern geprägt, traumhaft schöne und anstrengende Touren in den Bergen. Dabei wird es ja nicht bleiben und insbesondere das Jahr 2023 wird nun einiges bieten, das es zu dokumentieren gilt.

In einer Woche steht nun die erste Tour vor der Tür – zwei Wochen Hüttentour durch Südtirol. Grundsätzlich habe ich die Gegend in den vergangenen Jahren schon gut frequentiert, vor allem die Dolomiten. Diesmal geht es etwas weiter westlich in Richtung des Ortler, ein fast 4000m hoher Gipfel und der höchste Berg Südtirols. Es geht nicht hoch (noch nicht…), aber rundherum bietet sich die Möglichkeit für eine fantastische Hüttentour, beginnend von Ridnaun an der österreich-italienischen Grenze.

Ich bin gespannt, wie die Restschneeverhältnisse in der Höhe sind, nach den Bildern der Webcams scheint es mehr wie vergangenes Jahr zu sein (da war es aber sowieso richtig krass), aber dafür weniger als 2021. Ich bin schon mit den Hütten in Kontakt, ob ich die Grödel einpacken muss.

Und dann steht ab Ende Juli noch der ganz große Trip auf dem Programm – 2 Monate Pyrenäen. Mehr dazu später.

In diesem Sinne – viel Spaß beim Mitlesen.