Schlammschlacht im Toten Gebirge

Als ich am Freitag Nachmittag Murnau verlasse, regnet es. In München treffe ich mich mit Sandra, es regnet. Weiter geht’s per Zug nach Salzburg, als wir ankommen, regnet es. Heute morgen geht’s nochmal zum Zug, wir fahren noch gut 3h weiter östlich von Salzburg, währenddessen regnet es natürlich. Als wir dann heute Mittag dann endlich unsere Tour im kleinen Ort Spital am Pyhrn ankommen – ihr werdet überrascht sein, auch da regnet es. Nun denn, unserer Laune tut es erstmal keinen Abbruch.

Im Regen marschieren wir erstmal durchs Dorf, wo es anscheinend an diesem Wochenende noch eine Riesenfete gibt. Wir können leider nicht teilnehmen, da wir andere Pläne haben, aber wir wünschen Renate dennoch alles Gute zum 60.!

Nachdem wir die Pyhrn-Autobahn via Fußgängerbrücke überquert haben, ging es nun richtig in die Natur und richtig los. Steil stieg der Weg am Berghang an, mit ruhig Eingrooven war das nix, volle Power die ersten 200 Höhenmeter hinauf.

Es war sicherlich nicht überraschend, dass wir die erste Zeit komplett alleine unterwegs waren. Wer geht schon bei dem Dreckswetter freiwillig wandern? So zogen wir allein über den Weg, bis urplötzlich ein kleines Geschöpf vor uns auftauchte – ein Feuersalamander.

Nun ging es gemächlich weiter durch den Wald, bis wir am Gleiknersee ankamen. Theoretisch ein wunderschöner Badesee mit Liegewiese und Biergarten, heute eher gespenstisch mit tiefstehenden Wolken in den dahinter liegenden Bergen.

Nach 2 Stunden Dauernässe verzogen wir uns auf eine kleine überdachte Bank und genossen kurz den wundervollen Blick. Doch lange ausruhen war nicht drin, wurde es doch zum einen sehr schnell kühl und zum anderen quarzte der ältere Herr auf der Bank neben uns gefühlt eine halbe Schachtel Kippen auf einmal…

Nun also wieder ab in den Regen und die Schilder mit unserem heutigen Ziel waren dann auch schon zu sehen – die Dümlerhütte. Gut 2 Stunden Aufstieg standen uns nun bevor.

Ging es am Anfang noch über einen kleinen Pfad mit vielen Wurzeln nach oben, änderte sich schnell die Beschaffenheit des Weges – und leider nicht zum Guten. Quasi senkrecht den steilen Hang herauf ging es nun weiter, dazu wurde es sehr schlamig und rutschig. Definitiv kein schöner Abschnitt und sehr beschwerlich zu laufen. Dazu regnete es natürlich weiter, aber das muss ich wohl nicht mehr ausführen.

Ständig mussten wir schauen, wo wir überhaupt lang konnten, dazu war auch immer wieder das Gleichgewicht gefragt, um nicht rückwärts den steilen Hang wieder herunter zu rutschen. So kämpften wir uns bei diesem Sauwetter durch den Schlamm immer weiter nach oben, erklommen Meter um Meter und schlängelten uns diese Bergwand hinauf. Pause machen ging nicht mehr, also einfach weiter.

Nun wurde es nicht nur schlammig, sondern durch nasse Wurzeln und Steine auch noch extrem rutschig. Während auf der einen Seite der Berghang steil abfiel, tänzelten wir wie zwei russische Ballerinas über den schmalen Pfad, darauf bedacht, dass jeder Schritt sitzen muss und Fehler oder falsche Tritte böse bestraft werden würden. Das ist dann nicht nur körperlich anstrengend, sondern über die Dauer auch geistig. Man ist ständig hochkonzentriert, schaut, wo man hinlaufen kann, wo man sich festhalten muss.

Als wir das Ende der Steilwand erreichen, freuen wir uns sehr, hofften wir doch, dass wir nun das schlimmste Stück hinter uns hatten. Doch noch immer sind mehrere hundert Höhenmeter vor uns und so langsam merken wir die bisherige Anstrengung. Die Schritte sind nicht mehr so schnell, die Beine wie Blei, die Kraft wird weniger. Und dazu regnet es natürlich immer weiter…

Stimmung im Anstieg

Aber gegenseitig können wir uns motivieren und so zogen wir noch die letzten Meter hinauf in den Nebel und erreichten nach 16 Uhr die Dümlerhütte – natürlich weiterhin im Regen.

Hier haben wir ein kleines Zimmer für uns, genießen warme Duschen, mehrere Radler und ein gutes Abendessen. Als Belohnung gönnen wir uns noch die beiden kleinen Flaschen Berliner Luft, die Sandra aus Leipzig mitgebracht hat. Am Ende sind wir über 1.300 Höhenmeter heute aufgestiegen, man merkt es auch, wir sind schnell müde und gähnen seit dem Abendessen schon rum. Mal schauen, was Petrus morgen sagt – wir hoffen auf Wetterbesserung. Aktuell regnet es übrigens immer noch…

Ein Kommentar zu “Schlammschlacht im Toten Gebirge

  1. Hallo Ronny,

    es ist schön wieder von Dir zu hören oder vielmehr zu lesen.

    Ich wünsche euch für morgen ,das Petrus mehr Sonne als Regen bereithält,damit ihr eure Tour im Trocknen fortsetzen könnt.

    In jedem Fall freue ich mich ,dass Du unterwegs bist,freu mich auf deinen Reisebericht ,die tollen Fotos und das ich so ein bisschen teilhaben kann an eurer Wanderung.

    Lg vom Hasenberg⛰️

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