Adieu Warm-Up! Nach gut 150 Kilometer Warmlaufen erreiche ich nun endlich die hohen Gefilden der Pyrenäen. Damit ist der erste Meilenstein erreicht. Bereits gestern waren diese direkt vor der Nase erkennbar, ab heute betrete ich nun endlich die Welt des Hochgebirges. Damit gleichzeitig einher geht der Übertrieb vom „Bundesstaat“ Navarro nach Aragonien. Der Hostel-Aufenthalt in Isaba ist gut, das Essen schmeckt, allerdings ist dies der erste Ort, wo das Wasser absolut ungenießbar ist. Naja, dafür gibt es ja hier einen Supermarkt. Dadurch, dass die heutige Etappe eher kurz ist, verlasse ich erst gegen halb 11 das Hostel und lasse Isaba hinter mir.


Irgendwie ist es fast schon etwas ungewohnt, nun wieder alleine zu laufen, vor allem, da der Beginn wiederum über eine eher langweilige Forststraße führt. Einige Tagestouristen, die verblüfft auf meinen Rucksack starren, lasse ich hinter mir. Als es durch eine Art Pforte zwischen zwei riesigen Felsen geht, wird der Weg deutlich schöner.


Nun beginnt einer der schönsten Abschnitte. Über einen kleinen, dunklen Waldpfad geht es hinauf, rechts bahnt sich ein kleiner Bach den Weg Richtung Tal. Es wirkt wie im Märchen. Und als sich auch noch ein bezaubernder Wasserfall mit einer Art natürlichem Pool offenbart, bin ich und hin weg. Leider ist hier etwas viel Publikum, ansonsten wäre der Weg ins kühle Nass sehr attraktiv gewesen.



Aber die Freude währt manchmal nicht so lange, denn kurze Zeit später ist der Weg nur noch verwirrend. Wegmarkierungen, die ins Nichts führen und zack hab ich mich zum ersten Mal kurz verlaufen. Querfeldein finde ich wieder die Spur, aber natürlich nicht, ohne vorher nochmal ganz tief in den Matsch zu latschen. Der folgende Anstieg ist ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage, steil schraubt sich der Weg nun wieder im Wald hoch, um am Ende auf einer Kreuzung mit einer Passstraße zu landen. Überall parken Autos, eine Frau sitzt im selbst mitgebrachten Stuhl direkt daneben und schaut in die Berge. Kann man auch machen.


Das eigentliche Ende der Etappe wäre am Campingplatz Zuriza, so ist es auch noch überall ausgeschildert. Leider ist dieser seit diesem Jahr geschlossen, so dass die Wanderer auf der spanischen Route durchaus gut planen müssen, da sie dort mehr als 2 Tage komplett ohne Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeit sind. Ich treffe ein paar Spanier, die völlig überrascht sind und nun alternativ planen müssen. Dies war auch der Grund, warum ich den GR11 hier verlassen und nach Norden Richtung Frankreich umschwenke. Als ich gedankenverloren am Geister-Campingplatz vorbeigehe, höre ich rechts von mir einen Ruf. Da sitzt Tini, die Belgierin von gestern, am Fluß und macht gerade ein Päuschen. Es ist schön, sie wiederzusehen, ich geselle mich dazu. Wir verabreden uns schon für den Donnerstag, wenn ich wieder nach Spanien auf den GR11 laufe und wahrscheinlich das gleiche Etappenziel wie sie habe.

Zum Abschluss geht es nochmal gut 5km über eine kleine Straße bergauf zum Refugio Linza. Mit dem Hochgebirge steht nun auch die erste Berghütte auf dem Programm. Der Weg ist nicht spannend, bietet aber ein paar schöne Eindrücke auf die umliegende Bergwelt. Als ich oben ankomme, trifft mich aber etwas der Schlag. Unfassbar viele Autos stehen hier auf einem riesigen Parkplatz, von der Hütte aus gehen zahlreiche Wanderwege ab. Zahlreiche Menschen sind um die Hütte versammelt. Richtig viel Bergidylle hat das ganze noch nicht.

Ich checke ein, ist nicht viel anders als in den Alpen. Es heißt, heute wird es komplett voll, ich begutachte einen der großen Schlafsäle und freue mich schon wieder auf den Moment, wenn ich irgendwo alleine übernachten kann. Immerhin liege ich mit einer Seite an der Wand, dafür aber direkt an der Tür, so dass ich wahrscheinlich jedes Mal wach werde, wenn jemand raus- oder reingeht. Kurz nach mir betreten riesige Gruppen das Haus. Teils mit großen Sporttaschen, großen Kissen, eine sogar mit Koffer (wtf?). Na das kann ja lustig werden. Der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht so ganz, hier fahren wirklich Massen mit dem Auto vor die Tür der Hütte, um dann dort drin zu nächtigen. Hüttenfeeling kann man hier komplett vergessen, es wirkt mehr wie ein Ferienlager. Abendessen gibt es hier auch erst ab halb 8. Mit den Zeiten komme ich irgendwie noch gar nicht klar. Ich schnappe mir mein nasses Zeug von heute, hänge es in die Sonne und genieße den späten Nachmittag am Bach.

17,5 km, 660hm hoch, 120hm runter, mit großer Pause 5:15h
