Nun sind keine Berge mehr um mich herum. Keine hohen Gipfel, keine steilen Wanderwege. Stattdessen – Meer. Und sehr viele andere Touristen.
Die Entscheidung, die Tour unter- und dann abzubrechen, fiel am Ende nicht so schwer. Zu krass wurde das Wetter, da war das letzte Wochenende, wo ich am Berg umgedreht bin, gar nix dagegen. Von Tag zu Tag wurde es immer heißer und da war klar, dass es überhaupt keinen Sinn macht, hier weiterzugehen. So schwer es auch erstmal fällt, nach 3 Wochen durchackern, aber es war die vernünftige, die richtige Entscheidung. Die letzten Tage liefen dementsprechend ruhig ab: Von Bareges bin ich per Bus nach Cauterets, eine kleine Stadt umringt von hohen Bergen und durchaus auch ein schönes Touriziel im Sommer. Nur leider waren in diesen Tagen selbst auf 1000m Höhe Temperaturen, die jegliche Aktivität extrem anstrengend machte. Einmal bin ich eine längere Tour entlang der bewaldeten Hänge gelaufen, aber selbst das war schon eine extreme Belastung für den Körper.


Klar, irgendwie hätte ich die Woche auch abwarten können und dann weitermachen. Aber wenn man einmal eine längere Pause einlegt, bekommt man den Schalter nur ganz schwer wieder umgelegt. Zudem wäre mein Zeitplan dann nicht mehr umsetzbar gewesen. Also habe ich mich von der Tour verabschiedet. Zu meinen lieben Gastgebern in Bareges habe ich mich schon verabschiedet mit den Worten, dass ich irgendwann hier wieder ansetzen werde und den Rest noch laufe.



Nachdem die Hitze in den letzten Tagen selbst beim Nichtstun einfach anstrengend war, hat es nun heute den Wetterwechsel gegeben. Es ist grau, als ich morgens wach werde. Etwas Regen fällt auf die ausgetrockneten Dächer von Cauterets. Bis auf kleine Schauer während der Gewitter hatte es seit Wochen nicht mehr geregnet. Ich sitze im Bus nach Lourdes, dem bekannten Wallfahrtsort, am Fuß der Pyrenäen. Auf beiden Seiten ziehen die Felswände an mir vorbei, während wir Meter um Meter herunter fahren. In einigen Serpentinen sind noch Anfeuerungssprüche von Fans an die Fahrer der Tour de France auf die Straße gemalt – vor gut zwei Monaten endete in Cauterets eine Tagesetappe. In Lourdes verabschiede ich mich dann von den Pyrenäen – ab in den Zug nach Bayonne Richtung Meer. Dort nochmal in den Bus und zack, bin ich am Nachmittag in Biarritz, wo mich der Atlantische Ozean (wieder) erwartet.


Ich merke – ich bin nicht ganz so gekleidet, wie manch andere hier. Mit ramponierten Sportklamotten, dreckigen und halb kaputten Wanderschuhen, seit vier Wochen unrasiertem Gesicht und mit dicken Gepäck flaniere ich über die Strandpromenande und sehe mich an Gucci-Läden vorbeilaufen. Der Touri-Schreck ist zurück! Aber es ist echt schön hier. Die Strände von Biarritz liegen zwischen diversen Felsformationen, die wundervoll anzusehen sind. Wobei so ganz die Berge nicht weg sind, denn in südlicher Richtung ist mein Startort vor vier Wochen, Hendaye, zu erkennen und dahinter sieht man auch die ersten Hügel des Baskenlandes. Genau die Berge, die ich damals als erstes auf meinem Weg Richtung Osten bezwungen habe. Und nun stehe ich einige Wochen später hier am Meer und sehe sie wieder. Ein klein wenig Wehmut macht sich doch breit.



Mein Hotel ist gut 100 Meter vom Meer entfernt, eher zweckmäßig, aber für das Wochenende wird es auf jeden Fall ausreichen. Nach Check-In ging es noch ein wenig den Strand entlang, die kommenden zwei Tage schaue ich mir alles mal noch genauer an. Wahrscheinlich im Dauerregen, aber das ist mir inzwischen auch egal. Hauptsache keine Hitze mehr.



Hallo Ron,
die Theresa aus den Pyrenäen hier. Nachdem ich sämtliche deiner (sehr gut geschriebenen!) Beiträge gelesen habe und nun hier gelandet bin, dachte ich, ich melde mich einfach mal . Mir is es ähnlich ergangen: Ich hatte noch einige wirklich schöne, aber auch wirklich anstrengende und heiße Wandertag und bin bis zum Cap de LLauset gekommen. Allerdings bin ich krank geworden (zur äußeren Hitze kam noch Fieber dazu…) und habe einige Tage quasi ausschließlich schlafend auf einem Campingplatz verbracht. Danach habe auch ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, die Wanderung (vorerst) zu beenden und bin über Barcelona wieder in die Heimat gefahren. Sehr schade zwar, aber wohl besser so. (Übrigens: Die Problematik mit de Kleidung wurde mir dort ebenfalls schmerzlich bewusst – ich wurde in der Regel angeschaut wie eine Außerirdische :D).
Hab noch einen schönen Urlaub!
Viele Grüße 🙂
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